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Nach Süden in Richtung Guatemala

Mittlerweile sind wohl die meisten Teile Mittelamerikas in der Regenzeit angekommen. Das bedeutet zwar nicht den ganzen Tag Regen; aber auf Caye Caulker war’s die letzten Tage doch ziemlich bewölkt und vorallem sehr windig, sodass man nicht viel mehr machen konnte als in der Hängematte liegen. Und als dann auch noch Yoga dreimal hintereinander ausgefallen ist, weil die Lehrerin krank war und der Wind mir beim Lesen meines Buches die letzte Seite rausgerissen und weggeweht hat (…), beschloss ich, endlich weiterzureisen. :-)

Zusammen mit Will, einem Amerikaner aus Washington State, machte ich mich am Sonntag also auf den Weg nach Punta Gorda, eine kleine Stadt mit etwa 5200 Einwohnern ganz im Süden von Belize, um letztlich zurück nach Guatemala zu reisen. Als Will und ich uns am Strand kennenlernten (er hatte den schlimmsten Sonnenbrand, den ich jemals gesehen habe!!!), erzählte er mir, was er gern noch alles in Guatemala sehen würde und dass sein verbleibendes Zeitfenster leider zu kurz dafür sei. Da sich seine Ziele jedoch weitgehend mit meinen nächsten Zielen deckten und ich sicher war, dass man das bis zum 18. Juni (dann fliegt er von Guatemala City aus zurück in die USA) alles machen kann, beschloss er, sich mir anzuschließen und so verbrachten wir zunächst fast einen ganzen Tag (6.5 Stunden) in einem öffentlichen Bus, um von Belize City aus gen Süden nach Punta Gorda zu fahren. Nachdem wir das kleine Städtchen erkundet hatten, hatten wir in Gomier’s Restaurant ein wirklich ganz ausgezeichnetes traditionelles Essen, zubereitet von einem etwa 70jährigen Einheimischen, den man so schnell nicht vergisst! :-) Am nächsten Morgen ging es dann mit einem kleinen Boot in etwa einer Stunde weiter nach Livingston in Guatemala: so ziemlich die unkomplizierteste Möglichkeit, die Grenze nach Guatemala zu überqueren, die ich bisher erlebt habe (und ehrlich gesagt waren die anderen schon sehr unkompliziert…). Und siehe da, in Guatemala angekommen, schien plötzlich auch wieder die Sonne! Die Regenzeit macht sich hier anscheinend hauptsächlich in Form einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit bemerkbar… Sobald man zwei Schritte macht, hat man das Gefühl jemand hätte einem gerade einen Eimer Wasser über geleert…

Den Tag in Livingston verbrachten wir dann zusammen mit Camaron und William, einem Neuseeländer und einem Australier, die wir auf der Bootsfahrt kennengelernt hatten und die im selben Hostel Casa de la Iguana übernachteten. Nach einer kurzen Erkundungstour durch Livingston, wanderten wir gemeinsam zu den etwa 5km entfernten Siete Altares (Sieben Altare), eine wunderschöne Abfolge von Frischwasserfällen und -becken. Dort angekommen, genossen wir das erfrischend kühle Wasser und wanderten nach gut einer Stunde wieder zurück zum Hostel.

Am nächsten Morgen nahmen wir dann zusammen mit Camaron und William ein Boot, das uns zu unserem nächsten Ziel brachte: der kleinen Stadt Río Dulce. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir den gleichnamigen Fluss und passierten die steil-wandigen Feldschluchten Cueva de la Vaca sowie einen Teil des Flusses, der über und über von Seerosen bedeckt ist. In Río Dulce angekommen, entschieden wir uns dann mit einem Bus zur etwa 1 Stunde entfernten Finca El Paraíso zu fahren. Auf dem Gelände der weitläufigen Farm befindet sich inmitten des Urwaldes nämlich ein wunderschöner, etwa 12 Meter hoher Wasserfall, der einer heißen Quelle entspringt und in ein klares, jedoch kühles Becken fällt. Für nur 10 Quetzales (~1 Euro) kann man dort in den heißen Quellen baden, im kühlen Wasser schwimmen oder auch den Wasserfall hinunterspringen!

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Zurück auf Caye Caulker

Seit dem späten Mittwochnachmittag bin ich also wieder zurück auf Caye Caulker (Belize)! Und die Insel begrüßte mich gleich mit einem wunderbaren Sonnenuntergang. Für mindestens eine Woche werde ich nun im Hostel Yumas House bleiben, um mir Gedanken darüber zu machen, wie und wo ich die nächsten Wochen verbringen werde. Und zwischendrin werd ich ein bißchen baden, schnorcheln, in der Sonne liegen und zum Yoga gehen (abwechselnd bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang). :-)

Ach, und dann wollte ich noch DANKE sagen, dass ihr alle die Entscheidung, dass ich nun länger bleiben werde, so positiv aufgenommen habt, auch wenn das für die meisten heißt, dass wir uns nun doch noch eine ganze Weile nicht sehen werden! Hab mich wirklich sehr über die vielen “Hey, find ich cool, dass du das machst!“-emails gefreut! :-)

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Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht…

Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht…. Am Montag letzte Woche war es plötzlich schon soweit: meine Mittelamerika-Reise war zu Ende. :-( Um 11.10 Uhr ging mein Flug von Belize City aus über Houston (Texas, USA) nach Boston (Massachusettes, USA), wo ich geplant hatte – sozuagen auf meinem Rückweg nach Deutschland – noch Verwandte für gut eine Woche zu besuchen. Da diese nicht direkt in Boston wohnen, sondern gut zwei Stunden entfernt in New Hampshire, fuhr ich im Anschluss an den Flug noch mit einem ziemlich komfortablen Fernbus vom Flughafen aus nach Dover und wurde dort gegen 1 Uhr am Dienstagmorgen von meiner Großtante und ihrem Mann herzlich in die Arme geschlossen. Natürlich habe ich die (nun auch schon wieder vergangene) Woche mit den beiden sehr genossen, auch wenn das Wetter hier leider nicht so gut war. Die meiste Zeit war es recht kühl (zwischen 10° und 20°C) und es hat auch öfter mal geregnet. Darauf kam es jedoch gar nicht an. Ich hatte ja gar nicht vor, hier groß was zu unternehmen, sondern lediglich die beiden zu besuchen!

Als ich jedoch Montagvormittag in Belize City ins Flugzeug gestiegen bin, habe ich mich nicht wirklich wohl bei dem Gedanken gefühlt, “schon” abzureisen und war ziemlich traurig. Ich hatte das Gefühl, einen Teil von mir dort zu lassen und meine Reise fühlte sich alles andere als beendet an. Daher habe ich die ganze Zeit whährend des Flugs und auch an den beiden folgenden Tagen darüber nachgedacht und mit Marie beraten, ob es eine (bezahl- und vertretbare) Möglichkeit gibt, meinen Rückflug zu verschieben und noch etwas länger in Mittelamerika zu bleiben. Und ohne jetzt ins Detail zu gehen, was das ganze Prozedere angeht: ich habe letzte Woche also spontan meinen Flug nach Deutschland storniert und gegen einen Rückflug nach Belize eingetauscht. 😀

Ich nehme an, die wenigsten haben das erwartet (nichtmal ich hatte es schließlich bis vor Kurzem erwartet) und werden überrascht sein. Insbesondere, da ich Belize irgendwie gar nicht so richtig auf dem Schirm hatte. Ich dachte, das sei halt auch noch ein Land in Mittelamerika und ich würde es “am Ende noch mitnehmen”. Wie sich rausgestellt hat lag ich damit jedoch ziemlich falsch. Es ist ein kleines verschlafenes Paradies, das ich noch nicht bereit bin zu verlassen. Ich werde also morgen früh (Mittwochmorgen) von New York aus zurück nach Belize City fliegen (daher werde ich heute über Nacht mit dem Bus von Dover über Boston nach New York fahren…) und dann zunächst noch etwas Zeit auf der Insel Caye Caulker verbringen bevor ich weiter herumreise. Vielleicht zieht es mich auch noch mal nach Guatemala und/oder ich reise weiter nach Mexiko entlang der Yucatan-Halbinsel. So genau kann ich das noch nicht sagen… wherever the wind blows me… 😉

Das mag euch alles vielleicht ein bißchen verrückt erscheinen. Aber hey, es macht mich glücklich und man weiß schließlich nie, wie viel Zeit einem noch bleibt. Marie und ich werden daher nochmal zurückgehen… ganz nach dem Motto Live your life deeply!

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Hopkins & Caye Caulker

Als nächstes Ziel stand Hopkins auf dem Plan, ein kleines verschlafenes Örtchen an der Karibikküste, das gut 1000 Einwohner hat und den Mittelpunkt der Garifuna-Bevölkerung darstellt. Viel zu unternehmen bzw. zu erkunden gibt es dort eigentlich nicht. Im Wesentlichen genießt man den Strand, die Sonne, das Meer, den frischen Fisch und die Vögel, die sich vom Wind treiben lassen. Und genau das haben wir dort gemacht! Das Essen war ganz ausgezeichnet. Und in unseren großzügigen Strandcabanas von Jungle Jeannies wurde man nachts von der Brandung in den Schlaf gewogen, sodass es zwei wirklich entspannte und erholsame Tage waren.

Unser nächstes und letztes gemeinsames Ziel war dann Caye Caulker, eine Insel vor der Karibikküste von Belize, die überall als “Paradies” beworben wird. Unser Reiseleiter wies uns während der Anreise (öffentlicher Bus und Wassertaxi) bereits immer wieder darauf hin, dass auf der Insel eine doch ziemlich entspannte Atmosphäre herrscht und wir vielleicht zwei-drei Tage brauchen würden, um uns daran zu gewöhnen. Da die Insel nicht groß ist, sind die meisten Leute dort zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Autos gibt es im Grunde nicht; als Taxis werden Golfwägen benutzt. Außerdem findet man überall den Slogan GO SLOW (“GEH LANGSAM”) und es kommt nicht selten vor, dass Einheimische den Touristen vom Straßenrand aus zurufen “Go slow – otherwise I’ll give you a ticket” (Geh langsam, sonst bekommst du einen Strafzettel!), wenn man nicht im karibisch-entspannten Tempo durch die Straßen schlurft… 😀 Irgendwo hab ich sogar ein Straßenschild entdeckt, das sagt: “Go slow – We have two cemeteries but no hospital” (Geh langsam – wir haben zwei Friedhöfe, aber kein Krankenhaus) – was im Übrigen stimmt…

Es gibt auf Caye Caulker daher nur eine einzige Sache, die man tun muss: sich zu 100% entspannen! Und das ist ehrlich gesagt ziemlich einfach, denn es kommt dem, was sich wohl die meisten Menschen unter “Paradies” vorstellen, schon ziemlich nahe… Man liegt in der Sonne, kühlt sich im klaren, türkis-blauen, 28-30°C warmen Wasser ab, man geht schnorcheln oder tauchen, trinkt ein Bier, einen Saft oder ein Rumgetränk, quatscht ein bißchen mit den Leuten um einen rum und abends geht man zum Strand und bekommt dort das absolut frischeste und köstlichste Seafood (Fisch, Shrimp, Muscheln, etc), das es überhaupt nur geben kann. Verteilt über die Tage dort habe ich Red Snapper, Barrakuda, Zackenbarsch, Schneckenmuschel und Shrimp (immer vom Kohlegrill) gegessen und es war wirklich ausgezeichnet! :-)

Natürlich waren wir auch mal schnorcheln. Sogar mehrfach. Einen Tag waren wir beispielsweise den ganzen Tag mit einem Segelboot unterwegs und hatten die Möglichkeit an verschiedenen Punkten des Belize Barrier Reef mit einem Guide ins Wasser zu gehen. Und was wir sahen, war wirklich beeindruckend! Wir schnorchelten mit Ammenhaien, Stachelrochen, Riesenschildkröten, Aalen und jede Menge anderer Meerestiere. Es gab sogar Palettendoktorfische (Dorie aus Findet Nemo ist beispielweise so ein Fisch), die tatsächlich so vergesslich sind, wie der Film vorgibt… 😀 Ein anderes Mal war ich dann mit Cathryn, Heike und Nicole Nachtschnorcheln. Zusammen mit einem Guide fuhren wir dazu bei Sonnenuntergang auf’s Meer hinaus und gingen mit Taschenlampen ins Meer, sobald es dunkel war. Diesmal sahen wir ganz und gar andere Meeresbewohner wie etwa Hummer, Tintenfische und fluoreszierende Korallen, aber auch Schildkröten und Regenbogenfische.

Die vier Tage auf Caye Caulker im Rahmen der Tour vergingen wie im Flug und so hieß es bald schon Abschiednehmen von unserem Reiseleiter und den meisten anderen Reisenden aus der Gruppe, da sie Belize wieder in Richtung Heimat verlassen mussten. Drew, Max, Cathryn, Matthias und Nicole blieben – wie ich – jedoch noch einige weitere Tage, sodass wir die Möglichkeit hatten, die Insel noch etwas länger gemeinsam zu genießen. Und auch wenn wir einen Regentag in Kauf nehmen mussten, so lohnte sich die Ausdauer im Warten doch in jedem Fall für atemberaubende Sonnenuntergänge und weitere Sonnen-/Meerstunden in guter Gesellschaft!

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San Ignacio

Von Tikal aus ging’s dann zurück nach Belize; genauer gesagt nach San Ignacio, wo die nächsten Abenteuer auf uns warteten. An den ersten beiden Tagen dort teilte sich die Gruppe auf und jeder unternahm Touren nach seinem Geschmack. Ich entschied mich zunächst zusammen mit Graham, Heike und Vanja eine Iguana-Aufzuchtstation zu besuchen. Da diese Tiere in Belize und Guatemala als Delikatesse gelten und lange Zeit gejagt wurden, ist es mittlerweile leider notwendig sie zu schützen. Während des Besuchs bekamen wir nicht nur viele Erklärungen zur Lebensart der vegetarisch lebenden Tiere, sondern durften auch einige halten! Während die größeren ziemlich unbeeindruckt auf dem Arm sitzen blieben, waren die Babys ziemlich flink und kletterten ruck zuck an einem hoch, wenn man nicht aufpasste…

Am nächsten Tag besuchten Graham, Corina, Heike und ich dann die Crystal Cave; eine Höhle, die etwa eine Stunde von San Ignacio entfernt ist. Mit der Hilfe von zwei Guides und dem entsprechenden Material machten wir uns bereits am frühen Morgen gegen 7.30 Uhr auf den Weg. Nach einer guten Stunde im Auto und einer etwa 45-minütigen Wanderung durch den Wald war es dann soweit: der Höhleneingang lag uns zu Füßen und das nächste Abenteuer begann. Die Schwierigkeit der Tour war mit 7 von 10 Punkten angegeben und es stellte sich bald heraus, dass dies durchaus berechtigt war. Denn obwohl die Höhle trocken ist, ist die Luftfeuchtigkeit dort so hoch, dass man seinen eigenen Dunst quasi verdampfen sehen kann. Viele Felsen sind daher rutschig und matschig und man muss darauf achten, dass man genügend Flüssigkeit während der Tour zu sich nimmt! Fotos der anderen Teilnehmer (die ich momentan leider noch nicht habe – und daher hier nicht zeigen kann) belegen übrigens, dass wir alle wie kleine (oder große?) Ferkel aussahen als wir die Höhle verließen. Meine Schuhe sind sogar jetzt noch schmutzig… 😀 Es war also wirklich matschig! 😀 Neben dem eigentlichen Abenteuer-Faktor gab es aber auch jede Menge Wissenswertes über die Bedeutung von Höhlen in der Maya-Kultur zu erfahren. Da Höhlen als Verbindung der Unterwelt (über die Wurzeln, Stämme und Äste von Bäumen) zum Himmel galten, sahen wir während der Höhlentour einige Hinweise auf Bräuche und Riten früherer Maya-Stämme und erfuhren allerlei Wissenswertes. Alles in Allem war die Höhlentour eine lustige, aber auch anstrengende Herausforderung, die sich in jedem Fall gelohnt hat! Ein besonderes Highlight war dabei der Besuch von Wonderland, dem tiefsten Teil der Höhle, der etwa 250 Meter unter der Erdoberfläche liegt und – wie der Name bereits vermuten lässt – jede Menge atemberaubende Ausblicke bietet. Leider war meine Kamera nicht gut genug, um viele aussagekräftige Bilder in der Höhle zu machen. Ihr müsst euch also mit ein paar wenigen begnügen. Und als Beweis, dass ich wirklich da war, gibt’s ein Ines-Expeditions-Geburtstagsfoto, das ich extra für Jörn gemacht hatte. Marie befindet sich zu diesem Zeitpunkt übrigens (total matschig!) im Rucksack, weil wir ab einem gewissen Zeitpunkt Sorge hatten, sie in einer der Felsschluchten zu verlieren. 😉

Nach den beiden “Individualtagen” begann dann endlich die lang-ersehnte geführte mehrtägige Kanutour auf dem Belize-River! Und es war – wie erhofft – ganz wunderbar! Tagsüber waren wir in Dreier-Kanus unterwegs (ich teilte ein Kanu mit Max und Drew), badeten im Fluss, sahen Brüllaffen, Iguanas und jede Menge Vögel und gegen späten Nachmittag schlugen wir jeweils unser (Zelt-)Lager nahe des Flussufers hangaufwärts auf und verbrachten die Abende bei Lagerfeuer und mit einem guten Schluck Rum! Es waren wirklich schöne Tage; lediglich die Moskitos hätten wir nicht gebraucht…

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