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Leon & Matagalpa

Hm… die Zeit vergeht so schnell und da ich meinen Reisetakt seit Granada wieder deutlich erhöht habe, hinke ich mit dem Blog leider etwas hinterher. Daher werden wohl Leon und Matagalpa nicht ganz die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdient haben.

Leon
Nachdem mir Granada gut gefallen hatte, wollte ich auf jeden Fall auch in Leon, der zweiten großen Kolonialstadt Nicaraguas, vorbeischauen. Laut zahlreicher Literatur war Granada damals wohl das wirtschaftliche Zentrum und die Einwohner waren eher konservativ, während Leon das Handwerks- und Künstlerzentrum war und dadurch deutlich liberaler. Und wenn man der Familie, bei der ich während der Hilfsprojektzeit gewohnt hatte und einigen anderen Einheimischen glauben schenken mag, so ist das heute wohl noch immer ein bißchen so.  In jedem Fall gibt es auch heute noch eine wohl gehegte Rivalität zwischen den beiden Städten, die nicht zu leugnen ist. 😉

Obwohl Granada durchaus etwas “übersichtlicher” auf einen wirkt (wie Steffi in ihrem Kommentar schon geschrieben hat) – mir kam es touristisch irgendwie erschlossener vor – so hab ich mich in Leon doch noch ein Stück wohler gefühlt (und dass, obwohl mir Granada ja auch schon gefallen hatte!) und war daher ziemlich traurig, dass ich nur zwei Tage bleiben konnte. Die Märkte, die Kirche, die Cafés, Bars & Restaurants sowie die zahlreichen Plätze haben auf mich einfach noch ein bißchen einladender gewirkt und auch die Menschen schienen mir noch offener. In jedem Fall möchte ich an dieser Stelle allen, die auch mal in die Stadt kommen, das Hostel Lazybones empfehlen! Geräumige Schlafsäle, super nettes und hilfsbereites Personal und ein Pool im Hinterhof! Und das alles für nur $8 pro Nacht! 😀 Abgesehen von all dem hab ich in Leon aber während eines kleinen Kochkurses auch eine sehr nette kanadische Familie kennengelernt (Vater, Mutter, 2 Söhne, Oma), die für etwa ein halbes Jahr ein Haus in Las Penitas (eine kleine Stadt an der Pazifikküste unweit von Leon) gemietet hat und das Wochenende in Leon verbrachte. Und weil wir uns auf Anhieb gut verstanden, haben sie mich dann auch prompt für ein paar Tage zu sich eingeladen. Ich hätte das Angebot wirklich gerne angenommen. Allerdings verfliegt die Zeit hier so schnell und ganz weit oben auf meiner Nicaragua-Liste stand auch noch, ein paar Tage bei einer indigenen Familie in den Bergen von Matagalpa zu verbringen. Daher hab ich mich schweren Herzens entschieden, das Angebot abzulehnen und bin am Montagnachmittag weiter nach Norden gereist.

Matagalpa
Von Leon aus ging’s am Montagnachmittag also weiter nach Matagalpa, von wo aus ich am nächsten Tag meinen Aufenthalt bei einer indigenen Familie in den Bergen organisieren wollte. Im Hotel traf ich abends jedoch zufällig drei nicaraguanische Agrarwissenschaftler, die am nächsten Morgen sowieso nach San Ramon fuhren; genau in das Dorf, in das ich auch musste, da dort die UCA (Union of Agricultural Cooperatives) ein kleines Büro hat, von dem aus sie touristische Aufenthalte bei Familien in den Bergen vermittelt. So fuhr ich also am nächsten Morgen ziemlich früh, aber auch ziemlich bequem mit den drei Nicaraguanern im Auto nach San Ramon und hatte dort bereits um 8.45 Uhr alles für meinen Aufenthalt organisiert. Und damit konnte es dann auch schon losgehen. Ich wurde von einem Taxi in die kleine Gemeinde La Reina in den Bergen gebracht, wo mich “meine Familie” bereits erwartete. Die zwei Tage und zwei Nächte, die ich gebucht hatte, sahen im Wesentlichen so aus, dass ich die beiden Vormittage mit einem Führer verbrachte und nachmittags dann die Mutter der Familie bei den täglichen Arbeiten begleitete; sie mir insbesondere zeigte, wie man nicaraguanisch kocht. Schlafen durfte ich die beiden Nächte in einer kleinen separaten Hütte mit eigenem Bad, gleich nebem dem “Haupthaus”. Und obwohl es insgesamt ziemlich einfach war, gab es sogar eine richtige Toilette.

Der Führer zeigte mir am ersten Tag die Kaffeeplantagen, von denen die Gemeinde im Wesentlichen lebt und erzählte mir viel über den Anbauprozess und die Entstehungsgeschichte der Gemeinde. Am zweiten Tag machten wir dann eine größere Wanderung durch kleine Reis- und Bohnen-Anbaugebiete sowie durch den angrenzenden Wald hin zu verschiedenen Aussichtspunkten und abschließend besuchten wir noch eine stillgelegte (mittlerweile wassergefüllte) Goldmine, von der die Gemeinde bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts gut lebte – daher stammt übrigens auch der Name La Reina – die Königin. Und jeweils nachmittags begleitete ich dann die Mutter der Familie bei ihren Arbeiten: Grundstück fegen, Hühner füttern, Wäsche waschen, reifes Obst abernten, kochen, etc. Das Tortilla-Machen klappt mittlerweile schon ganz gut! Gebacken haben wir die übrigens direkt auf der Herdplatte… 😀
Der Aufenthalt war wirklich sehr interessant und es hat mir gut gefallen, einen Einblick in das tägliche Leben einer Familie auf dem Land zu bekommen. Ich kann das also nur jedem empfehlen. Man muss allerdings bereit sein, sich auf die Einfachheit der Unterkunft einzulassen und (zumindest ein bißchen) Spanisch ist zwingend erforderlich!

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Carita feliz

Carita feliz – das ist der Name der Schule, in der ich die letzten beiden Wochen nachmittags eine Lehrerin unterstützt habe. Genau genommen ist es eher sowas wie ein Lernzentrum, in dem Schüler zwischen 5 und 14 Jahren (kollektiv) Nachhilfestunden bekommen und bei ihren Hausaufgaben betreut werden. Außerdem gibt es ein kostenloses Mittagessen sowie Vitaminpräparate und Obst am Nachmittag und einmal pro Monat kommt ein Arzt vorbei, der die Kinder kostelos untersucht, da die Kinder des Carita feliz meist aus Familien stammen, denen sehr wenig Geld zur Verfügung steht. Finanziert wird die Einrichtung hauptsächlich aus den Mitteln, die dem dänischen Konsul Peder Kolind in Granada zur Verfügung stehen.

Zunächst war ich zwar etwas enttäuscht, dass das Projekt, in dem ich eigentlich arbeiten wollte/sollte vorzeitig beendet oder zumindest ausgesetzt wurde, so dass ich gar keine Chance hatte, einen Einblick in die Arbeit auf der Finca zu bekommen. Die Arbeit mit den Kindern war letztlich aber auch eine sehr wertvolle Erfahrung und in so vielen Aspekten eine wirklich große Herausforderung, dass ich nun versuchen möchte, ein bißchen was darüber zu berichten.

Im Wesentlichen habe ich die letzten Tage eine Lehrerin einer ersten Klasse (5 bis 8 Jahre) beim Nachhilfeunterricht unterstützt und den Kindern ihrer Klasse bei den Hausaufgaben geholfen. Was heißt nun aber “beim Nachhilfeunterricht unterstützt”? Man muss sich das in etwa  so vorstellen, dass die Kinder vormittags in ihre eigentliche Schule gehen und dann anschließend zum Carita feliz kommen. Dort bekommen sie ein Mittagessen und anschließend beginnt klassenweise der Nachhilfeunterricht in den Bereichen Spanisch, Mathematik, Englisch und PC-Nutzung. Da die Schüler in meiner Klasse gerade erst Lesen und Schreiben sowie die Zahlen zwischen 1 und 20 gelernt haben/lernen, waren wir die beiden letzten Woche fast ausschließlich mit Lese- und Schreibübungen beschäftigt. Und auch wenn ich es anfangs etwas seltsam fand, dass wir die Silben “ma me mi mo mu” jeden Tag gefühlt 200mal durchgegangen sind, so muss man doch sagen, dass sich die meisten der Kinder schwer getan haben; entweder damit diese Silben zu schreiben oder sie zu lesen oder mit beidem. Im Englisch-Unterricht haben wir außerdem die Vokabeln für Körperteile und Tiere wiederholt – allerdings hauptsächlich mündlich und nur ganz wenig schriftlich.

Und auch wenn’s natürlich schon Spaß gemacht hat, war es doch hauptsächlich schwierig und anstrengend. Und das in vielerlei Hinsicht. Ein Problem ist beispielsweise, dass es keine richtigen Klassenräume gibt, wie die Bilder zeigen. Da sich also alle Kinder – zwar separiert in Grüppchen – jedoch im selben Raum aufhalten (sowas wie eine große Aula), ist der Lärmpegel grundsätzlich schon recht hoch. Hinzu kommt, dass es keine Einzel- oder Zweiertische gibt, sondern meist zehn bis fünfzehn Kinder oder mehr an einem Tisch sitzen und sich dadurch gegenseitig extrem schnell ablenken bzw. stören. Die extreme Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit fördert das Lernen natürlich auch nicht gerade (mal abgesehen davon, dass für die Kinder ja auch schon Nachmittag ist) und dann kommt ganz gravierend hinzu: die wenigsten dieser Kinder können auch nur drei Minuten still sitzen und konzentriert aufpassen. Anfangs dachte ich, sie wollen einfach nicht. Aber mittlerweile glaube ich, dass sie es wirklich nicht können, denn bis dahin mussten sie es wahrscheinlich nie. Irgendwann steht also immer mal wieder einer auf, tanzt, jemand anderes legt sich auf den Boden und schläft, zwei prügeln sich, kritzeln sich gegenseitig was ins Heft (sofern sie ein Heft und/oder einen Stift dabei haben) oder kaspern sonstwie rum. Grundsätzlich redet auch einfach jeder wann und was er will und somit sind die Lehrer die meiste Zeit damit beschäftigt, einigermaßen Ruhe in die Klasse zu bringen. Und das ist ganz schön schwierig. Denn man hat wenige Möglichkeiten, die Kinder zu maßregeln. Zum einen gibt es in Nicaragua keine Schulpflicht (die Schule ist zwar kostenlos, aber Kinder müssen nicht zur Schule gehen) und zum anderen erfahren viele der Carita feliz-Kinder in Schulbelangen keine ernsthafte Unterstützung von Zuhause; geschweige denn die Lehrer. Mir wurde berichtet, dass die Eltern ihre Kinder oft hauptsächlich dorthin schicken, weil sie dann nachmittags, wenn sie arbeiten, “gut aufgehoben” sind; nicht jedoch weil sie die Schule an sich für wichtig halten. Dies führt unter anderem dazu, dass jeden Tag ein anderes Kind sein Heft vergessen oder gar keinen Bleistift dabei hat und deshalb im Grunde gar nicht arbeiten kann und dadurch noch mehr zum Stören neigt als sowieso schon. Nun ist jedoch das Carita feliz ein Ort, an dem diesen Kindern geholfen werden soll; daher wird natürlich auch bei Problemen mit den Eltern gesprochen. Viel mehr kann man aber eigentlich kaum machen, denn am wenigsten möchte man natürlich, dass diese Kinder gar nicht mehr kommen…

Eine andere Schwierigkeit ist, denke ich, dass die meisten Lehrer-Jobs hier eher schlecht bezahlt sind und die wenigsten Lehrer hier aus einer Lehr-Leidenschaft unterrichten. Die meisten Lehrer arbeiten ganz einfach, weil sie ihre Familien versorgen müssen. Ich habe daher den Eindruck gewonnen, dass der Punkt, an dem man hier als Lehrer resigniert, schon recht früh einsetzt; insbesondere natürlich bei denen, die dem Lehren an sich nur wenig abgewinnen können.

Aber gut, in der zweiten Wochen durfte ich dann sogar selbst zweimal unterrichten. Und ich glaube, dass es – nach anfänglicher Skepsis meinerseits – zwar etwas holprig (so gut ist mein Spanisch dann trotz des Einzelunterrichts nicht!), insgesamt aber ganz gut war. Ich hatte Gesichter zum Zusammenpuzzlen gebastelt und die Kinder mussten die englischen Begriffe der einzelnen Teile (Augen, Ohren, Haare, Mund, Nase, …) nennen und wenn es richtig war, durften sie ein Puzzleteil einbauen. Das hat ganz gut funktioniert und nachdem ich irgendwann mal zu den beiden typischen Raufbolden gesagt hatte, dass ich ihnen nicht zuhöre, weil sie mir ja auch nicht zuhören und ich daher nicht mit ihnen arbeiten kann, waren sogar die in der nächsten Stunde etwas aufmerksamer und friedlicher. Das hat zwar nicht extrem lang gehalten, aber ich hatte den Eindruck, dass davor noch nie jemand sowas zu ihnen gesagt hat. Ähnlich ging’s mir mit einer Schülerin, die ständig die Tasche einer anderen durch den Raum geworfen hat. Als ich sie nach dem Unterricht aufgefordert hab, den Rucksack aufzuheben und an ihre Kameradin mit einer Entschuldigung zurückzugeben, hat sie das erstmal nicht groß interessiert. Nachdem ich jedoch gesagt hab, dass ich notfalls auch die ganze Nacht mit ihr dableiben würde und anfing mich schonmal “häuslich” einzurichten, schaute sie mich überrascht an und entschloss sich nach etwa 5 Minuten das Risiko dann doch lieber nicht einzugehen… Mir ist schon klar, dass einem das so oder so ähnlich natürlich auch in Deutschland passieren kann (die Erfahrung hab ich ja als Jugendleiterin beispielsweise selbst immer mal wieder gemacht), aber ich hab doch den Eindruck, dass hier ganz grundsätzlich eine gewisse Konsequenz fehlt; wahrscheinlich weil es – auf einer täglichen Basis – doch erstmal drängendere Probleme gibt wie etwa: haben wir genug Geld für’s Essen? Oder auch: wie bezahlen wir die Medizin (falls jemand krank wird)? Oder: wo bringen wir das nächste Baby unter? Und da viele der täglichen Probleme direkt mit Geld verbunden zu sein scheinen, ist es – kurzfristig gedacht – auch erstmal plausibel, dass möglichst viele Familienmitglieder möglichst schnell Geld verdienen, anstatt lang zur Schule zu gehen oder gar zu studieren. Und in diesem Kontext mag es natürlich auch ganz praktisch sein, wenn man eher zu denjenigen gehört, die sich anderen gegenüber (körperlich oder verbal) behaupten können. Andererseits habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, dass viele der Kinder durchaus interessiert sind und gerne lernen, wenn man sich mit ihnen allein beschäftigt. Vermutlich kennen sie das von Zuhause nämlich auch eher nicht.

Und natürlich war ich letzten Freitag, an meinem letzten Tag, dann doch etwas traurig, dass die zwei Wochen schon vorbei waren, auch wenn es doch ziemlich anstrengend war, denn an Kinder gewöhnt man sich ja doch ziemlich schnell; egal wo auf der Welt. :-)

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Las Comidas – Food – Essen

Domez hat ja meinen zweiten Blog-Eintrag gleich mit einer der wichtigsten Fragen überhaupt kommentiert: wie ist das Essen? 😉 Da es jedoch etwas Erfahrung braucht, um diese Frage zu beantworten, hatte ich damals um etwas Zeit gebeten und versprochen, bei Gelegenheit darauf zurück zu kommen. Und nachdem ich nun schon eine kleine Weile durch Panama, Costa Rica und Nicaragua gereist bin, möchte ich die Gelegenheit nun nutzen, um euch ein paar Fotos zu zeigen und endlich die Frage zu beantworten.

Zunächst mal gibt es hier natürlich eine ganze Fülle von sehr leckeren Früchten! Papayas, Mangos, Bananen, Ananas, Honig- sowie Wassermelonen und Kokosnüsse werden beispielsweise an so ziemlich jeder Ecke verkauft und sind nicht nur sehr günstig, sondern auch ziemlich lecker und bei der Hitze hier üblicherweise genau die Erfrischung, die man braucht. Interessanterweise gibt es im Gegensatz zu Costa Rica und Panama, in Nicaragua aber auch viele Äpfel. Genauso sieht’s mit Gemüse aus: Tomaten, Avocados, Gurken, Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und vieles vieles mehr – allem voran natürlich Kochbananen (“Platanos“) – sind problemlos (im Supermarkt sowie auf dem Markt) in rauen Mengen erhältlich. Mit Hülsenfrüchten sieht’s natürlich genauso aus: ich kann mir nicht vorstellen, dass Reis und Bohnen hier jemals ausgehen. 😀 Aber auch Fleisch – insbesondere natürlich Hühnchen – ist immer und meist recht günstig zu kriegen. Ganz im Gegensatz zu Eiern und Milchprodukten, die ich als relativ teuer empfinde. Wenn man also im Hostel selbst kochen möchte, kann man sich problemlos (recht günstig) versorgen; auch wenn man sich – was Wurst und Käse angeht (zumindest als Deutscher) – etwas einschränken muss.

Aber das beantwortet ja nur einen Teil der Frage. Denn ebenso interessant (wenn nicht sogar viel interessanter) ist ja, was die Menschen hier essen/kochen bzw. was man bekommt, wenn man hier essen geht. Und, um ehrlich zu sein: diese Frage ist ganz einfach zu beantworten. Denn eigentlich gibt es immer (und immer ist in diesem Fall immer (= morgens, mittags, abends)!) Reis und Bohnen in irgendeiner Kombination. Das heißt entweder Reis und Bohnen mit Rührei oder Reis und Bohnen mit frittiertem Hühnchen oder Reis und Bohnen mit gekochtem Hühnchen oder Reis und Bohnen mit Tortillafladen (manchmal ist der Tortillafladen frittiert und innendrin ist Käse) oder Reis und Bohnen mit Krautsalat und Fleisch (Hühnchen, Schwein oder Rind) oder …. In jedem Fall gibt es aber Reis und Bohnen und eigentlich gibt es immer auch Kochbananen dazu (die sind dann entweder frittiert oder gekocht oder angebraten)… 😀 In den Küstenregionen gibt es natürlich auch jede Menge Fisch und Meeresfrüchte. Und auch die werden meist mit Reis und Bohnen serviert. :-) Reis und Bohnen mit Rührei heißt übrigens Gallo Pinto und ist das landestypische Frühstück.

Ach ja, was es hier auch gibt: ganz dünne salzige Kochbananen-Chips. Die haben mir in Panama am besten geschmeckt. Da konnte man die in kleinen Beutelchen für maximal $0,20 kaufen. Lustigerweise befand sich übrigens das Zettelchen, auf dem Haltbarkeits- und Herstellungsdatum notiert waren, innerhalb des eingeschweißten Beutelchens.

Wenn einem die einheimischen Spezialitäten nicht schmecken oder man irgendwann genug hat von Reis und Bohnen gibt es in den touristischeren Orten meist aber auch internationale Restaurants, in denen man so ziemlich alles von Pizza & Pasta bis hin zu Asiatisch bekommt. Das ist dann jedoch deutlich teurer. Und in den ganz großen Städten wie Panama City, San José und Managua sind natürlich auch die einschlägigen Fast-Food-Ketten vertreten.

Bislang komm ich noch ganz gut mit Reis und Bohnen aus. Allerdings muss ich zugeben, dass ich ganz froh bin, dass ich die Familie, bei der ich aktuell in Granada wohne, davon überzeugen konnte, dass ich morgens nichts Warmes essen muss und deshalb bekomme ich jetzt morgens meistens eine Bananenmilch (Banane mit Milch pürriert) oder ein bißchen Obst, sodass es nur zweimal Reis und Bohnen pro Tag gibt… 😀

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Granada

Bereits seit einer Woche bin ich nun schon in Granada. Und ich werde für eine weitere Woche hier bleiben, da ich hier ja auch im Hilfsprojekt arbeite bzw. arbeiten wollte. Leider hat sich jedoch der Vor-Ort-Koordinator des Projektes vor etwa zwei Wochen entschieden, das Handtuch zu werfen und auch davor wohl einiges gemacht, was nicht im Sinne des eigentlichen Plans war (die Details kenne ich natürlich auch nicht). De facto bedeutet das jedoch, dass das Projekt momentan nicht existiert und sehr wahrscheinlich auch in Zukunft nicht weitergeführt wird…

Daran schließt sich nun natürlich die Frage an, was ich eigentlich gerade mache. Nun ja, vormittags habe ich vier Stunden (Einzel-)Spanisch-Unterricht bei einer Englisch-/Spanisch-Lehrerin, die eigentlich auch im Projekt arbeiten wollte/sollte und mittags gehen wir dann in eine nahe-gelegene Schule für Kinder aus mittellosen Familien und helfen dort bei den Hausaufgaben oder im Unterricht. Nachdem ich zuerst doch ziemlich enttäuscht war (das ist ja nun etwas ganz anderes als die Arbeit auf einer Finca und bietet keineswegs den Einblick in den von mir angestrebten entwicklungspolitischen Bereich) habe ich mich aber recht schnell mit der Situation angefreundet. Zum Einen mache ich im Spanischen – glaube ich – wirklich gute Fortschritte und zum Anderen gehört eine solche Erfahrung wohl auch dazu. Dass Entwicklungsprojekte angedacht und vielleicht auch aufgenommen werden, dann aber wieder verworfen werden, ist wahrscheinlich nicht mal eine Seltenheit. Und hinzu kommt natürlich auch, dass ich nach anfänglicher Skepsis nun doch den Eindruck habe, dass unsere Arbeit in der Schule auch einen guten Zweck verfolgt und die meisten Kinder tatsächlich ziemlich wissbegierig und dankbar sind. Außerdem hat die Situation den Vorteil, dass ich nun bei der Hitze hier (diese Woche hatten wir bis zu 38°C bei bis zu 83% Luftfeuchtigkeit) nicht auf dem Feld ackern muss… 😉 Und auch sonst weiß man ja nie, wofür solche Planänderungen gut sind.

Nun gut, neben dem Spanischunterricht und der Arbeit in der Schule hab ich mir in der verbleibenden Zeit diese Woche natürlich auch ein bißchen Granada angeschaut (auch wenn unter der Woche nicht wirklich viel Zeit übrig war). Ist wirklich ein hübsches kleines Städtchen und so ganz anders als die anderen Teile Nicaraguas, die ich bisher bereist habe. Man sieht nämlich ganz deutlich, dass Granada (zusammen mit Leon) eine der beiden großen Kolonial-Städte war. Häuser, Kirchen und Plätze haben daher einen erkennbaren europäischen Einfluss (überall findet man beispielsweise kleine Brunnen). Und dieser Einfluss ergibt in Kombination mit den lateinamerikanischen Elementen einen ganz eigenen Charme.

Und dann sind diese Woche noch zwei ungeplante Dinge passiert. Zunächst ist nämlich am Mittwoch meine Brille kaputt gegangen; genauer gesagt ist das Gestell in der Mitte auseinandergebrochen, obwohl die Brille ja eigentlich noch gar nicht alt war. Ich konnte jedoch glücklicherweise beim Optiker ein Gestell finden, das mir gefällt und in das die „alten” Gläser hineinpassen, so dass ich lediglich, das neue Gestell bezahlen musste. Nicht mal die Arbeit haben sie mir berechnet. Und am Samstag konnte ich die neue Brille dann auch schon abholen. Hat alles ganz prima und problemlos geklappt. Bleibt nur zu hoffen, dass das Gestell diesmal länger hält!

Und dann hab ich am Freitag auch noch mein erstes Erdbeben live erlebt!!! :-) Denn gegen 8.30 Uhr Ortszeit fand vor der Pazifikküste Nicaraguas – etwa 60km von der Hauptstadt Managua entfernt – ein Erdbeben der Magnitude 5.2 (Richterskala) statt. Die Tiefe wird von verschiedenen Instituten unterschiedlich angegeben – die genannten Tiefen liegen jedoch alle zwischen 20 und 60 km. Um ehrlich zu sein, dachte ich zunächst aber, dass lediglich ein heftiger Windstoß durchs Gebäude gefegt ist und der Boden bzw. der Tisch deshalb etwas wackelte… Nur die Spanisch-Lehrerin war plötzlich ganz aufgeregt und auch etwas verängstigt und meinte, ich solle lieber mal bleiben, wo ich sei und sie erkundige sich, was das war. Als sie dann zurückkam und mir sagte, dass es ein Erdbeben war, wohl aber nichts Schlimmeres passiert sei (und das war tatsächlich so), hab ich ihr gesagt, dass ich das total interessant und spannend finde! Das fand sie zunächst ziemlich irritierend. Ich hab ihr dann aber nochmal erklärt, dass ich doch Geophysikerin bin und es mein erstes live-erlebtes Erdbeben war. Obwohl sie meine Reaktion, glaub ich, nach wie vor etwas überrsachend findet, konnte sie es dann zumindest ein bißchen besser nachvollziehen. 😀

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Von Managua nach Bluefields und zurück

Obwohl es mir auf der Isla de Ometepe gut gefallen hat und ich gerne noch länger geblieben wäre, machte ich mich am Dienstagmorgen auf den Weg nach Managua, der Hauptstadt Nicaraguas. Ich hatte mich nämlich von Einheimischen überzeugen lassen, von dort aus nach Bluefields zu reisen; das heißt etwa 7 Stunden lang im Bus nach El Rama fahren und dann nochmal ca. 2 Stunden im Boot, um an die Karibikküste Nicaraguas zu gelangen. Und obwohl ich zugeben muss, dass ich zwischendurch doch das ein oder andere Mal an dieser Idee gezweifelt habe (zum Beispiel als ich am Donnerstagmorgen um 3.45 Uhr am Busbahnhof in Managua stand und sich herausstellte, dass der Bus nicht um 4 Uhr, sondern erst um 5 Uhr fährt oder auch als mir klar wurde, dass sich in Bluefields wohl kein einziger nicht-mittelamerikanischer Tourist außer mir aufhält), so bin ich jetzt doch sehr froh, dass ich gefahren bin. Denn viele Dinge/Menschen/Lebensarten hätte ich wahrscheinlich nicht gesehen, wenn ich nicht einen Tag lang im öffentlichen Bus (für $5) durch’s halbe Land und über die vielen kleinen armen (sehr armen!) Dörfer an die Karibikküste gefahren wäre.

So eine Reise kann durchaus ein Erlebnis sein, denn die (öffentlichen) Busfahrten laufen hier ganz anders ab, als das in den meisten europäischen Ländern der Fall ist. Man kann beispielsweise ein- und aussteigen, wo man möchte. Man muss dem Fahrer bzw. seinem Assistenten, der das Ein- und Aussteigen sowie die Gepäckverladung koordiniert, lediglich ein entsprechendes Zeichen geben und dann hält der Bus an. Auf diese Art und Weise werden beispielsweise auch Gepäck oder Waren (wie etwa ein Sack Zwiebeln oder eine Kisten Hühner, lebend) zu Verwandten durch’s Land geschickt. Entweder der Bus hält irgendwo in der Pampa an und schmeißt einen Sack raus (der Empfänger wird ihn dort schon irgendwann abholen) oder irgendwo in der Einöde wartet jemand am Straßenrand und nimmt ein Paket in Empfang. Natürlich gibt es auch planmäßige Halte. Abgesehen von neuen Passagieren, steigen dort dann üblicherweise auch jede Menge Verkäufer ein, die die Passagiere mit günstigem Essen und Getränken aber auch anderen Waren versorgen (wollen). Und wenn ich Essen sage, dann meine ich nicht nur fertig-verpackte Bananenchips oder Früchte, sondern auch beispielsweise mit warmem Käse, Salat und Salsa gefüllte Tortilla-Fladen, die direkt im Bus (stehend zwischen 50 anderen Passagieren) zubereitet werden. Das ist echt beeindruckend! Ebenso kann man aber auch sein Handy aufladen oder sich einen neuen Gürtel kaufen. :-)

Am liebsten würde ich euch jetzt hier tausend Fotos von diesen Eindrücken zeigen. Ich habe jedoch nur ganz ganz wenige in den letzten Tagen gemacht, denn in vielen Situationen hätte ich mich nicht wohl gefühlt, wenn ich meinen Foto raus geholt hätte, um die Armut der Menschen zu fotografieren. Und was noch viel entscheidender ist: ich glaube, die Menschen um mich herum hätten sich nicht mehr wohl gefühlt.

Mal von den visuellen Eindrücken abgesehen, habe ich aber auch wirklich viele Menschen auf dieser Fahrt kennengelernt, die mir einiges über ihr Leben und Nicaragua im Allgemeinen erzählt haben. Denn ganz anders als in Costa Rica und/oder Panama, sind die meisten Nicaraguaner überhaupt nicht scheu. Sie sind vielmehr interessiert und neugierig und setzen sich im Bus gern neben dich und erzählen dir ihre Lebensgeschichte oder fragen dich Löcher in den Bauch! Man muss allerdings des Spanischen mächtig sein, denn Englisch sprechen – vor allem auf dem Land – nur sehr sehr wenige. Besonders aufgefallen ist mir übrigens, dass sich nicaraguanische Frauen gerne zu Touristinnen setzen und über alles mögliche unterhalten. So habe ich beispielsweise gute zwei Stunden mit Jean gesprochen; einer außerordentlich netten Nicaraguanerin aus der Nähe von Bluefields, die mir letztlich sogar ihre Telefonnummer gegeben hat, damit ich sie anrufen kann, falls ich auf meiner weiteren Reise einem Problem begegne, das ich nicht selbst lösen kann! Aber auch in Bluefields selbst habe ich mich nach meiner anfänglichen Skepsis sehr wohl gefühlt; was im übrigen bisher für ganz Nicaragua gilt; Managua eingeschlossen. Nach meiner Rückkehr aus Bluefields nach Managua habe ich nämlich gute eineinhalb Tage zusammen mit Nick, einem netten Kanadier, den ich im Hostel kennengelernt habe, Managua zu Fuß erkundet. Wir waren beispielsweise auf dem Loma de Tiscape (um einen Überblick über die Stadt zu bekommen), in der Area Monumental (das Stadtgebiet, das 1972 von einem Erdbeben niedergestreckt wurde), am Lago de Managua und auch im Barrio Martha Quezales. Und wir haben uns beide zu keinem Zeitpunkt unsicher oder unwohl gefühlt. Auch nicht als wir durch die vom Lonely Planet genannten „unsicheren“ Gebiete gelaufen sind. Ganz im Gegenteil: die Menschen hier sind wirklich außerordentlich hilfsbereit. Sie geben sich beispielsweise meistens nicht damit zufrieden, einem den Weg zu erklären (wenn man danach fragt), sondern bestehen darauf, einen zu begleiten, damit sie auch sicher sein können, dass man sein Ziel findet. Natürlich sollte man bei einer solchen Städte-Tour-Zu-Fuß jedoch darauf achten, möglichst keine Wertsachen dabei zu haben und nichts, das schreit „Ich bin ein Tourist – es lohnt sich mich auszurauben!“. So hatten Nick und ich keine/n Tasche/Rucksack und auch keine Wertsachen dabei, sondern jeder nur etwa 150 Cordobas (Landeswährung) in seinen Hosentaschen (umgerechnet sind das etwa $6).

Ebenso beeindruckend (und auch überraschend) an Nicaragua finde ich, wie grün das Land in manchen Aspekten ist. Und das nicht nur im wörtlichen Sinne aufgrund der vielen vielen Bäume und Parks auch in den Städten (obwohl Trockenzeit ist!), sondern vor allem im bildlichen Sinne: fast überall sieht man Windkrafträder, deren Rotorblätter fleißig ihre Runden drehen. In Gesprächen mit hauptsächlich jungen Nicaraguanern (die Revolution und die katholische Kirche haben ihre Spuren hinterlassen: fast 70% aller Nicaraguaner sind jünger als 30 Jahre) habe ich erfahren, dass das wohl hauptsächlich daran liegt, dass man energietechnisch möglichst unabhängig sein will (preislich, ganz wichtig aber auch staatenbundlich); wieso also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Ein funktionierendes Abwassersystem (und damit meine ich eigentlich ein Klärsystem) fehlt allerdings noch! Und das ist ein durchaus gravierendes Problem! Denn momentan geht alles Abwasser entweder direkt in einen nahe gelegenen See, ins Meer oder versickert direkt vorm Haus in Richtung Grundwasser. Daher darf man auch in den meisten Seen nicht baden! Wenn ich das richtig verstanden habe, arbeitet die Regierung jedoch gerade an einem Konzept für ein tragfähiges Pilotprojekt.

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Nicaragua – estoy aquí

Am letzten Samstag war es also soweit: meine Reise nach und durch Nicaragua begann! Und um es gleich vorweg zu sagen: im Grunde war die Grenzüberquerung wieder sehr unkompliziert und wenig aufregend, obwohl ich mich erneut gegen einen Shuttle-Service entschieden hatte. Ich nahm einen öffentlichen Bus, der mich von Liberia aus direkt zur Grenze brachte, besorgte mir ein Aus- sowie ein Einreiseformular (von Nicaraguanern, die die kopierten Zettel hinter einem Zaun gegen eine Spende verteilten und damit ihren Unterhalt verdienen), stellte mich in die Schlange und bekam problemlos meinen Ausreisestempel. Dann musste man eine Weile laufen. Auf dem Weg wurde zweimal der Pass kontrolliert (ist der Ausreisestempel auch wirklich vorhanden?!) und bei manchen Leuten zudem das Gepäck (nicht bei mir) und letztlich musste man sich wieder für die Einreise nach Nicaragua anstellen. Auch hier lief für mich alles problemlos ab – ich musste nicht mal eine einzige Frage beantworten und bekam meinen Stempel.

Zusammen mit einigen anderen fuhr ich dann von der Grenze aus im Taxi nach San Jorge, wo die Fähre zur Isla de Ometepe ablegt. Die Insel besteht im Grunde aus zwei Vulkanen: dem Vulkan Concepción (1610 m; letzter Ausbruch 2010) und dem Vulkan Maderas (1394 m; erloschen) und ist laut Wikipedia die weltweit größte vulkanische Insel in einem Süßwassersee. Eigentlich hatte ich geplant, mit einem Bus nach San Jorge zu fahren, aber das Taxi kostete jeden von uns nur $5 (für ca. 40 Minuten Fahrt) und fuhr sofort, während der Bus erst gut 30 Minuten später abfuhr und wohl über eine Stunde gebraucht hätte. Auf diese Weise erreichten wir in San Jorge sogar noch ein so genanntes lancha, ein kleines Fährboot, das ebenfalls zur Isla de Ometepe übersetzt, allerdings nur halb so viel kostet ($1) wie die große Fähre. Und das war dann tatsächlich mein erstes kleines Nicaragua-Abenteuer. Denn während der Fahrt schwappte ständig Wasser ins Unterdeck (wo wir saßen), so dass in kürzester Zeit der Boden etwa knöchelhoch mit Wasser bedeckt war. Darüber hinaus kam auch einige Male eine ganze Ladung Wasser über die Reling ins Boot und erwischte alle, die dort saßen, so dass mehr oder wenige alle irgendwann ziemlich nass waren. Zunächst war ich mir unsicher, ob das wohl so sein soll und fragte mich, ob wir nicht irgendwann auf der 1,5-stündigen Fahrt untergehen würden. Da sich jedoch niemand sonst zu wundern schien und vor allem die Einheimischen unbeeindruckt auf ihren Plätzen saßen (von denen saß übrigens niemand direkt an der Reling…) dachte ich mir, dass es wohl normal ist und machte mir keine weiteren Gedanken, sondern nahm lieber ein kleines Video von den Wassermengen auf, die auf dem Boden hin- und herschwappten und genoß die wunderbare Aussicht auf die Insel mit ihren beiden Vulkanen.

Auf der Isla de Ometepe angekommen, erreichte ich dann sogar gleich einen Bus und lernte die erste wichtige Lektion für Nicaragua: nur weil man plant an einen bestimmten Ort zu reisen und Menschen sagen, dass das möglich ist, heißt das noch lange nicht, dass das zum geplanten Zeitpunkt oder in der geplanten Zeitspanne auch tatsächlich möglich ist! [Und um ein bißchen vorweg zu greifen: diese Tatsache habe ich seitdem noch einige Male experimentell bestätigt…] Denn der Bus fuhr zwar einen Großteil der Strecke in die von mir gewünschte Richtung – der Ort Balgüe wird jedoch samstags nicht angefahren (und Balgüe war im Grunde mein Ziel, denn ich wollte zur Finca Magdalena, die etwa 20 Minuten Fußmarsch hinter Balgüe liegt). Wer die Insel nicht kennt, kann sich das ganz einfach so vorstellen: die quasi einzige Straße auf der Insel gabelt sich in Santa Cruz – links geht’s nach Balgüe und rechts nach Merida. Und die Busse fahren mehr oder weniger tageweise abwechselnd nach Balgüe und Merida. Nach etwa 2,5 Stunden stieg ich also in Santa Cruz aus und da es allmählich dunkel wurde, beschloss ich, mir dort eine Unterkunft zu suchen, um am nächsten Tag dann weiter nach Balgüe zu reisen. Interessanterweise war auch das Unterkunft-Suchen nicht so einfach, da die meisten Hostels/Hotels ausgebucht waren. Irgendwann fand ich jedoch ein nettes kleines und günstiges Hotel, in dem ich beim Abendessen zudem einige ältere Kanadier und Amerikaner kennenlernte, die entweder schon vor langer Zeit auf die Insel ausgewandert waren oder seit einigen Jahren immer einige Wochen oder Monate im Jahr in Nicaragua verbrachten. So erfuhr ich dann auch, dass sonntags (also am nächsten Tag) grundsätzlich keine Busse auf der Insel fahren… Und auch mit Taxis ist das soweit im Inselinneren sonntags ein kleines Problem. Denn sonntags ist Kirchtag und das heißt auch die Taxifahrer gehen in die Kirche. Soviel also zu meinem Plan B, sonntags nach Balgüe zu fahren… 😀

Am Sonntagmorgen bat mir dann jedoch der Kanadier, der eine eigene Finca in Balgüe hat an, mit mir gemeinsam dorthin zu laufen. Er meinte, alleine hätte er keine Lust die knappe Stunde zu laufen, aber in Gesellschaft sei das durchaus nett und dann wäre er schon einen Tag früher auf seiner Finca und könne seine Arbeiter überraschen. Und so machten wir uns also gegen 10.30 Uhr auf den Weg und er erzählte mir unterwegs viel über die Insel und seine Erfahrungen auf der Insel. An seiner Finca angekommen, beauftragte er dann sogar einen seiner Arbeiter, mich den restlichen Weg (nochmal etwa 30 Minuten) zur Finca Magdalena zu begleiten und so kam ich dort kurz vor 12 Uhr glücklich, aber auch ziemlich erledigt an. Ich hatte ja die ganze Zeit mein Gepäck mit mir herumgetragen…

Die nächsten beiden Tage waren wirklich schön! Die Finca lädt aufgrund ihrer dezentralen Lage und des netten Personals definitiv zum Entspannen ein und davon abgesehen natürlich auch zum Besteigen eines Vulkans, genauer gesagt des Vulkans Maderas an dessen Fuße die Finca gelegen ist. Und das war dann auch gleich mein zweites Abenteuer in Nicaragua. Am Montag haben Marie und ich nämlich in Begleitung eines Guides den Vulkan Maderas erklommen! Und obwohl die Strecke bis zum höchsten Punkt des Vulkans mit 5.5 km deutlich kürzer war als bei der Vulkan-Besteigung in Panama, hatten es die 1300 Höhenmeter von der Finca bis zum Gipfel durchaus in sich. Insbesondere die letzten beiden Kilometer führten durch sehr matschiges und dadurch auch rutschiges Regen- bzw. Nebelwald-Gelände und erforderten besondere Konzentration! Der höchste Punkt selbst war dann allerdings gar nicht so interessant. Nach etwa 3,5 Stunden sagte der Guide plötzlich: finito! und erklärte, dass wir nun am Gipfel angekommen seien… Da wir jedoch von jeder Menge Bäume und anderem Gewächs umgeben waren, gab es keinen wirklich spektakulären Ausblick und wir folgten dem Weg noch ein Stück und kletterten einige Meter hinab zum wassergefüllten Krater! Dort gab es auch eine größere Fläche Wiese und so machten wir dort eine gute halbe Stunde Pause, aßen etwas und der Guide erzählte mir einiges über den Vulkan und die Insel im Allgemeinen, bevor wir dann den anstrengenden Rückweg (erneuter Aufstieg zum höchsten Punkt und dann Abstieg zur Finca) in Angriff nahmen, den ich noch zwei Tage später in meinen Knien spürte!

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