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Santa Clara

1. Mai 2017

Nach einem halbtägigen Zwischenstopp in Santiago de Cuba und einer weiteren Viazul-Nachtbus-Fahrt kamen wir rechtzeitig zum 1. Mai in Santa Clara an, der Stadt Kubas die untrennbar mit dem Namen Ché Guevara verbunden ist. Insgesamt zählt die Stadt knapp 240.000 Einwohner und wirkt recht modern und fortschrittlich und gleichzeitig dennoch irgendwie beschaulich. Wenn es Touristen (sowohl kubanisch als auch international) hierher verschlägt, dann wohl wegen des Staatshelden Ché Guevara. Für ihn wurden in der Stadt mehrere Denkmäler und Museen errichtet. Unter anderem kann der Platz besichtigt werden, an dem Ché Guevara und 18 weitere Guerilleros im Dezember 1958 mit einem gekaperten Bulldozer und selbst gebauten Molotow-Cocktails einen gepanzerten Zug (mit 350 schwer bewaffneten Regierungssoldaten) zum Entgleisen brachten und damit das Ende der Batista-Diktatur sowie die darauf folgende 50-jährige Regierungszeit seines Freundes Fidel Castro einleiteten. 1987 wurde anlässlich des 20. Todestages von Guevara zudem am westlichen Ende der Stadt ein riesiger Komplex aus Denkmal, Mausoleum und Museum errichtet. Angeblich befinden sich die sterblichen Überreste von Guevara und 16 seiner in der gescheiterten bolivianischen Revolution gefallenen Kameraden seit 1997 tatsächlich in dem erbauten Mausoleum.

Obwohl es für die Reise nach Kuba keine festgelegte Route gab, so stand doch von Anfang an fest, dass ich unbedingt nach Santa Clara möchte. Vielfach wurde ich gefragt: “Ach, was willst du denn da?” Und als wir dort ankamen, war plötzlich total klar, weshalb ich unbedingt in diese Stadt wollte. Denn tatsächlich dauerte es nur wenige Minuten bis ich mich in die Stadt verliebte. Obwohl wegen des Feiertags die ganze Stadt auf den Beinen war (es gab eine große Parade, die wir leider knapp verpassten bzw. deren Ausklang wir mitbekamen), war – ähnlich wie in Baracoa – alles recht unaufgeregt. Die Leute waren ziemlich entspannt und sehr aufgeschlossen. Es gab jede Menge kleine Cafés und Bars und die allermeisten Sehenswürdigkeiten kosteten keinen Eintritt; einige waren jedoch wegen des Feiertags geschlossen. Und auch, wenn das bedeutete, dass wir das Mausoleum leider nicht besuchen konnten, so war mir das doch irgendwie sympathisch. Feiertag ist nunmal Feiertag und auch für Touristen muss es nicht immer eine Extrawurst geben.

Durch die Stadt ließen wir uns zum Teil von einer Pferdekutsche chauffieren, von der aus man sich bei 36 Grad Celsius sehr bequem einen ersten Überblick verschaffen konnte. In anderen Stadtteilen spazierten wir herum. Und schließlich fanden wir das sehr gemütliche kleine Café Museo (natürlich mit Exponaten zur Revolution, zentriert um Ché Guevara), in dem wir einen extrem leckeren Milchshake bzw. ein sehr gutes Eis aßen und uns gut mit der neugierigen und gleichzeitig auskunftsfreudigen Bedienung unterhielten. Wirklich schade, dass wir nur einen Tag in der Stadt hatten (die Weiterreise war leider schon organisiert). Sollte es mich nochmal nach Kuba verschlagen, würde ich etwas mehr Zeit für Santa Clara einplanen.

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Baracoa

25. – 30. April 2017

Unsere nächste Etappe sollte uns nach Baracoa (nahe dem östlichen Ende Kubas) führen. Zurück aus Cayo Largo nahmen wir daher den (staatlichen, unfassbar stark klimatisierten) Viazul-Nachtbus nach Santiago de Cuba (Abfahrt in Havanna ca. 22 Uhr, Ankunft in Santiago de Cuba ca. 14.30 Uhr –> 16,5 Stunden Fahrt), von wo aus wir eine weitere gute Stunde mit einem Taxi nach Guantánamo fuhren. In der kleinen Stadt, deren Bekanntheit (neben dem Lied “Guantanamera”, das von hier stammt) eher aus der jüngeren, unschönen US-amerikanischen Geschichte herrührt, verbrachten wir den Nachmittag und die Nacht. Das ist natürlich nicht besonders viel Zeit. Da es jedoch nur wenige Touristen in der Stadt gibt, bekamen wir einen ganz guten Einblick in ein ursprünglicheres Kuba als auf den bisherigen Etappen unserer Reise. Das Abendessen inkl. Getränke kostete uns hier übrigens nur 2,50 CUC (inkl. einem üppigen Trinkgeld). Den streng abgeriegelten amerikanischen Sektor (mit dem wohl einzigen McDonalds und dem einzigen Starbucks auf der ganzen Insel) bekamen wir natürlich nicht zu sehen. Weder Kubaner noch Touristen werden auch nur ansatzweise in die Nähe der amerikanischen Basis gelassen.

Am nächsten Morgen nahmen wir dann den Bus zu unserem eigentlichen Ziel: Baracoa. Und in Baracoa hat die Reise für mich irgendwie eine Wendung genommen; ab hier haben wir (zumindest gefühlt) eine andere Art Kuba kennengelernt. Ein Kuba, das den Touristen etwas mehr als die klischeehafte Fassade zeigt. Ein Kuba, das sich seiner Stärken sehr bewusst ist, aber auch um seine Schwächen weiß. Es ist schwer zu beschreiben, was genau den Unterschied gemacht hat, denn wir haben auch viele differenzierte Sichtweisen und schöne Orte in den anderen Gegenden Kubas kennengelernt; in Baracoa (und ohne schon Zuviel vorwegzunehmen: auch im restlichen Osten von Kuba) wirkte aber alles ein bißchen authentischer, irgendwie “echter”. Wahrscheinlich ist diese Einschätzung unfair, denn möglicherweise ist das Leben aus verschiedenen Gründen in diesem Teil Kubas einfach ganz anders. Andererseits ist es nunmal der Eindruck, der bei mir entstanden ist (und nach wie vor weiter wächst).

Wenn man durch Baracoa spaziert, ist kaum zu glauben, daß ein Hurricane der Stärke 5 die Stadt im vergangenen Oktober beinahe zerstört hat. Für mehr als zehn Stunden fegte der Wirbelsturm Matthew am 4. Oktober 2016 mit 280km/h durch die Stadt und dann weiter über den östlichsten Teil Kubas hinweg und zerstörte u.a. ca. 80% der Dächer, viele viele Häuser, 500.000 Bäume, weitere mehrere hunderttausend Palmen und schnitt die gesamte Region zudem für mehrere Tage vom Strom ab. Glücklicherweise wurde niemand getötet – die wenigsten verstehen jedoch weshalb. Fatal war auch, dass die einzige Zufahrtsstraße (eine Brücke) zur Region des Nationalparks Alejandro Humboldt durch den Hurricane zerstört wurde und die Bevölkerung jenseits des Río Toa daher mehrere Wochen komplett vom restlichen Kuba abgeschnitten war. Auch der Transport von Hilfsgütern war dementsprechend für einige Zeit nicht möglich oder extrem schwierig. Mittlerweile wurde die Stadt bzw. die Region dank schneller, unbürokratischer und großzügiger Hilfe durch den Staat (Baumaterialien und Mikrokredite) und vor allem aufgrund des unermüdlichen Gemeinschaftsgeistes der Einwohner wieder weitgehend aufgebaut. Sicherlich sieht man an vielen Stellen noch, dass der Wiederaufbau noch nicht ganz abgeschlossen ist. Dennoch haben wir uns auf unserer Reise selten so willkommen und gleichzeitig “in-Ruhe-gelassen” gefühlt wie in Baracoa (obwohl ja gerade die Baracoaner unser Geld gut gebrauchen könnten).

In den knapp drei Tagen, die wir in Baracoa verbrachten unternahmen wir trotz häufigen Regens verschiedene Touren, unter anderem nach Boca de Yumurí, wo wir von unserem Führer Steve einiges über die lokale Flora und Fauna sowie über die Geschichte der Region lernten. In diesem Zusammenhang besuchten wir auch eine Kakaoplantage, lernten wie die lokale Schokolade hergestellt wird und bekamen die einzigartigen und nur in dieser Region lebenden polymitas (bunte, auf Bäumen lebende Schnecken) zu sehen. An unserem dritten Tag hatten wir außerdem besonderes Glück, da wir eher unverhofft dann doch noch eine Tour in den Nationalpark Alejandro Humboldt machen konnten, wegen dessen wir eigentlich überhaupt nach Baracoa gereist waren. Der Nationalpark, benannt nach dem Deutschen Naturforscher Alexander von Humboldt, der hier mehrere Monate verbrachte, ist angeblich “Kubas beeindruckendster und facettenreichster Nationalpark”. Da die einzige Verbindungsbrücke jedoch durch den Hurricane zerstört und bislang nur eine provisorische Straße durch den Río Toa errichtet wurde, ist der Zugang, je nach Wasserstand des Flusses, nur eingeschränkt möglich.

Die Tour durch den Nationalpark war wirklich interessant (wir haben den kleinsten Frosch der Welt gesehen; Klaus hat ihn gefunden!), erneut sehr lehrreich und nicht zuletzt abenteuerlich! Beinahe hätten wir es nämlich nicht zurück über den Fluß geschafft, ohne dass unser Taxi von der Strömung mitgerissen worden wäre… Unser Fahrer hätte es wohl am liebsten gar nicht erst probiert. Die Anwohner am Fluß waren jedoch extrem zuversichtlich, dass die Überquerung ganz problemlos machbar sei… Nun ja, “ganz problemlos” wäre im Nachhinein nicht ganz meine Wortwahl, aber wir sind letztlich unversehrt auf der anderen Seite angekommen (nur das Nummernschild des Autos wurde durch die Strömung weggeschwemmt und ein bißchen Wasser ist in den Oldtimer eingetreten)… 🙂 Das erste, was unser Fahrer nach der Überquerung machte, waren jedenfalls zehn Kreuze und mehrere überschwängliche Dankes-Bekundungen an Gott und seinen 62(!) Jahre alten Plymouth. Im Nachhinein muss man sagen, dass wir wohl wirklich Glück hatten; zehn Minuten später wäre eine Überquerung an diesem Tag wahrscheinlich nicht mehr möglich gewesen.

Unser Abstecher nach Baracoa hat sich in jedem Fall sehr gelohnt! In der Stadt war es sehr angenehm, die Menschen waren sehr interessant, die Natur sehr vielfältig und das Essen war ungewöhnlich lecker für Kuba. Hier haben wir außerdem den besten Mojito getrunken und Klaus hat den Service eines kubanischen Friseurs in Anspruch genommen. Hier wurden wir aber auch zum ersten Mal nach Kugelschreibern und Seife gefragt, die wir natürlich bereitwillig verteilten, hatte ich doch vor unserer Abreise extra Stifte und Drogerieartikel zum Verschenken eingepackt. Ja, das ist auch eine Seite des kubanischen Sozialismus: freie Bildung, für die jedes Schulkind pro Jahr genau ein Heft und einen Stift bekommt.

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Cayo Largo

22. – 25. April 2017

Nachdem wir nun einige Tage auf dem Land, im Wald und in der Stadt verbracht hatten, sollte uns die nächste Reiseetappe wieder für ein paar Tage ans Meer bringen. Wir entschieden uns daher den vielen Empfehlungen zu folgen und für vier Tage mit Aerogaviota nach Cayo Largo zu fliegen, einer kleinen Insel südlich von Kuba im karibischen Meer. Wenn man verschiedensten Reiseführern und einigen Kubanern Glauben schenken darf, gibt es dort die schönsten Strände Kubas und exzellente Tauch- und Schnorchelmöglichkeiten. Nachteil ist, dass es auf Cayo Largo nur Ressort-Hotels (all-inclusive und nicht gerade günstig) und leider keine privaten Casas gibt.

Am Samstagmorgen um kurz vor 5 Uhr (und nicht 4 Uhr, wie uns eigentlich gesagt wurde), wurden wir also in Havanna abgeholt und zu einem nationalen Flughafen gebracht, von wo aus es um 7.10 Uhr nach Cayo Largo ging. Obwohl erst niemand da war und wir zusammen mit den anderen Fluggästen noch ca. 40 Minuten warten mussten bis der Flughafen öffnete, flogen wir pünktlich(!) ab und landeten gut 35 Minuten später auf Cayo Largo. 🙂 Bereits um 9.30 Uhr waren wir in unserem geräumigen Zimmer eingecheckt und nach einem passablen Frühstück bereit, die Insel unsicher zu machen. Da das Wetter jedoch nicht so toll war (es regnete immer mal wieder!), entschieden wir uns gegen den Strand und für die Miete eines Quads, auf dem wir die Insel erkundeten. Neben den offensichtlich wunderschönen Stränden gibt es auch noch ein paar andere Highlights auf der Insel, beispielsweise eine Gärtnerei, die die Blumen für die großen Hotels züchtet oder auch eine Schildkröten- und Krokodilfarm, die in Not geratene Tiere rettet.

Glücklicherweise wechselte das Wetter über Nacht und wir erwachten am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein, der für die Dauer unseres restlichen Aufenthalts auf Cayo Largo anhalten sollte. Perfekte Voraussetzungen also für ein paar Tage Entspannung am Strand, im Meer und beim Schnorcheln. Wir besuchten verschiedene Strände (Playa Sirena, Playa Paraíso, Playa Blanca, Playa Coco) und fuhren mit einem Boot zum Schnorcheln sowie zur winzigen Insel Cayo Iguana, wo man neben den Iguanas auch viele schöne Muscheln bestaunen (und sammeln) konnte. 🙂 In diesem Zusammenhang konnten wir den kubanischen Improvisationsgeist am eigenen Leib erleben. Da der Schnorchelausflug sehr spontan erfolgte, hatte ich leider keine Kontaktlinsen eingepackt… Kein Problem in Kuba! Der Skipper schraubte kurzerhand mit einem Messer die Bügel meiner Sonnenbrille ab und montierte sie in der Taucherbrille… 🙂

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Hershey Electric Railway

21. April 2017

Da wir unseren Mietwagen am Freitagvormittag spätestens um 10 Uhr wieder in Havanna abgeben mussten, machten wir uns am späten Donnerstagnachmittag auf den Weg dorthin. Für den Freitag hatten wir außerdem geplant die Jardines de Hershey und die ehemalige, mittlerweile zerfallene Hershey Zuckerfabrik in der Region Playa Jibacoa (ca. 45km östlich von Havanna) zu besuchen. Die Fabrik wurde 1916 vom amerikanischen Schokoladenmagnaten Milton Hershey eröffnet, der den Zucker zum Süßen seiner in den USA hergestellten Schokolade verwendete. Die Gärten hatte er in nur ca. 2km Entfernung von der Fabrik als Naherholungsgebiet anlegen lassen. Um Arbeiter und Waren zwischen Havanna, Mantanzas und der kleinen Stadt, die sich um die Fabrik entwickelt hatte, unkompliziert transportieren zu können, ließ er außerdem 1921 Schienen für Elektrozüge errichten und brachte so die Hershey Electric Railway zum Fahren. Der Zug wurde bald zum wichtigsten Verkehrsmittel der ländlichen Bevölkerung, war er doch das einzige Verkehrsmittel, das viele sonst weitgehend abgeschnittene Dörfer miteinander verband. Nachdem die Zuckerfabrik 1959 verstaatlicht wurde, erhielt sie den Namen Central Camilo Cienfuegos. Zug und Gärten haben jedoch ihren Ursprungsnamen bis heute behalten.

Nachdem wir unseren Mietwagen am Freitagmorgen abgegeben hatten, ließen wir uns von einem Lada-Taxi zu den Jardines de Hershey bringen (knapp 2 Stunden abenteuerliche Fahrt). Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Gärten nicht ganz unsere Erwartungen erfüllten. Große Teile der Areals waren nicht zugänglich und der zugängliche Teil bestand aus drei Restaurants (wovon eines super-laute Disco-Musik spielte), einem Spielplatz und einem Fluss mit Badebereich. Wir entschieden uns daher schon noch einer halben Stunde den Fußweg nach Camilo Cienfuegos anzutreten, um die Überreste der Zuckerfabrik anzuschauen und den Rückweg nach Havanna mit der Hershey Electric Railway zu bestreiten. Und letzteres war wirklich ein Erlebnis!

Der Zug sollte planmäßig um 13.24 Uhr abfahren; mit einer minimalen Verspätung von ca. 10min setzte sich das in der Region auch als “Kuh auf Gleisen” bekannte Gefährt in Gang. Nachdem wir den ersten Halt erfolgreich passiert hatten, dauerte es nur zehn weitere Minuten bis ein lauter Schlag zu hören war und der Zug um 13.52 Uhr mitten im Nirgendwo zum Stehen gebracht wurde. Ein entsprechender Geruch in der Luft ließ adhoc auf ein elektrisches Problem schließen, was kurze Zeit später durch das Zugpersonal bestätigt wurde. Ganz in kubanischer Manier wurde also die Werkzeugkiste ausgepackt (der Zug besaß eine ziemlich große…), Handschuhe wurden angezogen und zwei Männer kletterten mit einem Stück Draht auf’s Dach. Dank enorm geschäftigen Treibens, großer Bemühungen verschiedenster Menschen (darunter auch Passagiere) und dem sicherlich immensen kubanischen Improvisationstalent konnte das Problem am Stromabnehmer nach einer Stunde provisorisch behoben werden, sodass wir um 14.55 Uhr die Rückfahrt zum Ursprungs-Bahnhof antreten konnten, wo wir um 15.15 Uhr ankamen. Dort ging dann alles recht schnell: ein neuer Zug wurde bereitgestellt (das Problem war vorab über Funk kommuniziert worden), alles wurde umgeladen und um 15.28 Uhr (ca. 2 Stunden nach der ursprünglichen Abfahrt) starteten wir erneut unseren Rückweg nach Havanna. 🙂

Die Zugfahrt an sich war sehr interessant, weil wir einen Teil Kubas und vor allem Menschen zu sehen bekamen, den bzw. die wir sonst nicht gesehen hätten (übrigens für insgesamt 2,80 CUC). Der Zug wurde von Arbeitern als Transportmittel, für Familienbesuche und Reisetätigkeiten, als Waren- und Gütertransportmittel und letztlich auch als Kurierdienst verwendet. Menschen transportierten jede Menge Säcke voller Früchte und Gemüse, einige Flaschen und Kanister aber auch Vögel und sogar eine Ziege wurden mitgenommen. Manchmal hielt der Zug einfach irgendwo, etwas wurde abgeladen und wir fuhren weiter. Das Prozedere erinnerte mich ein bißchen an die Fahrten mit den lokalen Chicken Busses in Mittelamerika. 🙂

In Havanna kamen wir im Stadtteil Casablanca an und mussten noch eine Fähre nehmen, um über die Bucht zurück ins Zentrum der Stadt zu gelangen. Natürlich waren uns die enormen Gegensätze Havannas bzw. Kubas schon vor der Zugfahrt bewusst gewesen. Zurück in Havanna wurden diese aber nochmal besonders deutlich. Symbolisch dafür auch: eine alte Frau in der Hershey Electric Railway, die vielleicht zum ersten Mal gemeinsam mit ihrem Sohn mit dem alten Zug fährt, um das Enkelkind einige Siedlungen weiter zu besuchen und im Haven von Havanna riesige Luxus-Kreuzfahrtschiffe wiederum neben zerfallenen Gebäuden…

In Havanna haben wir am Donnerstag und Freitag übrigens in zwei Casas Particulares übernachtet, die mit jeweils 45 CUC zwar deutlich teurer waren als die casas auf dem Land, dafür jedoch in einer sehr guten Gegend von Havanna liegen (Botschaftsviertel) und deren Besitzerinnen extrem hilfsbereit und freundlich waren. Vielleicht werde ich meinen ersten Eindruck von Havanna also noch etwas korrigieren oder zumindest erweitern müssen. Wir werden sehen.
Zum Abschluss des Tages erfüllten wir uns noch den Wunsch einer Fahrt in einem gut erhaltenen Oldtimer durch die Stadt. Irgendwie gehören die klischeehaften Dinge schließlich auch dazu. Und abgesehen davon hat es wirklich Spaß gemacht. 🙂

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Soroa & San Cristóbal

18. – 20. April 2017

Von der Península de Guanahacabibes ging es landeinwärts nach Soroa. Auf dem Weg dorthin legten wir noch einen Zwischenstopp an der Tabakplantage Alejandro Robaina ein, wo wir einiges über die professionelle Tabakkultivierung lernten. Die Plantage (es ist durchaus eine große, aber eben auch nur eine von vielen) erntet jährlich Tabak für ca. 5.000.000 hochwertige Zigarren. Zum Vergleich: die Jahresproduktion von Zigarren liegt für Kuba bei angeblich ca. 100.000.000 Stück, wobei der Herstellungsprozess jeder Zigarrensorte identisch ist; lediglich die Zusammenstellung der verwendeten Blätter und natürlich die Regionen aus denen sie stammen, variieren.

Sobald die Tabakblätter reif sind (eine Pflanze trägt ca. 25-30 Blätter, unterteilt in fünf verschiedene Qualitäten) werden sie geerntet und in einem speziellen Prozess getrocknet. Die qualitativ hochwertigsten und aromatischsten Blätter sind die obersten (u.a. weil die am meisten Sonne bekommen); nach unten hin nehmen Aroma, Qualität und Nikotingehalt ab. Die meisten Zigarren bestehen aus einer Mischung aus oberen und mittleren Blättern, wobei manche Plantagen zusätzlich spezielle Pflanzen für die Deckblätter der Zigarren kultivieren. Diese Pflanzen werden in einer Art Gewächshaus gezogen, damit die Blätter letztlich makellos aussehen, das heißt loch- und rissfrei sind. Die untersten Blätter werden nicht im Zusammenhang mit Zigarren eingesetzt, sondern für die Produktion von Zigarillos und Zigaretten verwendet. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Blattstränge ebenfalls nicht in der Tabakwarenproduktion verwendet werden; sie enthalten wohl das meiste Nikotin und werden an die Pharmaindustrie verkauft.

Die eigentliche Zigarrenproduktion findet übrigens nicht mehr auf den Plantagen statt. Dort werden die Blätter “nur” geerntet, sortiert und getrocknet. Die restlichen Prozesse (Fermentierung, Zusammenstellung und das eigentliche Rollen der Zigarre, etc.) werden in regierungseigenen Fabriken durchgeführt. Denn jede Plantage muss 90% der Ernte an den Staat verkaufen; lediglich 10% der Ernte darf im Besitz des Plantagenbesitzers zum eigenen Konsum sowie für Freunde und Bekannte verbleiben.

In Soroa übernachteten wir zweimal in Casas Particulares, wobei uns insbesondere die zweite Casa sehr gefallen hat. Für die Übernachtung bezahlten wir dort nur 20 CUC und bekamen das bis dato sauberste und geräumigste Zimmer. In die kleine Siedlung knapp 100km südwestlich von Havanna hatte es uns insbesondere wegen der interessanten Pflanzenwelt verschlangen. Durch die relativ hohe Niederschlagsmenge von 1300 mm pro Jahr ist hier insbesondere die Orchideen-Vielfalt beeindruckend. Wir haben aber auch jede Menge andere, uns aus deutschen Haushalten bekannte Pflanzen entdeckt, die hier zuhauf in den Gärten oder auch im Wald wachsen. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass diese Pflanzen (Beispiele: Gummibaum, Fikus, Sansevieria, Bromelien, Croton) hier häufig ein bis zwei Nummern größer sind als bei uns. 🙂

Unsere Aktivitäten in Soroa haben sich im Wesentlichen um die Erkundung der lokalen Pflanzenwelt gedreht. Bevor wir jedoch weiterreisten, haben wir noch die Einladung einer sehr netten kubanischen Familie angenommen. Wir besuchten nämlich Nieves und Naila in San Cristóbal. Die beiden (Mutter und Tochter) hatten wir auf der Fahrt von Havanna nach Viñales ein gutes Stück mitgenommen. Während der Fahrt entspannte sich ein sehr nettes Gespräch, welches letztlich zur Einladung nach San Cristóbal führte. Dort lernten wir dann am Donnerstag auch Natalie und Leo (kleine Schwester sowie Freund von Naila) und den Haushund Nina kennen. Zudem durften wir uns einen Eindruck verschaffen, wie das Zuhause der Familie aussieht. Für uns wurde ein wirklich großzügiges, leckeres, typisch kubanisches Essen zubereitet und wir bekamen wir eine Ananas, eine Zigarre und kubanisches Brot (Weißbrot) geschenkt. Es war ein wirklich schöner Nachmittag, an den wir uns noch lange erinnern werden.

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Península de Guanahacabibes

16. – 18. April 2017

Entgegen meiner Erwartungen hat sich herausgestellt, dass zu Ostern in Kuba keine besonderen Feierlichkeiten stattfinden. Karfreitag und/oder Ostermontag sind nicht einmal Feiertage. Außer einem für meine Begriffe recht normalen Gottesdienst am Ostersonntag und einem generell erhöhten touristischen Aufkommen haben wir daher von Ostern leider nicht besonders viel mitbekommen. Das Positive daran ist, dass wir in Bezug auf unsere Reise auch keine Rücksicht auf bestimmte Traditionen, eingeschränkte Öffnungszeiten und/oder Zugangsmöglichkeiten nehmen mussten.

Am späten Vormittag des Ostersonntag machten wir uns daher mit unserem Mietwagen auf in Richtung der Westspitze Kubas, zur Península de Guanahacabibes. Der dort befindliche Nationalpark gilt als ziemlich abgeschieden und lockt zum einen passierte Taucher an wegen der 32 geschützten, küstennahen Riffe und der größten Formation schwarzer Korallen in ganz Kuba. Zum anderen verschlägt es Naturliebhaber dorthin wegen des großen Parque National Península de Guanahacabibes, in dem sich gemeinsam mit speziell ausgebildeten Führern besonders gut die lokale Flora und Fauna bestaunen lässt.

Nach unserer Ankunft verbrachten wir zunächst den restlichen Nachmittag und einen weiteren Tag in María la Gorda, dem südlichsten Zipfel des kubanischen Festlandes und genossen dort Strand, Meer und Sonne. Im Grunde hätten wir wohl die gesamte Zeit problemlos am Strand unter einer Palme liegen können, denn die leichte Meeres-Brise ließ die 35 Grad Celsius ziemlich angenehm erscheinen. Montags hatten wir dennoch Schnorchel-Equipment geliehen und erkundeten vormittags die seichte Meeres-Küste auf eigene Faust. Nachmittags konnten wir dann auf einem Taucherboot mit aufs Meer rausfahren und dort unser Schnorchelglück versuchen. Leider bot der für die Taucher tolle Platz nicht so viel Sehenswertes für die Schnorchler wie die Küste. Es war dennoch ein schöner Tag und ein guter Auftakt für die hoffentlich noch folgenden Schnorchelausflüge. Dass die Regenzeit allmählich naht, zeigte sich am frühen Abend übrigens durch einen zwar kurzen, aber durchaus ergiebigen Regenschauer. Zu diesem Zeitpunkt war uns natürlich noch nicht klar, welches einmalige Naturschauspiel wir dadurch am nächsten Tag erleben würden.

Am Dienstagmorgen stand dann unsere lang ersehnte Tour im Nationalpark auf dem Plan. Geplant war ein fünfstündiger Ausflug mit einem Guide zur westlichsten Spitze Kubas, nach Cabo de San Antonio und nach Las Tumbas. Es sollte jedoch anders kommen. Denn durch den Regen am Vorabend und in der Nacht war die Zufahrtsstraße zum westlichsten Teil der Insel nicht passierbar; jedoch nicht wegen unter Wasser stehender Straßen, sondern weil die einmal pro Jahr stattfindende Wanderung der cangrejos colorados eingesetzt hatte. Diese rot-gelben Krebse wandern zum Beginn der Regenzeit vom Meer in den angrenzenden (aber durch eine Straße abgetrennten) Wald, um dort ihre Eier abzulegen, wobei der Waldboden zu einem Großteil aus Kalksteinkarst besteht und somit optimale Schlupflöcher für die Krebse bietet. Und so kam es, dass wir die Straße vor lauter Krebsen nicht mehr sahen als wir uns am Dienstagmorgen dem Besucherzentrum des Nationalparks näherten. Tausende und abertausende rot-gelbe und teilweise rot-weiße Krebse waren dabei sich ihren Weg in den Wald zu bahnen und machten vor keinem Hindernis Halt. Die geplante Tour konnte daher nicht stattfinden (beim Passieren der Straße wären zu viele Krebse getötet worden).

Anstelle dessen wurden wir umfangreich über die Krebse informiert und bekamen eine Alternativtour angeboten. Diese führte uns zur Cueva las Perlas (“Perlenhöhle”), welche von zahlreichen, interessant geformten Galerien durchzogen ist und einen ca. 300m langen See beherbergt. In der Höhle begegneten wir zudem Fledermäusen, einer Schleiereule, einer Jutía (Baumratte) und natürlich einigen Krebsen. Außerdem zeigte unser Führer uns einige schöne Licht- und Klangeffekte, die die Höhle zu bieten hat. Aber auch der Weg zur Höhle und zurück zum Besucherzentrum war gespickt mit vielen neuen Eindrücken und zahlreichen interessanten Informationen: speziell die Vogel- und Pflanzenwelt Kubas scheint unerschöpflich. Wandertechnisch war die Tour durchaus etwas anstrengend, obwohl keine extremen Steigungen zu überwinden waren. Da der Boden jedoch weitgehend aus versteinerten Korallen besteht auf dem sich zusätzlich noch jede Menge Krebse bewegten, hatten wir häufig den Eindruck als bewegten wir uns auf einer Kraterlandschaft, in der man keinen falschen Tritt machen darf.

Zurück am Besucherzentrum stellten wir fest, dass die Krebse wirklich vor nichts Halt machten. Während unserer Abwesenheit hatten sie nämlich beschlossen, dass unser Auto mehrere vermeintlich perfekte Unterschlüpfe bietet: Krebse in den Felgen, Krebse in den Stoßdämpfern, Krebse im Motorraum, …

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Viñales

13. – 16. April 2017

Nachdem wir unseren Mietwagen (nicht wie eigentlich gebucht einen Suzuki Jimny, sondern einen niegelnagelneuen weißen Peugeot 2008 mit gerade mal 2000km…) in Empfang genommen hatten, machten wir uns auf den Weg in die Provinz Pinar del Río. Unsere nächste Etappe führte uns nämlich nach Viñales, einer 1875 gegründeten ländlichen Kleinstadt, die im Valle de Viñales liegt, welches eine Weltnaturerbestätte der UNESCO ist und als eine der schönsten Kulturlandschaften Kubas gilt. Da Trampen (also per Anhalter fahren) in Kuba auf dem Land wegen der schlechten Bus-Verbindungen für die lokale Bevölkerung sehr üblich ist (staatlich Angestellte sind sogar verpflichtet Passanten mitzunehmen) überzeugte ich Klaus auf dem Weg von Havanna nach Viñales einige Frauen, die am Straßenrand eine Mitfahrgelegenheit suchten, mitzunehmen. Dabei lernten wir interessante Menschen kennen (zwei davon (Mutter & Tochter) werden wir vielleicht später auf der Reise noch besuchen) und haben zumindest gefühlt noch was Gutes mit unserem Mietwagen getan.

In Viñales übernachteten wir in einer Casa Particular, dem kubanischen Pendant zu westlichen Bed & Breakfast-Unterkünften. Für 25 CUC (entspricht exakt US $25) bekamen wir hier ein rustikales Zimmer für zwei Personen mit eigenem Bad, Ventilator und Handtüchern. Bei Bedarf gab’s für weitere 5 CUC pro Person und Tag ein üppiges Frühstück von der Hausherrin zur Wunschzeit zubereitet.

Nach Viñales hatte es uns im Wesentlichen wegen des Parque Nacional Viñales gezogen. Dieser Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von 150km^2 und besteht im Wesentlichen aus landwirtschaftlich genutzten Flächen und den sehr beeindruckenden mogotes, das heißt Karststeinmonolithen. Der landwirtschaftliche Schwerpunkt der Region liegt auf Kaffee, Tabak, Zuckerrohr, Avocados, Mangos und Bananen, wobei auch vieles andere angebaut wird (u.a. Süßkartoffeln). Viñales selbst ist umringt von zerklüfteten Karstbergen und gilt daher als optimaler Ausgangspunkt für Erkundungstouren in den umgebenden Nationalpark. Wir haben in diesem Zusammenhang zwei geführte Touren mit unserem Guide Rainer (ja, ein deutscher Name, denn es handelte sich um einen waschechten Kubaner, dessen Großvater Deutscher war) unternommen. Eine ca. viereinhalbstündige Tour am Nachmittag, auf der wir unfassbar viel über die lokale Landwirtschaft gelernt haben, endete mit dem gemeinsamen Bestaunen eines tollen Sonnenuntergangs. Während dieser Tour habe ich beispielsweise gelernt, dass es ca. zehn verschiedene Arten von Avocados gibt und die Größe der Früchte mit der Größe der Blätter zusammenhängt. Ich habe außerdem zum ersten Mal gesehen, wie Cashewnüsse wachsen und wir haben einen ersten Einblick in die Tabakproduktion erhalten. Die zweite Tour begann am nächsten Morgen schon um 6 Uhr (da war es noch sehr dunkel!) und führte uns in das so genannte Valle del Silencio. Hauptziel der Wanderung war es, den Sonnenaufgang von einem kleinen Bauernhaus in den Bergen aus in vollkommener Stille zu bestaunen. Auf dem Rückweg gab es dann wieder einige Infos zur umgebenden Natur.

Als Kontrast zu den Bergen entschieden wir uns am Samstag auf die einigermaßen nahegelegene Insel Cayo Jutías zu fahren, die durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist. In den Reiseführern wurde diese Insel bzw. der dortige Strand als besonders schön und wenig frequentiert beschrieben, da die Insel abseits der üblichen Pfade und ohne feste Anbindung nicht ohne Weiteres besucht werden kann. Als wir die ca. 65km nach ca. 2,5 Stunden endlich gemeistert hatten (Ja, die Straße verwandelte sich nach ca. der Hälfte der Strecke wirklich in eine Schotterpiste mit teilweise Badewannen-großen Schlaglöchern und wir hätten uns mit dem Suzuki Jimny deutlich wohler gefühlt), waren wir allerdings etwas enttäuscht. Denn von der vielfach angepriesenen Abgeschiedenheit war nicht mehr viel übrig. Auf Cayo Jutías gibt es mittlerweile drei Restaurants, zwei Bars und Sonnenschirme zum Mieten. Einen Parkplatzeinweiser gab es auch und zu guter Letzt kostete es auch noch 3 CUC Eintritt pro Person. Hier haben wir wieder mal gelernt, dass Vieles auf Kuba gerade einem extremen Wandel unterliegt. Denn selbst die Informationen aus den Reiseführern aus 2016 sind häufig nicht mehr aktuell. Nun ja, das Meer war natürlich trotzdem ganz nett und vor allem die Fahrt wird uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben; zum einen wegen Anzahl und Größe der Schlaglöcher (Klaus meinte, er werde sich in Deutschland sicherlich nie wieder über den Zustand von Straßen beschweren) und allem anderen, was einem so auf kubanischen Straßen begegnet (Ochsen, Hunde, Hühner, Ziegen, …) und zum anderen wegen der tollen Aussichten und Eindrücke aus einer Gegend, in die wir sonst sicherlich nicht gefahren wären.

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Havanna

10. – 13. April 2017

Nach 3,5 Stunden Flug ab Toronto war am Montagmorgen dann auch die letzte kleine Distanz überwunden und wir kamen etwas müde aber voller Vorfreude in Kuba an. Für die ersten dreieinhalb Tage lautete das Ziel Havanna. Die Unterkunft im Stadtteil Havanna Vieja (“Altes Havanna”) hatten wir vorab gebucht, um den Start unserer Rundreise möglichst angenehm zu gestalten. Einreise, Geldtauschen, Taxifahrt vom Flughafen in die Stadt (einen Bus für diese Strecke gibt es nicht) und auch die restlichen mit der Ankunft verbundenen Dinge verliefen problemlos, sodass wir uns nach einer kurzen Pause im Hotel aufmachten, um in einem ersten Anlauf die Stadt zu erkunden.

Man benötigt nicht viel Zeit in Havanna, um festzustellen, dass sich momentan alles im Wandel befindet. Überall wird restauriert und saniert, an jeder Ecke entstehen neue Läden und Restaurants, die recht offensichtlich einem westlichen Vorbild entsprechen und neben den durchaus farbenfrohen (aber häufig in einem eher schlechten Zustand befindlichen) Oldtimern und Ladas fahren jede Menge neuere Autos durch die Straßen (wir haben sogar ein Audi-Taxi in sehr gutem Zustand gesehen). Überhaupt scheint in Havanna alles und jeder ständig in Bewegung zu sein, was nicht heißen soll, dass alle Dinge hier besonders schnell oder reibungslos laufen würden. Es kann durchaus vorkommen, dass man in einem Restaurant eine halbe Stunde warten muss, bis man überhaupt eine Karte bekommt. Und auch Auskünfte über mögliche Ausflugsziele (wenn sie nicht den super-touristischen entsprechen) sind nur schwer bis gar nicht zu bekommen. Selbstverständlich ist diese “Go-Slow”-Mentalität Teil der Kultur und damit Teil der Reiseerfahrung. Meiner bisherigen Erfahrung nach geht diese jedoch häufig einher mit einer immensen Freundlichkeit und einer noch größeren Hilfsbereitschaft der Menschen. In Havanna hat mir dieser Teil ein wenig gefehlt, zumal man sagen muss, dass Havanna preislich absolut mit einer westlichen Metropole mithalten kann. Die allermeisten Menschen scheinen momentan so viel mit der Veränderung beschäftigt zu sein und darin noch ihren Platz (um nicht zu sagen ihren Vorteil) zu suchen, dass für Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft nur bedingt Platz bleibt. Vielleicht haben wir aber auch nur die falschen Leute getroffen oder es liegt am Großstadt-Flair insgesamt… Wir werden sehen, was die weitere Reise bringt, die uns ja erstmal in ländlichere Gebiete führen wird.

Nichtsdestotrotz haben wir die Zeit in Havanna natürlich genutzt, um die Stadt zu erkunden. Wir haben die Stadtviertel Havanna Vieja, Havanna Centro, Vedado und die Vororte Playa, Parque Lenin und Marianao zu Fuß und mit dem Bus besucht; wir sind sogar mit einem lokalen Metro-Bus auf “die andere Seite” der Stadt gefahren, das heißt in einem Tunnel unter der Meeresbucht hindurch zum Parque Histórico Militar Morro-Cabaña (u.a. steht dort das zwischen 1589 und 1630 erbaute Fort, das den Hafen von Havanna vor Piraten und anderen Angreifern schützen sollte). Von dort aus hat man einen tollen Blick auf die “Skyline” von Havanna. Selbstverständlich haben wir auch die geschichtlich aufgeladenen Orte der Stadt wie den Plaza de la Revolución, das Hotel Inglaterra, den Friedhof “Necrópolis Cristóbal Colón” den Parque Central, das Hotel Nacional, die amerikanische Botschaft, den Malecón, und und und nicht ausgelassen. Aber verschafft euch am besten selbst einen Eindruck auf den folgenden Fotos.

Ich freue mich schon, dass es uns als nächstes in ländlichere Gebiete führt. Mal sehen, wie gut das mit dem Mietwagen klappt. 🙂

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Vamos a Cuba!

Lang hab ich davon geträumt, jetzt wird es endlich wahr: in den kommenden vier Wochen werde ich zusammen mit meinem Freund durch Kuba reisen. :-)

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Zurück in Deutschland

Jetzt bin ich seit gut einer Woche wieder in Deutschland und noch immer bin ich zwischendurch damit beschäftigt, mich an die Dinge zu gewöhnen, die ein häusliches Leben hier so mit sich bringt: an einen Hausschlüssel denken, Auto fahren, einen Schrank voller Kleidung (und einen weiteren Schrank voller Schuhe…), Wäsche waschen (im Gegensatz zu waschen lassen…) und so weiter… 😉 Aber das wird schon.

Tatsächlich war ich letzten Mittwochmorgen um 8 Uhr direkt auf dem Arbeitsamt und habe mich anschließend gleich um diverse andere Formalia gekümmert, die nach meiner Rückkehr anstanden (der Stapel an Briefen auf meinem Schreibtisch war beachtlich…). Und auch sonst haben es mir Freunde und Familie leicht gemacht, zurück in den Alltag zu finden, denn es standen gleich jede Menge Treffen, Termine und Feste an, sodass ich in den vergangenen sieben Tagen schon mehr bekannte Gesichter gesehen habe, als ich mir das hätte erhoffen können.

Nun gut, seit Montag beschäftige ich mich nun “offiziell” mit der Stellensuche. Die erste Bewerbung ist schon raus und ich hoffe bis Ende nächster Woche werden es noch mindestens zwei weitere. Ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten, sobald sich was ergibt.

Da viele Leute, die ich während meiner Reise getroffen habe, gefragt haben wie es dort, wo ich herkomme, so aussieht, hab ich in den letzten Tage einige Fotos gemacht und möchte euch diese nun nicht vorenthalten. *tadaa* Heidelberg und Umgebung oder auch ein kleiner Teil der Rheinebene…

 

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