Santa Clara

1. Mai 2017

Nach einem halbtägigen Zwischenstopp in Santiago de Cuba und einer weiteren Viazul-Nachtbus-Fahrt kamen wir rechtzeitig zum 1. Mai in Santa Clara an, der Stadt Kubas die untrennbar mit dem Namen Ché Guevara verbunden ist. Insgesamt zählt die Stadt knapp 240.000 Einwohner und wirkt recht modern und fortschrittlich und gleichzeitig dennoch irgendwie beschaulich. Wenn es Touristen (sowohl kubanisch als auch international) hierher verschlägt, dann wohl wegen des Staatshelden Ché Guevara. Für ihn wurden in der Stadt mehrere Denkmäler und Museen errichtet. Unter anderem kann der Platz besichtigt werden, an dem Ché Guevara und 18 weitere Guerilleros im Dezember 1958 mit einem gekaperten Bulldozer und selbst gebauten Molotow-Cocktails einen gepanzerten Zug (mit 350 schwer bewaffneten Regierungssoldaten) zum Entgleisen brachten und damit das Ende der Batista-Diktatur sowie die darauf folgende 50-jährige Regierungszeit seines Freundes Fidel Castro einleiteten. 1987 wurde anlässlich des 20. Todestages von Guevara zudem am westlichen Ende der Stadt ein riesiger Komplex aus Denkmal, Mausoleum und Museum errichtet. Angeblich befinden sich die sterblichen Überreste von Guevara und 16 seiner in der gescheiterten bolivianischen Revolution gefallenen Kameraden seit 1997 tatsächlich in dem erbauten Mausoleum.

Obwohl es für die Reise nach Kuba keine festgelegte Route gab, so stand doch von Anfang an fest, dass ich unbedingt nach Santa Clara möchte. Vielfach wurde ich gefragt: “Ach, was willst du denn da?” Und als wir dort ankamen, war plötzlich total klar, weshalb ich unbedingt in diese Stadt wollte. Denn tatsächlich dauerte es nur wenige Minuten bis ich mich in die Stadt verliebte. Obwohl wegen des Feiertags die ganze Stadt auf den Beinen war (es gab eine große Parade, die wir leider knapp verpassten bzw. deren Ausklang wir mitbekamen), war – ähnlich wie in Baracoa – alles recht unaufgeregt. Die Leute waren ziemlich entspannt und sehr aufgeschlossen. Es gab jede Menge kleine Cafés und Bars und die allermeisten Sehenswürdigkeiten kosteten keinen Eintritt; einige waren jedoch wegen des Feiertags geschlossen. Und auch, wenn das bedeutete, dass wir das Mausoleum leider nicht besuchen konnten, so war mir das doch irgendwie sympathisch. Feiertag ist nunmal Feiertag und auch für Touristen muss es nicht immer eine Extrawurst geben.

Durch die Stadt ließen wir uns zum Teil von einer Pferdekutsche chauffieren, von der aus man sich bei 36 Grad Celsius sehr bequem einen ersten Überblick verschaffen konnte. In anderen Stadtteilen spazierten wir herum. Und schließlich fanden wir das sehr gemütliche kleine Café Museo (natürlich mit Exponaten zur Revolution, zentriert um Ché Guevara), in dem wir einen extrem leckeren Milchshake bzw. ein sehr gutes Eis aßen und uns gut mit der neugierigen und gleichzeitig auskunftsfreudigen Bedienung unterhielten. Wirklich schade, dass wir nur einen Tag in der Stadt hatten (die Weiterreise war leider schon organisiert). Sollte es mich nochmal nach Kuba verschlagen, würde ich etwas mehr Zeit für Santa Clara einplanen.

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