Leon & Matagalpa

Hm… die Zeit vergeht so schnell und da ich meinen Reisetakt seit Granada wieder deutlich erhöht habe, hinke ich mit dem Blog leider etwas hinterher. Daher werden wohl Leon und Matagalpa nicht ganz die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdient haben.

Leon
Nachdem mir Granada gut gefallen hatte, wollte ich auf jeden Fall auch in Leon, der zweiten großen Kolonialstadt Nicaraguas, vorbeischauen. Laut zahlreicher Literatur war Granada damals wohl das wirtschaftliche Zentrum und die Einwohner waren eher konservativ, während Leon das Handwerks- und Künstlerzentrum war und dadurch deutlich liberaler. Und wenn man der Familie, bei der ich während der Hilfsprojektzeit gewohnt hatte und einigen anderen Einheimischen glauben schenken mag, so ist das heute wohl noch immer ein bißchen so.  In jedem Fall gibt es auch heute noch eine wohl gehegte Rivalität zwischen den beiden Städten, die nicht zu leugnen ist. 😉

Obwohl Granada durchaus etwas “übersichtlicher” auf einen wirkt (wie Steffi in ihrem Kommentar schon geschrieben hat) – mir kam es touristisch irgendwie erschlossener vor – so hab ich mich in Leon doch noch ein Stück wohler gefühlt (und dass, obwohl mir Granada ja auch schon gefallen hatte!) und war daher ziemlich traurig, dass ich nur zwei Tage bleiben konnte. Die Märkte, die Kirche, die Cafés, Bars & Restaurants sowie die zahlreichen Plätze haben auf mich einfach noch ein bißchen einladender gewirkt und auch die Menschen schienen mir noch offener. In jedem Fall möchte ich an dieser Stelle allen, die auch mal in die Stadt kommen, das Hostel Lazybones empfehlen! Geräumige Schlafsäle, super nettes und hilfsbereites Personal und ein Pool im Hinterhof! Und das alles für nur $8 pro Nacht! 😀 Abgesehen von all dem hab ich in Leon aber während eines kleinen Kochkurses auch eine sehr nette kanadische Familie kennengelernt (Vater, Mutter, 2 Söhne, Oma), die für etwa ein halbes Jahr ein Haus in Las Penitas (eine kleine Stadt an der Pazifikküste unweit von Leon) gemietet hat und das Wochenende in Leon verbrachte. Und weil wir uns auf Anhieb gut verstanden, haben sie mich dann auch prompt für ein paar Tage zu sich eingeladen. Ich hätte das Angebot wirklich gerne angenommen. Allerdings verfliegt die Zeit hier so schnell und ganz weit oben auf meiner Nicaragua-Liste stand auch noch, ein paar Tage bei einer indigenen Familie in den Bergen von Matagalpa zu verbringen. Daher hab ich mich schweren Herzens entschieden, das Angebot abzulehnen und bin am Montagnachmittag weiter nach Norden gereist.

Matagalpa
Von Leon aus ging’s am Montagnachmittag also weiter nach Matagalpa, von wo aus ich am nächsten Tag meinen Aufenthalt bei einer indigenen Familie in den Bergen organisieren wollte. Im Hotel traf ich abends jedoch zufällig drei nicaraguanische Agrarwissenschaftler, die am nächsten Morgen sowieso nach San Ramon fuhren; genau in das Dorf, in das ich auch musste, da dort die UCA (Union of Agricultural Cooperatives) ein kleines Büro hat, von dem aus sie touristische Aufenthalte bei Familien in den Bergen vermittelt. So fuhr ich also am nächsten Morgen ziemlich früh, aber auch ziemlich bequem mit den drei Nicaraguanern im Auto nach San Ramon und hatte dort bereits um 8.45 Uhr alles für meinen Aufenthalt organisiert. Und damit konnte es dann auch schon losgehen. Ich wurde von einem Taxi in die kleine Gemeinde La Reina in den Bergen gebracht, wo mich “meine Familie” bereits erwartete. Die zwei Tage und zwei Nächte, die ich gebucht hatte, sahen im Wesentlichen so aus, dass ich die beiden Vormittage mit einem Führer verbrachte und nachmittags dann die Mutter der Familie bei den täglichen Arbeiten begleitete; sie mir insbesondere zeigte, wie man nicaraguanisch kocht. Schlafen durfte ich die beiden Nächte in einer kleinen separaten Hütte mit eigenem Bad, gleich nebem dem “Haupthaus”. Und obwohl es insgesamt ziemlich einfach war, gab es sogar eine richtige Toilette.

Der Führer zeigte mir am ersten Tag die Kaffeeplantagen, von denen die Gemeinde im Wesentlichen lebt und erzählte mir viel über den Anbauprozess und die Entstehungsgeschichte der Gemeinde. Am zweiten Tag machten wir dann eine größere Wanderung durch kleine Reis- und Bohnen-Anbaugebiete sowie durch den angrenzenden Wald hin zu verschiedenen Aussichtspunkten und abschließend besuchten wir noch eine stillgelegte (mittlerweile wassergefüllte) Goldmine, von der die Gemeinde bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts gut lebte – daher stammt übrigens auch der Name La Reina – die Königin. Und jeweils nachmittags begleitete ich dann die Mutter der Familie bei ihren Arbeiten: Grundstück fegen, Hühner füttern, Wäsche waschen, reifes Obst abernten, kochen, etc. Das Tortilla-Machen klappt mittlerweile schon ganz gut! Gebacken haben wir die übrigens direkt auf der Herdplatte… 😀
Der Aufenthalt war wirklich sehr interessant und es hat mir gut gefallen, einen Einblick in das tägliche Leben einer Familie auf dem Land zu bekommen. Ich kann das also nur jedem empfehlen. Man muss allerdings bereit sein, sich auf die Einfachheit der Unterkunft einzulassen und (zumindest ein bißchen) Spanisch ist zwingend erforderlich!

Tagged

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


sieben − = 2

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>