Viñales

13. – 16. April 2017

Nachdem wir unseren Mietwagen (nicht wie eigentlich gebucht einen Suzuki Jimny, sondern einen niegelnagelneuen weißen Peugeot 2008 mit gerade mal 2000km…) in Empfang genommen hatten, machten wir uns auf den Weg in die Provinz Pinar del Río. Unsere nächste Etappe führte uns nämlich nach Viñales, einer 1875 gegründeten ländlichen Kleinstadt, die im Valle de Viñales liegt, welches eine Weltnaturerbestätte der UNESCO ist und als eine der schönsten Kulturlandschaften Kubas gilt. Da Trampen (also per Anhalter fahren) in Kuba auf dem Land wegen der schlechten Bus-Verbindungen für die lokale Bevölkerung sehr üblich ist (staatlich Angestellte sind sogar verpflichtet Passanten mitzunehmen) überzeugte ich Klaus auf dem Weg von Havanna nach Viñales einige Frauen, die am Straßenrand eine Mitfahrgelegenheit suchten, mitzunehmen. Dabei lernten wir interessante Menschen kennen (zwei davon (Mutter & Tochter) werden wir vielleicht später auf der Reise noch besuchen) und haben zumindest gefühlt noch was Gutes mit unserem Mietwagen getan.

In Viñales übernachteten wir in einer Casa Particular, dem kubanischen Pendant zu westlichen Bed & Breakfast-Unterkünften. Für 25 CUC (entspricht exakt US $25) bekamen wir hier ein rustikales Zimmer für zwei Personen mit eigenem Bad, Ventilator und Handtüchern. Bei Bedarf gab’s für weitere 5 CUC pro Person und Tag ein üppiges Frühstück von der Hausherrin zur Wunschzeit zubereitet.

Nach Viñales hatte es uns im Wesentlichen wegen des Parque Nacional Viñales gezogen. Dieser Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von 150km^2 und besteht im Wesentlichen aus landwirtschaftlich genutzten Flächen und den sehr beeindruckenden mogotes, das heißt Karststeinmonolithen. Der landwirtschaftliche Schwerpunkt der Region liegt auf Kaffee, Tabak, Zuckerrohr, Avocados, Mangos und Bananen, wobei auch vieles andere angebaut wird (u.a. Süßkartoffeln). Viñales selbst ist umringt von zerklüfteten Karstbergen und gilt daher als optimaler Ausgangspunkt für Erkundungstouren in den umgebenden Nationalpark. Wir haben in diesem Zusammenhang zwei geführte Touren mit unserem Guide Rainer (ja, ein deutscher Name, denn es handelte sich um einen waschechten Kubaner, dessen Großvater Deutscher war) unternommen. Eine ca. viereinhalbstündige Tour am Nachmittag, auf der wir unfassbar viel über die lokale Landwirtschaft gelernt haben, endete mit dem gemeinsamen Bestaunen eines tollen Sonnenuntergangs. Während dieser Tour habe ich beispielsweise gelernt, dass es ca. zehn verschiedene Arten von Avocados gibt und die Größe der Früchte mit der Größe der Blätter zusammenhängt. Ich habe außerdem zum ersten Mal gesehen, wie Cashewnüsse wachsen und wir haben einen ersten Einblick in die Tabakproduktion erhalten. Die zweite Tour begann am nächsten Morgen schon um 6 Uhr (da war es noch sehr dunkel!) und führte uns in das so genannte Valle del Silencio. Hauptziel der Wanderung war es, den Sonnenaufgang von einem kleinen Bauernhaus in den Bergen aus in vollkommener Stille zu bestaunen. Auf dem Rückweg gab es dann wieder einige Infos zur umgebenden Natur.

Als Kontrast zu den Bergen entschieden wir uns am Samstag auf die einigermaßen nahegelegene Insel Cayo Jutías zu fahren, die durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist. In den Reiseführern wurde diese Insel bzw. der dortige Strand als besonders schön und wenig frequentiert beschrieben, da die Insel abseits der üblichen Pfade und ohne feste Anbindung nicht ohne Weiteres besucht werden kann. Als wir die ca. 65km nach ca. 2,5 Stunden endlich gemeistert hatten (Ja, die Straße verwandelte sich nach ca. der Hälfte der Strecke wirklich in eine Schotterpiste mit teilweise Badewannen-großen Schlaglöchern und wir hätten uns mit dem Suzuki Jimny deutlich wohler gefühlt), waren wir allerdings etwas enttäuscht. Denn von der vielfach angepriesenen Abgeschiedenheit war nicht mehr viel übrig. Auf Cayo Jutías gibt es mittlerweile drei Restaurants, zwei Bars und Sonnenschirme zum Mieten. Einen Parkplatzeinweiser gab es auch und zu guter Letzt kostete es auch noch 3 CUC Eintritt pro Person. Hier haben wir wieder mal gelernt, dass Vieles auf Kuba gerade einem extremen Wandel unterliegt. Denn selbst die Informationen aus den Reiseführern aus 2016 sind häufig nicht mehr aktuell. Nun ja, das Meer war natürlich trotzdem ganz nett und vor allem die Fahrt wird uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben; zum einen wegen Anzahl und Größe der Schlaglöcher (Klaus meinte, er werde sich in Deutschland sicherlich nie wieder über den Zustand von Straßen beschweren) und allem anderen, was einem so auf kubanischen Straßen begegnet (Ochsen, Hunde, Hühner, Ziegen, …) und zum anderen wegen der tollen Aussichten und Eindrücke aus einer Gegend, in die wir sonst sicherlich nicht gefahren wären.

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