Soroa & San Cristóbal

18. – 20. April 2017

Von der Península de Guanahacabibes ging es landeinwärts nach Soroa. Auf dem Weg dorthin legten wir noch einen Zwischenstopp an der Tabakplantage Alejandro Robaina ein, wo wir einiges über die professionelle Tabakkultivierung lernten. Die Plantage (es ist durchaus eine große, aber eben auch nur eine von vielen) erntet jährlich Tabak für ca. 5.000.000 hochwertige Zigarren. Zum Vergleich: die Jahresproduktion von Zigarren liegt für Kuba bei angeblich ca. 100.000.000 Stück, wobei der Herstellungsprozess jeder Zigarrensorte identisch ist; lediglich die Zusammenstellung der verwendeten Blätter und natürlich die Regionen aus denen sie stammen, variieren.

Sobald die Tabakblätter reif sind (eine Pflanze trägt ca. 25-30 Blätter, unterteilt in fünf verschiedene Qualitäten) werden sie geerntet und in einem speziellen Prozess getrocknet. Die qualitativ hochwertigsten und aromatischsten Blätter sind die obersten (u.a. weil die am meisten Sonne bekommen); nach unten hin nehmen Aroma, Qualität und Nikotingehalt ab. Die meisten Zigarren bestehen aus einer Mischung aus oberen und mittleren Blättern, wobei manche Plantagen zusätzlich spezielle Pflanzen für die Deckblätter der Zigarren kultivieren. Diese Pflanzen werden in einer Art Gewächshaus gezogen, damit die Blätter letztlich makellos aussehen, das heißt loch- und rissfrei sind. Die untersten Blätter werden nicht im Zusammenhang mit Zigarren eingesetzt, sondern für die Produktion von Zigarillos und Zigaretten verwendet. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Blattstränge ebenfalls nicht in der Tabakwarenproduktion verwendet werden; sie enthalten wohl das meiste Nikotin und werden an die Pharmaindustrie verkauft.

Die eigentliche Zigarrenproduktion findet übrigens nicht mehr auf den Plantagen statt. Dort werden die Blätter “nur” geerntet, sortiert und getrocknet. Die restlichen Prozesse (Fermentierung, Zusammenstellung und das eigentliche Rollen der Zigarre, etc.) werden in regierungseigenen Fabriken durchgeführt. Denn jede Plantage muss 90% der Ernte an den Staat verkaufen; lediglich 10% der Ernte darf im Besitz des Plantagenbesitzers zum eigenen Konsum sowie für Freunde und Bekannte verbleiben.

In Soroa übernachteten wir zweimal in Casas Particulares, wobei uns insbesondere die zweite Casa sehr gefallen hat. Für die Übernachtung bezahlten wir dort nur 20 CUC und bekamen das bis dato sauberste und geräumigste Zimmer. In die kleine Siedlung knapp 100km südwestlich von Havanna hatte es uns insbesondere wegen der interessanten Pflanzenwelt verschlangen. Durch die relativ hohe Niederschlagsmenge von 1300 mm pro Jahr ist hier insbesondere die Orchideen-Vielfalt beeindruckend. Wir haben aber auch jede Menge andere, uns aus deutschen Haushalten bekannte Pflanzen entdeckt, die hier zuhauf in den Gärten oder auch im Wald wachsen. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass diese Pflanzen (Beispiele: Gummibaum, Fikus, Sansevieria, Bromelien, Croton) hier häufig ein bis zwei Nummern größer sind als bei uns. 🙂

Unsere Aktivitäten in Soroa haben sich im Wesentlichen um die Erkundung der lokalen Pflanzenwelt gedreht. Bevor wir jedoch weiterreisten, haben wir noch die Einladung einer sehr netten kubanischen Familie angenommen. Wir besuchten nämlich Nieves und Naila in San Cristóbal. Die beiden (Mutter und Tochter) hatten wir auf der Fahrt von Havanna nach Viñales ein gutes Stück mitgenommen. Während der Fahrt entspannte sich ein sehr nettes Gespräch, welches letztlich zur Einladung nach San Cristóbal führte. Dort lernten wir dann am Donnerstag auch Natalie und Leo (kleine Schwester sowie Freund von Naila) und den Haushund Nina kennen. Zudem durften wir uns einen Eindruck verschaffen, wie das Zuhause der Familie aussieht. Für uns wurde ein wirklich großzügiges, leckeres, typisch kubanisches Essen zubereitet und wir bekamen wir eine Ananas, eine Zigarre und kubanisches Brot (Weißbrot) geschenkt. Es war ein wirklich schöner Nachmittag, an den wir uns noch lange erinnern werden.

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One thought on “Soroa & San Cristóbal

  1. Ulrike sagt:

    Durch euere interessanten Berichte wächst schon wieder unsere Reiselust. Welche Überraschungen kleine Krebse und Tramper bereiten, ist schon toll. Freuen uns auf weitere grandiose Bilder und spannende Reiseberichte.
    Gerhard und Uli

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