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Von Guatemala nach Mexiko

Nach einem weiteren Tag in Lanquin ging’s dann weiter nach Flores. Will schaute sich von dort aus die Maya-Ruinen in Tikal an. Für mich sollte es lediglich eine Zwischenstation auf dem Weg nach Mexiko sein. Da es im Hostel jedoch ziemlich nett war und es dort die Möglichkeit gab, die WM-Spiele live zu sehen, beschloss ich einen weiteren Tag zu bleiben, sodass ich das Deutschlandspiel am Montagmorgen, 10 Uhr sehen konnte. :-) Eine Fußball-Euphorie, wie es sie üblicherweise in Deutschland gibt oder wie man sie momentan vielleicht in Südamerika erlebt, herrscht hier zwar nicht (die Mittelamerikaner legen tatsächlich viel Wert darauf, dass sie keine Südamerikaner sind!) und sowas wie Public-Viewing hab ich auch noch nicht entdeckt, aber es ist schon ziemlich cool, die Spiele mit so vielen verschiedenen Nationalitäten gemeinsam zu erleben. So hab ich das England-Italien-Spiel beispielsweise mit jeweils zwei Englängern und zwei Italienern gesehen; das USA-Ghana-Spiel mit Australiern, Amerikanern, Holländern, … und weil alle (!) sicher waren, dass Ghana gewinnt hab ich am Ende den ganzen Pott gewonnen… (dachte als Deutsche vertrau ich mal auf den Deutschen Trainer… auch wenn das Ergebnis vielleicht nicht ganz die Kräfteverhältnisse des Spiels wiedergespiegelt hat… 😉 ); das Mexiko-Brasilien-Spiel hab ich in Belize City mit vier Frauen aus Belize geschaut, die aber sowas von bei der Sache waren… 😀 ; das Australien-Holland-Spiel hab ich gestern zusammen mit acht Australiern geschaut… und naja… das Deutschland-Spiel… da haben Marie und ich uns den besten Platz gesichert und irgendwann waren auch noch jede Menge anderer Leute da. Während der ersten Halbzeit saß glaub ich sogar ein Portugiese neben mir… der hat dann aber irgendwann (verständlicherweise) aufgegeben… Ist auf jeden Fall interessant so eine WM mal woanders zu erleben… nur schade, dass ich dieses Mal, wo wir doch endlich Weltmeister werden (…) nicht in Deutschland bin. Aber gut, wenn das der Preis ist, ist das wohl verschmerzbar… *g* Mittlerweile versteh ich auch ein bißchen die spanischen Kommentatoren (wenn auch nur bruchstückhaft… keine Ahnung, wie die zwischendurch überhaupt atmen…), aber gestern beim Spanien-Chile-Spiel hat einer gesagt “La selección de Espana es la decepción de Espana!” und ich musste spontan grinsen… Das Wortspiel funktioniert leider auf Deutsch nicht so gut. Aber es sagt so viel wie “Die spanische Auswahl (Mannschaft) ist die spanische Enttäuschung.”

So, genug vom Fußball! Wills und meine Wege trennten sich also wie geplant in Flores und auch wenn es eine nette Woche war, hab ich mich zwischendurch doch öfter mal gefragt, wie er wohl so in seinem Leben zurecht kommt, wenn er niemanden an seiner Seite hat, der alles für ihn regelt… :-) Während er also zurück nach Guatemala City fuhr, bin ich über Belize City nach Mexiko, genauer gesagt nach Tulum gereist. Tulum ist vorallem für seine Maya-Ruinen in unmittelbarer Strandnähe bekannt und davon abgesehen auch für die wunderschönen Strände, die hier zu finden sind. Zusammen mit Josh, einem Australier, den ich im Hostel Weary Traveler kennengelernt habe, hab ich dann am Mittwoch die Ruinen besucht. Und obwohl ich nun ja schon einige Maya-Stätten besichtigt hatte, war ich total beeindruckt. Denn durch die Nähe zum Strand ist die Atmosphäre hier eine ganze andere. Vielleicht transportieren die Bilder das ja ein bißchen, denn erklären kann ich’s leider nicht so richtig. Es ist auf jeden Fall wirklich schön hier! Die Strände stechen durch ihren pulverigen weißen Sand wirklich hervor und auch der Ort an sich ist ganz nett. Es gibt jede Menge kleine Läden, viele Restaurants und Bars und endlich gibt es auch wieder was anderes zu essen als Reis und Bohnen… 😀 Davon abgesehen hat sich die Zeitverschiebung nach Deutschland mit meinem Grenzübertritt nach Mexiko wieder auf 7 Stunden verringert. Allerdings muss ich auch zugeben, dass sich die Stechmücken-Situation seit Beginn der Regenzeit dramatisch verschlechtert hat und mich das anfängt ein bißchen zu nerven. Davon abgesehen ist die Luftfeuchtigkeit seit ein paar Wochen so hoch, dass Kleidung nicht mehr wirklich trocknet. Auch das Paradies hat wohl seine Schattenseiten… 😉

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Semuc Champey

Wenn es nach meiner Abreise im Mai einen Ort in Mittelamerika gab, den ich noch unbedingt sehen wollte, dann war es Semuc Champey. Und genau dorthin machten wir uns am Donnerstagnachmittag auf den Weg. :-) Da es dorthin von Río Dulce aus leider keine (halbwegs) direkte Anbindung mit öffentlichen Bussen gibt (wir hätten zuerst in Richtung Süden nach Guatemala City fahren müssen und dann von dort aus wieder “zurück” Richtung Norden nach Lanquin), entschieden wir uns für einen direkten Shuttle, der fünf Stunden brauchte. Und nachdem ich nun ja doch schon einige Busfahrten hinter mich gebracht habe, muss ich sagen: diese Fahrt war mit Abstand die bisher holprigste! Will und ich waren glücklicherweise die einzigen beiden im Bus, sodass wir beide viel Platz hatten. Allerdings wurde die Straße nach etwa 2 Stunden so schlecht, dass es uns regelmäßig aus dem Sitz lupfte und wir ein paarmal sogar mit dem Kopf gegen das Busdach stießen…

Gegen 20Uhr kamen wir dann ziemlich müde in Lanquin an, dem Ort, in dem sich unser Hostel El Retiro befand. Die gesamte Anlage ist ziemlich groß und wirklich schön. Das Hostel ist direkt an einem Fluß gelegen und es gibt verschiedene Cabanas mit unterschiedlicher Bettenanzahl sowie einige Gemeinschaftsräume /-flächen mit Hängematten, Billard-Tisch, Spielen, Fernseher (um Fußball zu schauen) und Vielem mehr.

Am nächsten Morgen machten wir uns dann zusammen mit sieben anderen aus dem Hostel und einem Führer auf den Weg ins 10km entfernte Semuc Champey. Auf dem Weg dorthin besuchten wir zunächst eine wassergefüllte Höhle, die wir in Badesachen und mit einer Kerze ausgerüstet begingen. Im Gegensatz zu den anderen Höhlen, die ich bisher besucht habe war dieser Besuch nicht wirklich anstrengend; nett war es natürlich trotzdem. :-) Anschließend durften wir dann von einer Riesenschaukel aus in einen Fluß springen, auf dem wir nach einer kurzen Pause sogenanntes Tubing machten; das heißt sich in Riesenluftreifen liegend den Fluß hinabtreiben lassen. Leider habe ich aus der Höhle keine Fotos, da meine Kamera nicht wasserdicht ist…


Als letztes Ziel stand dann tatsächlich Semuc Champey auf dem Plan. Zunächst stiegen wir in etwa 30 Minuten einen ziemlich anstrengenden Weg zu einem Aussichtspunkt hinauf, von dem aus man die verschiedenen ineinander übergehenden Wasserbecken wunderbar erblicken kann. Die Aussicht war wirklich atemberaubend und wunderschön! Definitiv einer der beeindruckendsten Orte, den ich auf dieser Reise besucht habe! Anschließend stiegen wir einen anderen Weg hinab und badeten schließlich in den verschiedenen Becken. Unser Führer zeigte uns dann wie man von jeweils einem in das nächste Becken kommt. Manchmal konnte man rutschen, manchmal musste man springen und einmal schwammen wir sogar durch eine kleine Höhle zum nächsten Becken! Es war wirklich ein ganz wunderbarer Tag und wenn man in Guatemala ist, sollte man Semuc Champey auf jeden Fall in seine Route einplanen; auch wenn es praktisch im Nirgendwo liegt und man eine Weile braucht, um dorthin zu kommen…

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Nach Süden in Richtung Guatemala

Mittlerweile sind wohl die meisten Teile Mittelamerikas in der Regenzeit angekommen. Das bedeutet zwar nicht den ganzen Tag Regen; aber auf Caye Caulker war’s die letzten Tage doch ziemlich bewölkt und vorallem sehr windig, sodass man nicht viel mehr machen konnte als in der Hängematte liegen. Und als dann auch noch Yoga dreimal hintereinander ausgefallen ist, weil die Lehrerin krank war und der Wind mir beim Lesen meines Buches die letzte Seite rausgerissen und weggeweht hat (…), beschloss ich, endlich weiterzureisen. :-)

Zusammen mit Will, einem Amerikaner aus Washington State, machte ich mich am Sonntag also auf den Weg nach Punta Gorda, eine kleine Stadt mit etwa 5200 Einwohnern ganz im Süden von Belize, um letztlich zurück nach Guatemala zu reisen. Als Will und ich uns am Strand kennenlernten (er hatte den schlimmsten Sonnenbrand, den ich jemals gesehen habe!!!), erzählte er mir, was er gern noch alles in Guatemala sehen würde und dass sein verbleibendes Zeitfenster leider zu kurz dafür sei. Da sich seine Ziele jedoch weitgehend mit meinen nächsten Zielen deckten und ich sicher war, dass man das bis zum 18. Juni (dann fliegt er von Guatemala City aus zurück in die USA) alles machen kann, beschloss er, sich mir anzuschließen und so verbrachten wir zunächst fast einen ganzen Tag (6.5 Stunden) in einem öffentlichen Bus, um von Belize City aus gen Süden nach Punta Gorda zu fahren. Nachdem wir das kleine Städtchen erkundet hatten, hatten wir in Gomier’s Restaurant ein wirklich ganz ausgezeichnetes traditionelles Essen, zubereitet von einem etwa 70jährigen Einheimischen, den man so schnell nicht vergisst! :-) Am nächsten Morgen ging es dann mit einem kleinen Boot in etwa einer Stunde weiter nach Livingston in Guatemala: so ziemlich die unkomplizierteste Möglichkeit, die Grenze nach Guatemala zu überqueren, die ich bisher erlebt habe (und ehrlich gesagt waren die anderen schon sehr unkompliziert…). Und siehe da, in Guatemala angekommen, schien plötzlich auch wieder die Sonne! Die Regenzeit macht sich hier anscheinend hauptsächlich in Form einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit bemerkbar… Sobald man zwei Schritte macht, hat man das Gefühl jemand hätte einem gerade einen Eimer Wasser über geleert…

Den Tag in Livingston verbrachten wir dann zusammen mit Camaron und William, einem Neuseeländer und einem Australier, die wir auf der Bootsfahrt kennengelernt hatten und die im selben Hostel Casa de la Iguana übernachteten. Nach einer kurzen Erkundungstour durch Livingston, wanderten wir gemeinsam zu den etwa 5km entfernten Siete Altares (Sieben Altare), eine wunderschöne Abfolge von Frischwasserfällen und -becken. Dort angekommen, genossen wir das erfrischend kühle Wasser und wanderten nach gut einer Stunde wieder zurück zum Hostel.

Am nächsten Morgen nahmen wir dann zusammen mit Camaron und William ein Boot, das uns zu unserem nächsten Ziel brachte: der kleinen Stadt Río Dulce. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir den gleichnamigen Fluss und passierten die steil-wandigen Feldschluchten Cueva de la Vaca sowie einen Teil des Flusses, der über und über von Seerosen bedeckt ist. In Río Dulce angekommen, entschieden wir uns dann mit einem Bus zur etwa 1 Stunde entfernten Finca El Paraíso zu fahren. Auf dem Gelände der weitläufigen Farm befindet sich inmitten des Urwaldes nämlich ein wunderschöner, etwa 12 Meter hoher Wasserfall, der einer heißen Quelle entspringt und in ein klares, jedoch kühles Becken fällt. Für nur 10 Quetzales (~1 Euro) kann man dort in den heißen Quellen baden, im kühlen Wasser schwimmen oder auch den Wasserfall hinunterspringen!

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Tikal

Für die folgenden beiden Wochen meiner Reise hatte ich bereits von Deutschland aus eine Tour mit g-adventures durch Belize und nach Tikal (Guatemala) gebucht. Mein nächstes Ziel hieß also Belize City, da ich dort meine Reisegruppe und unseren Tour-Begleiter (CEO) treffen sollte. Da mir der Flug nach Belize City von Roátan aus zu teuer und eine Schiffsverbindung nicht zu finden war hieß es also wieder Bus fahren! Und auf der 34-stündigen Fahrt (!) von La Ceiba (Honduras) über San Pedro Sula (Honduras), Copán Ruinas (Honduras), Guatemala City (Guatemala), Sante Elena (Guatemala) nach Belize City (Belize) in fünf verschiedenen Bussen wurde mir dann endgültig klar (obwohl ich es eigentlich schon vorher gewusst hatte), dass ich meinen Abstecher auf die Bay Islands wohl lieber für eine andere Reise hätte aufsparen sollen. Die ganze Fahrerei (sowohl das Hin als auch das Zurück) kostete nicht nur verhältnismäßig viel Geld, sondern auch enorm viel Zeit und von den Nerven will ich gar nicht sprechen… Nichtsdestotrotz bin ich natürlich froh, dass ich dort war! 😉

In Belize City angekommen, traf ich letzten Samstagabend also meine Reisegruppe für die nächsten beiden Wochen und war schon gespannt, wie die Gruppe so sein würde und wie leicht oder auch schwer mir die Umstellung fallen würde, von nun an nicht mehr allein und “in den Tag hinein” zu reisen. Bereits am ersten Abend stellte sich heraus, dass wir eine lustige, bunte Truppe mit insgesamt zehn Teilnehmern von 25 bis 64 Jahren sind, von denen vier aus Kanada, vier aus Deutschland, einer aus der Schweiz und einer aus Norwegen kommen. Das Zimmer teilen Marie und ich mit Vanja, der Norwegerin.

Am Sonntag ging’s dann auch schon richtig los und wir fuhren (zurück) nach Guatemala, um Tikal zu besichtigen, eine der größten Maya-Ruinen-Stätten weltweit! Obwohl ich gerade mal 24 Stunden außer Landes war, bekam ich an der Grenze ein frisches 90-Tage-Visum für Guatemala (!) und legte – diesmal zusammen mit den anderen – einen Teil des Weges (in entgegengesetzte Richtung) zurück, den ich am Tag zuvor erst nach Belize City angereist war… Die erneute Busfahrt lohnte sich aber in jedem Fall! Denn die Besichtigung Tikals am nächsten Morgen mit einem extrem engagierten und belesenen lokalen Führer war faszinierend und beeindruckend zugleich. Juan, so sein Name, erklärte uns nicht nur detailliert die Entstehungs- und Niedergangs-Geschichte von Tikal, sondern auch viel über die Maya-Kultur an sich. Er gab uns einen Einblick in die Schriftzeichen der Maya und zeigte uns wie sie – zumindest teilweise – entschlüsselt werden können und machte uns mit verschiedenen Bräuchen und Traditionen vertraut. Während die Ruinen in Copán Ruinas (Honduras) oft mit Athen oder Paris verglichen werden, da dort die Handwerkskunst der Maya einen sehr hohen Stellenwert eingenommen haben soll (was sich in den Verzierungen der Tempel und zahlreichen Statuen widerspiegelt), wird Tikal eher mit New York verglichen, da die Tempel hier vorallem durch ihre Größe und Höhe beeindrucken.

Während dieses zweitägigen Abstechers nach Guatemala übernachteten wir in Flores, einem kleinen, schnuckeligen Ort auf der Insel San Andrés im südwestlichen Teil des Petén-Itzá-Sees, ganz in der Nähe Tikals. Und am zweiten Abend hatten wir das große Glück, einen wirklich schönen Sonnenuntergang zu sehen. Das Farbenspiel war ganz wunderbar. Allerdings muss man wirklich aufmerksam sein, damit man das Spektakel nicht verpasst, denn ein Sonnenuntergang dauert hier insgesamt nur etwa 10-15 Minuten.

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Antigua to Roatán

Neben dem bereits gebuchten Shuttle nach La Ceiba (Honduras), um von dort aus dann mit der Fähre auf die Insel Roatán zu gelangen, gab es noch einen weiteren Grund, zurück nach Antigua zu fahren: ich hatte nämliche einige meiner Sachen in meinem dortigen Lieblingshostel La Posada de San Carlos gelassen. Gleich auf Anhieb hatte ich mich bei meinem ersten Aufenthalt in Antigua (noch vor Ostern) mit Carlos, dem Besitzer, angefreundet und von da an das Hostel als eine Art Reisebasis genutzt, von der aus ich verschiedene Kurztrips unternahm. So konnte ich nicht nur einige meiner Sachen dort lassen (und musste sie nicht mit mir herumtragen), sondern hatte auch immer jemanden, der sich gefreut hat, wenn ich von einem 2- oder 4-Tages-Ausflug zurückkam; der wissen wollte, was ich erlebt habe und der mir gleichermaßen Neuigkeiten über das Hostel erzählte und mich manchmal nach meinem Rat fragte. Denn das Hostel ist erst seit etwa vier Monaten geöffnet, sodass es von Woche zu Woche kleine Erweiterungen und Veränderungen gibt! :-)
Nachdem ich mich montagsnachmittags (letzte Woche) also schweren Herzens von den anderen in Santa Ana (El Salvador) verabschiedet hatte und zurück nach Antigua gefahren war, konnte ich mich wenigstens freuen, Carlos wiederzusehen und ein bißchen über die vergangenen Tage zu quatschen. Und tatsächlich fühlte es sich fast ein bißchen wie Nach-Hause-Kommen an, als Carlos und Stephanie spät abends bereits an der Tür standen, um mich zu empfangen… :-)

Am nächsten Morgen ging es dann aber auch schon ziemlich früh wieder weiter und ich musste mich auch endgültig von Antigua verabschieden: der Shuttle (Minivan) holte mich um 4 Uhr am Hostel ab und nachdem wir noch einige andere Leute eingesammelt hatten fuhren wir zunächst nach Copán Ruinas und überquerten auf dem Weg dorthin die Grenze zu Honduras. In Copán Ruinas stiegen die meisten von uns dann in einen Reisebus, der uns zunächst nach San Pedro Sula brachte und von dort aus nach einer kurzen Pause nach La Ceiba. Insgesamt dauerte die Fahrt etwa 14 Stunden und ich war zwar froh als ich endlich im Hostel ankam, freute mich aber auch schon auf den nächsten Morgen, da es dann endlich mit der Fähre Galaxy Wave zur Insel Roatán, meinem eigentlichen Ziel, ging. Die Fährfahrt an sich fand ich recht unspektakulär, obwohl der Wellengang einigen anderen Passagieren doch größere Probleme bereitete und geübtes Bordpersonal fleißig Kotztüten verteilte…

Auf Roatán hab ich im Roatán Backpackers Hostel dann auch gleich eine ziemlich speziell zusammengewürfelte Truppe kennengelernt: Casey, ein Amerikaner aus Michigan, der aus Gründen, die mir nur oberflächlich bekannt sind (was vollkommen ausreicht!), nicht mehr zurück in die USA kann und daher seit sechs Wochen auf Roatán auf seine Arbeitserlaubnis für die Cayman-Inseln wartet; Milton, ein lustiger, katholisch-erzogener, dunkelhäutiger Inder mit Rastazöpfen, der seit über zehn Jahren in Texas lebt, jedoch keine Staatsbürgerschaft der USA hat, Andrea, seine ruhige Freundin aus Utah, die mich mehrfach pro Tag entsetzt oder verwundert über die Gesprächsinhalte der anderen anschaute und Andrew, ein erzkonservativer Texaner aus Houston, der meinte, Milton davon überzeugen zu müssen, dass Rassismus praktisch nur in dessen Kopf existiert und die Runde zudem irgendwann mit dem Bekenntnis aufmischte, dass er davon überzeugt sei, dass Evolution nur eine von den Illuminati erfundene Theorie sei, um die Menschen von Gott abzuwenden… Ich werd da jetzt nicht weiter ins Detail gehen, denn nichts was ich schreiben könnte, würde den Gesprächen, die wir geführt haben auch nur im Entferntesten gerecht werden. Aber ich bin sicher, dass zumindest die meisten von euch eine Vorstellung haben, wie bereichernd diese Tage auf Roatán waren (und nur um das klarzustellen: hier steckt kein einziges Fünkchen Ironie drin!). Ich glaube, das sind Tage, die ich nie vergessen werde!

Aber auch abgesehen von den zwischenmenschlichen Erfahrungen hat mir die Zeit auf Roatán gut gefallen! Ich war einige Male Schnorcheln, habe wunderschöne Korallen, Fische und andere Meerestiere gesehen und habe in der restlichen Zeit mit einem gemieteten Roller die Teile der Insel erkundet, die man als Tourist sonst eher nicht zu sehen bekommt. Dabei habe ich herausgefunden, dass Roatán, obwohl beliebtes Touristenziel, noch viele naturbelassene Landstriche und sehr schöne, verschlafene kleine Fischerörtchen hat. Ironischerweise habe ich leider von den touristischeren aber ebenso netten Strandabschnitten keine Fotos gemacht; wahrscheinlich weil ich dort meist zum Schnorcheln war und dann keine Kamera dabei hatte. :-(

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Lago de Atítlan

Nachtrag zur EarthLodge:
Nachdem der Vulkan El Fuego ja schon den ganzen Sonntag gegrummelt hatte, ist er doch tatsächlich am Sonntagabend gegen 18.45 Uhr (Ortszeit) noch ausgebrochen! Der Ausbruch war zwar nur klein und ich hab ihn auch nur am Horizont gesehen; beeindruckend war’s dennoch! Denn bei der ersten Eruption hat er tatsächlich ein bißchen Lawa “ausgespuckt”. Die weiteren Male lief die Lawa dann “nur noch” langsam über den Kraterrand. Passiert ist glücklicherweise nichts, da der Vulkan sowie der Vulkanfuss nicht besiedelt sind.

Lago de Atítlan:
Am Dienstagmorgen bin ich dann weitergefahren nach Panajachel am Lago de Atítlan, dem zweitgrößten See in Guatemala. Er hat eine Fläche von etwa 120 km², einen Durchmesser von etwa 19 km und liegt auf etwa 1500 Höhenmeter, wobei er von drei Vulkanen umgeben ist. Und wenn das Wetter gut ist, hat man eine unglaubliche Sicht!

Einen meiner beiden Tage habe ich – zusammen mit einer Familie aus Mexiko und einem Peruaner – für eine Bootsfahrt über den See zu vier verschiedenen kleinen Ortschaften genutzt, in denen hauptsächlich Mayas leben. Die kleinen Dörfer waren wirklich interessant und es war ein schöner Ausflug! Allerdings steht er ein wenig im Schatten des zweiten Tages. Denn am zweiten Tag war ich zusammen mit Mani, einem Österreicher von REALWORLDPARAGLIDING (und vier weiteren Touristen mit je einem professionellen Paraglider) über dem See paragliden. Zunächst sind wir mit einem PickUp auf etwa 2000m gefahren. Anschließend wurde das Equipment ausgepackt und nach einer kurzen Einführung vorbereitet und dann sind wir – ein Team nach dem anderen – zu unseren Tandem-Flügen gestartet. Die Wetterverhältnisse waren wohl beinahe perfekt! Daher konnten wir nach dem Start noch einige hundert Meter an Höhe gewinnen und sogar in die Wolken fliegen! :-) Die Aussicht war einfach super; mal ganz abgesehen vom Gefühl zu fliegen! Nachdem wir die erste halbe Stunde recht gemütlich über den See und Panajachel geflogen waren und Mani mich sogar einige Zeit steuern ließ (natürlich unter Anweisung!), zeigte er mir dann noch einige etwa abenteuerlichere Mannöver und wir flogen einige Male fast parallel zum Boden sowie einige Zeit in einer Spirale abwärts! Davon gibt es sogar ein Video… Nun aber genug der Worte: ich hab einen Vulkanausbruch erlebt und war paragliden! 😀 Und was habt ihr so gemacht?! 😉

 

 

 

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Hola Guatemala!

Da ich Ostern auf jeden Fall in Guatemala verbringen wollte, hieß es am Montag dann auch schon wieder Adiós Honduras und Hola Guatemala! Von Copán Ruinas ging’s zunächst zur nur etwa 10km entfernten Grenze bei El Florido und von dort aus dann weiter nach Antigua. Obwohl das C4-Abkommen zwischen Nicaragua, Honduras, Guatemala und El Salvador eigentlich besagt, dass man sich mit einem Visa einer der Staaten für die zugesagte Aufenthaltsdauer in allen vier Staaten aufhalten darf (und ich deswegen beispielsweise keinen Ausreisestempel aus Nicaragua und auch keinen Einreisestempel nach Honduras bekommen hatte), bekam ich an der Grenze zu Guatemala überraschenderweise einen Ausreisestempel aus Honduras und einen Einreisestempel nach Guatemala und meine Aufenthaltsdauer wurde so wieder auf 90 Tage “aufgeladen”…

In Antigua selbst hab ich zunächst zwei Tage verbracht und es hat mir sehr gut gefallen. Obwohl die Stadt nur knapp 60.000 Einwohner hat, hat man den Eindruck, es handle sich um eine Großstadt. Beinahe überall, wo man hinschaut, sieht man Cafés, Bars, Restaurants, Geschäfte, Hotels und natürlich alte Kirchen. Es gibt wirklich jede Menge zu sehen und da die Osterprozessionen in Antigua nicht nur aufwändig, sondern auch sehr bekannt sind, pilgert zu Ostern wohl beinahe ganz Guatemala City nach Antigua, so dass die Stadt plötzlich aus allen Nähten zu platzen scheint. Hotels verdoppeln ihre Übernachtungspreise und richten zusätzliche Schlafstätten ein und Anwohner vermieten Schlafplätze in ihren Wohnzimmern oder bieten Zeltplätze im Garten an…

Da mir das ein bißchen zu viel Trubel zu sein schien, hatte ich irgendwann beschlossen, Ostern auf der EarthLodge zu verbringen, einer Lodge und Avocado-Farm in den Bergen auf etwa 2080m, ca. 20 Minuten von Antigua entfernt. Seit Mittwochnachmittag bin ich nun also hier und der Ausblick von hier oben ist einfach traumhaft! Außerdem hat man hier jede Menge Platz, ist in netter Gesellschaft, es gibt eine Maya-Sauna und – je nach Präferenz – kann man sogar in einem Baumhaus übernachten. 😀 Den Tag an sich gestaltet man selbst, zu Abend gegessen wir dann aber immer gemeinsam um 19 Uhr und anschließend finden sich meist verschiedene Gruppen zusammen zum Spielen, Filmschauen oder einfach Quatschen. Die Lodge hat auch ein Maultier, das die ganzen Nahrungsmittel vom nächstgelegenen Dorf zur Lodge transportiert, da der Abstieg zur Lodge so schmal ist, dass kein Auto den Weg passieren kann. Marie war natürlich gleich ganz begeistert und wollte unbedingt ein Erinnerungsfoto haben! Seit heute Morgen rumpelt übrigens einer der beiden Vulkane, auf die man in der Ferne schauen kann, immer mal wieder und man sieht auch kleine Rauchwolken. Hört sich ein bißchen wie ein weit entferntes Gewitter an.

Zusammen mit einem guatemalischen Pärchen sowie drei Engländern bin ich am Karfreitag dann mit dem Shuttle, den die Lodge anbietet, nach Antigua runter gefahren (liegt auf etwa 1600m), um mir eine der zahlreichen Prozessionen anzuschauen. Es ist wirklich beeindruckend, wieviel Aufwand und Mühe in diese Feierlichkeiten gesteckt wird. Familien und Geschäfte stellen auf den Straßen in Handarbeit farbenfrohe Teppiche aus gefärbten Sägespänen und Blüten her und hunderte Menschen ziehen anschließend durch die Straßen, während sie riesengroßen religiöse Statuen und Bildnissen auf ihren Schultern tragen. Begleitet werden sie von zahllosen Weihrauchträgern und Blaskapellen. Und selbstverständlich ist das Tragen einer solchen Statue zwar Schwerstarbeit, aber ebenfalls eine große Ehre. Daher bezahlen die Leute auch gerne den anfallenden Obulus an die Kirche. Laut Einheimischen strömen über die Osterfeiertage etwa 600.000 Touristen nach Antigua. Daher haben die Feierlichkeiten hier auch eine große wirtschaftliche Bedeutung und man fühlt sich teilweise wie auf einem großen Volksfest.

Von der Earth Lodge aus geht’s am Montagnachmittag dann wieder zurück nach Antigua, von wo aus ich am Dienstagmorgen an den Lago de Atítlan reisen werde. Grundsätzlich muss ich sagen, dass das Klima in Guatemala etwas angenehmer ist als beispielsweise in Nicaragua. Da das Land insgesamt etwas höher liegt, ist es etwas kühler und vorallem nachts fallen die Temperaturen doch deutlich ab, so dass man problemlos schlafen und morgens und abends gut (leichte) lange Ärmel gebrauchen kann. :-)

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