Ottawa

Unser nächstes Ziel lautete Ottawa, die Hauptstadt Kanadas. Denn neben den üblichen Attraktionen, die eine Hauptstadt so zu bieten hat, fanden dort am 1. Juli auch gigantische Feierlichkeiten anlässlich des Canada-Day, das heißt des Nationalfeiertags Kanadas, statt.

Wir machten uns am Montagmorgen also ganz früh auf den Weg von Kingston nach Ottawa und kamen dank der günstigen Verkehrslage bereits um 11.30 Uhr an unserem Ziel an. Eine Besonderheit von Ottawa ist unter anderem, dass die Stadt durch den Ottawa Fluss getrennt ist. Dies hat zur Folge, dass ein Teil Ottawas in der Provinz Ontario und ein anderer Teil in der Provinz Quebec liegt, was wiederum zur Folge hat, dass in einem Teil der Stadt Englisch und im anderen Teil Französisch gesprochen wird. 😀

Bevor wir das Deutschland-Spiel gegen Algerien um 16 Uhr zusammen mit ganz vielen anderen Deutschland-Fans in einer Sports-Bar schauten, erkundeten wir zunächst ein bißchen die Stadt zu Fuß und ich bekam allmählich einen Eindruck, wie groß die Feierlichkeiten anlässlich des Nationalfeiertags am Dienstag ausfallen würden. Wir besuchten verschiedene Parlamentsgebäude, schlenderten durch einige Parks sowie die Fußgängerzone und endeten schließlich im sogenannten Market, einem Stadtteil nahe des Ottawa Flusses, der viele Bars, Restaurants und kleine Geschäfte beherrbergt. Nachdem ich ja zunächst ein bißchen besorgt war, dass es in Kanada vielleicht schwierig sein würde, die Fußball-WM zu verfolgen (Kanada ist schließlich nicht gerade bekannt als Fußballnation), so hatte sich diese Sorge sehr schnell zerschlagen und es war auch in Ottawa überhaupt kein Problem, eine nette Lokation für das Deutschland-Spiel zu finden! Man sieht wirklich überall Werbung für die Übertragung der Spiele sowie alle erdenklichen Fahnen, was wahrscheinlich daran liegt, dass Kanada eine echte multikulturelle Nation ist mit Staatsbürgern, deren Vorfahren von so ziemlich überall auf der Welt stammen. Das bringt eine – wie ich finde – wirklich einladende und besonders freundliche Atmosphäre mit sich und es hat bisher jedesmal extrem viel Spaß gemacht, hier ein Fußballspiel zu schauen! Nun gut, viel mehr muss zu diesem Spiel dann auch nicht gesagt werden. Denn: wir haben gewonnen; wenn auch ein bißchen mühsam. Am Ende ist es aber genau das, was zählt.

Nach dem Spiel haben wir dann unsere Erkundungtour durch die Stadt fortgesetzt und versucht uns für den kommenden Tag zu orientieren. Es gab verschiedene Musik-/Theaterbühnen über die ganzen Stadt verteilt, wobei die größte Bühne direkt vor dem zentralen Parlamentsgebäude aufgebaut war. In den Straßen gab es außerdem zahlreiche Straßenkünstler und vielfältige Aktionsstände, wobei so ziemlich alle Angebote kostenlos waren! Und als wir uns gerade auf den Rückweg zu unserer Unterkunft im französisch-sprachigen Teil der Stadt machen wollten, stellten wir fest, dass auf der Hauptbühne das komplette Programm für den nächsten Tag geprobt wurde und so beschlossen wir – zusammen mit nur etwa 100 anderen Leuten – dieses Exklusiv-Erlebnis mitzunehmen. Dadurch erlebten wir kanadische Künstler wie Nadja, Serena Ryder und Marianas Trench hautnah und sahen zudem wie manche Organisatoren wild durch die Gegend rannten, wenn etwas nicht nach ihren Vorstellungen lief… 😀

Am nächsten Tag erfassten wir dann das ganze Ausmaß der Feierlichkeiten! Die ganze Stadt war (in den kanadischen Farben rot-weiß) auf den Beinen! Überall sah man Ahornblätter(-zeichen) sowie kanadische Fahnen; in den Straßen wurde kleine Papierfähnchen verteilt und man bekam kostenlose Ahornblätter oder einen Kanada-Schriftzug auf den Arm gestempelt/gemalt. Für mich als Deutsche war es wirklich interessant und beeindruckend zugleich, zu sehen, wie Menschen mit so vielfältigen Hintergründen sich gemeinsam feiern. Und das war es im Grunde: die Multikultination Kanada hat sich ganz friedlich, mit viel Spaß und Nationalstolz, aber ganz ohne übertriebenen Patriotismus selbst gefeiert… Kennt man aus Deutschland so natürlich nicht… da gibt’s ja schon große Debatten, wenn man ein Deutschland-Fähnchen während der Fußball-WM aufhängt… Wahrscheinlich war ich auch deshalb so fasziniert von der Szenerie, die sich mir den da ganzen Tag über geboten hat!
Natürlich war der Kanada-Tag aber auch abgesehen davon ein echtes Erlebnis: denn die verschiedenen Bühnen und Programmpunkte in der ganzen Stadt sowie das gigantische Feuerwerk am Ende waren ziemlich cool!

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