Península de Guanahacabibes

16. – 18. April 2017

Entgegen meiner Erwartungen hat sich herausgestellt, dass zu Ostern in Kuba keine besonderen Feierlichkeiten stattfinden. Karfreitag und/oder Ostermontag sind nicht einmal Feiertage. Außer einem für meine Begriffe recht normalen Gottesdienst am Ostersonntag und einem generell erhöhten touristischen Aufkommen haben wir daher von Ostern leider nicht besonders viel mitbekommen. Das Positive daran ist, dass wir in Bezug auf unsere Reise auch keine Rücksicht auf bestimmte Traditionen, eingeschränkte Öffnungszeiten und/oder Zugangsmöglichkeiten nehmen mussten.

Am späten Vormittag des Ostersonntag machten wir uns daher mit unserem Mietwagen auf in Richtung der Westspitze Kubas, zur Península de Guanahacabibes. Der dort befindliche Nationalpark gilt als ziemlich abgeschieden und lockt zum einen passierte Taucher an wegen der 32 geschützten, küstennahen Riffe und der größten Formation schwarzer Korallen in ganz Kuba. Zum anderen verschlägt es Naturliebhaber dorthin wegen des großen Parque National Península de Guanahacabibes, in dem sich gemeinsam mit speziell ausgebildeten Führern besonders gut die lokale Flora und Fauna bestaunen lässt.

Nach unserer Ankunft verbrachten wir zunächst den restlichen Nachmittag und einen weiteren Tag in María la Gorda, dem südlichsten Zipfel des kubanischen Festlandes und genossen dort Strand, Meer und Sonne. Im Grunde hätten wir wohl die gesamte Zeit problemlos am Strand unter einer Palme liegen können, denn die leichte Meeres-Brise ließ die 35 Grad Celsius ziemlich angenehm erscheinen. Montags hatten wir dennoch Schnorchel-Equipment geliehen und erkundeten vormittags die seichte Meeres-Küste auf eigene Faust. Nachmittags konnten wir dann auf einem Taucherboot mit aufs Meer rausfahren und dort unser Schnorchelglück versuchen. Leider bot der für die Taucher tolle Platz nicht so viel Sehenswertes für die Schnorchler wie die Küste. Es war dennoch ein schöner Tag und ein guter Auftakt für die hoffentlich noch folgenden Schnorchelausflüge. Dass die Regenzeit allmählich naht, zeigte sich am frühen Abend übrigens durch einen zwar kurzen, aber durchaus ergiebigen Regenschauer. Zu diesem Zeitpunkt war uns natürlich noch nicht klar, welches einmalige Naturschauspiel wir dadurch am nächsten Tag erleben würden.

Am Dienstagmorgen stand dann unsere lang ersehnte Tour im Nationalpark auf dem Plan. Geplant war ein fünfstündiger Ausflug mit einem Guide zur westlichsten Spitze Kubas, nach Cabo de San Antonio und nach Las Tumbas. Es sollte jedoch anders kommen. Denn durch den Regen am Vorabend und in der Nacht war die Zufahrtsstraße zum westlichsten Teil der Insel nicht passierbar; jedoch nicht wegen unter Wasser stehender Straßen, sondern weil die einmal pro Jahr stattfindende Wanderung der cangrejos colorados eingesetzt hatte. Diese rot-gelben Krebse wandern zum Beginn der Regenzeit vom Meer in den angrenzenden (aber durch eine Straße abgetrennten) Wald, um dort ihre Eier abzulegen, wobei der Waldboden zu einem Großteil aus Kalksteinkarst besteht und somit optimale Schlupflöcher für die Krebse bietet. Und so kam es, dass wir die Straße vor lauter Krebsen nicht mehr sahen als wir uns am Dienstagmorgen dem Besucherzentrum des Nationalparks näherten. Tausende und abertausende rot-gelbe und teilweise rot-weiße Krebse waren dabei sich ihren Weg in den Wald zu bahnen und machten vor keinem Hindernis Halt. Die geplante Tour konnte daher nicht stattfinden (beim Passieren der Straße wären zu viele Krebse getötet worden).

Anstelle dessen wurden wir umfangreich über die Krebse informiert und bekamen eine Alternativtour angeboten. Diese führte uns zur Cueva las Perlas (“Perlenhöhle”), welche von zahlreichen, interessant geformten Galerien durchzogen ist und einen ca. 300m langen See beherbergt. In der Höhle begegneten wir zudem Fledermäusen, einer Schleiereule, einer Jutía (Baumratte) und natürlich einigen Krebsen. Außerdem zeigte unser Führer uns einige schöne Licht- und Klangeffekte, die die Höhle zu bieten hat. Aber auch der Weg zur Höhle und zurück zum Besucherzentrum war gespickt mit vielen neuen Eindrücken und zahlreichen interessanten Informationen: speziell die Vogel- und Pflanzenwelt Kubas scheint unerschöpflich. Wandertechnisch war die Tour durchaus etwas anstrengend, obwohl keine extremen Steigungen zu überwinden waren. Da der Boden jedoch weitgehend aus versteinerten Korallen besteht auf dem sich zusätzlich noch jede Menge Krebse bewegten, hatten wir häufig den Eindruck als bewegten wir uns auf einer Kraterlandschaft, in der man keinen falschen Tritt machen darf.

Zurück am Besucherzentrum stellten wir fest, dass die Krebse wirklich vor nichts Halt machten. Während unserer Abwesenheit hatten sie nämlich beschlossen, dass unser Auto mehrere vermeintlich perfekte Unterschlüpfe bietet: Krebse in den Felgen, Krebse in den Stoßdämpfern, Krebse im Motorraum, …

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