Monthly Archives: April 2014

Lago de Atítlan

Nachtrag zur EarthLodge:
Nachdem der Vulkan El Fuego ja schon den ganzen Sonntag gegrummelt hatte, ist er doch tatsächlich am Sonntagabend gegen 18.45 Uhr (Ortszeit) noch ausgebrochen! Der Ausbruch war zwar nur klein und ich hab ihn auch nur am Horizont gesehen; beeindruckend war’s dennoch! Denn bei der ersten Eruption hat er tatsächlich ein bißchen Lawa “ausgespuckt”. Die weiteren Male lief die Lawa dann “nur noch” langsam über den Kraterrand. Passiert ist glücklicherweise nichts, da der Vulkan sowie der Vulkanfuss nicht besiedelt sind.

Lago de Atítlan:
Am Dienstagmorgen bin ich dann weitergefahren nach Panajachel am Lago de Atítlan, dem zweitgrößten See in Guatemala. Er hat eine Fläche von etwa 120 km², einen Durchmesser von etwa 19 km und liegt auf etwa 1500 Höhenmeter, wobei er von drei Vulkanen umgeben ist. Und wenn das Wetter gut ist, hat man eine unglaubliche Sicht!

Einen meiner beiden Tage habe ich – zusammen mit einer Familie aus Mexiko und einem Peruaner – für eine Bootsfahrt über den See zu vier verschiedenen kleinen Ortschaften genutzt, in denen hauptsächlich Mayas leben. Die kleinen Dörfer waren wirklich interessant und es war ein schöner Ausflug! Allerdings steht er ein wenig im Schatten des zweiten Tages. Denn am zweiten Tag war ich zusammen mit Mani, einem Österreicher von REALWORLDPARAGLIDING (und vier weiteren Touristen mit je einem professionellen Paraglider) über dem See paragliden. Zunächst sind wir mit einem PickUp auf etwa 2000m gefahren. Anschließend wurde das Equipment ausgepackt und nach einer kurzen Einführung vorbereitet und dann sind wir – ein Team nach dem anderen – zu unseren Tandem-Flügen gestartet. Die Wetterverhältnisse waren wohl beinahe perfekt! Daher konnten wir nach dem Start noch einige hundert Meter an Höhe gewinnen und sogar in die Wolken fliegen! :-) Die Aussicht war einfach super; mal ganz abgesehen vom Gefühl zu fliegen! Nachdem wir die erste halbe Stunde recht gemütlich über den See und Panajachel geflogen waren und Mani mich sogar einige Zeit steuern ließ (natürlich unter Anweisung!), zeigte er mir dann noch einige etwa abenteuerlichere Mannöver und wir flogen einige Male fast parallel zum Boden sowie einige Zeit in einer Spirale abwärts! Davon gibt es sogar ein Video… Nun aber genug der Worte: ich hab einen Vulkanausbruch erlebt und war paragliden! 😀 Und was habt ihr so gemacht?! 😉

 

 

 

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Hola Guatemala!

Da ich Ostern auf jeden Fall in Guatemala verbringen wollte, hieß es am Montag dann auch schon wieder Adiós Honduras und Hola Guatemala! Von Copán Ruinas ging’s zunächst zur nur etwa 10km entfernten Grenze bei El Florido und von dort aus dann weiter nach Antigua. Obwohl das C4-Abkommen zwischen Nicaragua, Honduras, Guatemala und El Salvador eigentlich besagt, dass man sich mit einem Visa einer der Staaten für die zugesagte Aufenthaltsdauer in allen vier Staaten aufhalten darf (und ich deswegen beispielsweise keinen Ausreisestempel aus Nicaragua und auch keinen Einreisestempel nach Honduras bekommen hatte), bekam ich an der Grenze zu Guatemala überraschenderweise einen Ausreisestempel aus Honduras und einen Einreisestempel nach Guatemala und meine Aufenthaltsdauer wurde so wieder auf 90 Tage “aufgeladen”…

In Antigua selbst hab ich zunächst zwei Tage verbracht und es hat mir sehr gut gefallen. Obwohl die Stadt nur knapp 60.000 Einwohner hat, hat man den Eindruck, es handle sich um eine Großstadt. Beinahe überall, wo man hinschaut, sieht man Cafés, Bars, Restaurants, Geschäfte, Hotels und natürlich alte Kirchen. Es gibt wirklich jede Menge zu sehen und da die Osterprozessionen in Antigua nicht nur aufwändig, sondern auch sehr bekannt sind, pilgert zu Ostern wohl beinahe ganz Guatemala City nach Antigua, so dass die Stadt plötzlich aus allen Nähten zu platzen scheint. Hotels verdoppeln ihre Übernachtungspreise und richten zusätzliche Schlafstätten ein und Anwohner vermieten Schlafplätze in ihren Wohnzimmern oder bieten Zeltplätze im Garten an…

Da mir das ein bißchen zu viel Trubel zu sein schien, hatte ich irgendwann beschlossen, Ostern auf der EarthLodge zu verbringen, einer Lodge und Avocado-Farm in den Bergen auf etwa 2080m, ca. 20 Minuten von Antigua entfernt. Seit Mittwochnachmittag bin ich nun also hier und der Ausblick von hier oben ist einfach traumhaft! Außerdem hat man hier jede Menge Platz, ist in netter Gesellschaft, es gibt eine Maya-Sauna und – je nach Präferenz – kann man sogar in einem Baumhaus übernachten. 😀 Den Tag an sich gestaltet man selbst, zu Abend gegessen wir dann aber immer gemeinsam um 19 Uhr und anschließend finden sich meist verschiedene Gruppen zusammen zum Spielen, Filmschauen oder einfach Quatschen. Die Lodge hat auch ein Maultier, das die ganzen Nahrungsmittel vom nächstgelegenen Dorf zur Lodge transportiert, da der Abstieg zur Lodge so schmal ist, dass kein Auto den Weg passieren kann. Marie war natürlich gleich ganz begeistert und wollte unbedingt ein Erinnerungsfoto haben! Seit heute Morgen rumpelt übrigens einer der beiden Vulkane, auf die man in der Ferne schauen kann, immer mal wieder und man sieht auch kleine Rauchwolken. Hört sich ein bißchen wie ein weit entferntes Gewitter an.

Zusammen mit einem guatemalischen Pärchen sowie drei Engländern bin ich am Karfreitag dann mit dem Shuttle, den die Lodge anbietet, nach Antigua runter gefahren (liegt auf etwa 1600m), um mir eine der zahlreichen Prozessionen anzuschauen. Es ist wirklich beeindruckend, wieviel Aufwand und Mühe in diese Feierlichkeiten gesteckt wird. Familien und Geschäfte stellen auf den Straßen in Handarbeit farbenfrohe Teppiche aus gefärbten Sägespänen und Blüten her und hunderte Menschen ziehen anschließend durch die Straßen, während sie riesengroßen religiöse Statuen und Bildnissen auf ihren Schultern tragen. Begleitet werden sie von zahllosen Weihrauchträgern und Blaskapellen. Und selbstverständlich ist das Tragen einer solchen Statue zwar Schwerstarbeit, aber ebenfalls eine große Ehre. Daher bezahlen die Leute auch gerne den anfallenden Obulus an die Kirche. Laut Einheimischen strömen über die Osterfeiertage etwa 600.000 Touristen nach Antigua. Daher haben die Feierlichkeiten hier auch eine große wirtschaftliche Bedeutung und man fühlt sich teilweise wie auf einem großen Volksfest.

Von der Earth Lodge aus geht’s am Montagnachmittag dann wieder zurück nach Antigua, von wo aus ich am Dienstagmorgen an den Lago de Atítlan reisen werde. Grundsätzlich muss ich sagen, dass das Klima in Guatemala etwas angenehmer ist als beispielsweise in Nicaragua. Da das Land insgesamt etwas höher liegt, ist es etwas kühler und vorallem nachts fallen die Temperaturen doch deutlich ab, so dass man problemlos schlafen und morgens und abends gut (leichte) lange Ärmel gebrauchen kann. :-)

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Copán Ruinas

Am Freitagmorgen ging’s schon ziemlich früh (5:30 Uhr) weiter – diesmal mit einem Shuttle, der mich in etwa 8,5 Stunden von Tegucigalpa über San Pedro Sula nach Copán Ruinas brachte. Dort hatte ich mich für drei Nächte im Hostel Iguana Azul eingemietet, das ich nur jedem empfehlen kann!

Copán Ruinas ist hauptsächlich aufgrund der nahegelegenen Ruinen (einer der bedeutendsten Maya-Städten überhaupt) bekannt und wird in der Literatur oftmals auch als “Paris der Mayas” beschrieben, da in Copán insbesondere die musischen und handwerklichen Künste ausgeprägt waren. Dies spiegelt sich auch in den Ruinen selbst wider, die auch noch gut 1250 Jahre nach der Blütezeit Copáns viele Verzierungen und Einzelstatuen offenbaren. Zusammen mit Alex, einem Deutschen aus der Schweiz und Simon, einem Chilenen, die ich beide im Hostel kennengelernt hatte, besuchte ich am Samstag die Ruinen, die übrigens seit 1980 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören.

Aber auch das kleine Städtchen an sich ist in jedem Fall einen Besuch wert! Es macht eine Menge Spaß, durch die kleinen Straßen zu schlendern, die Leute sind sehr freundlich und es gibt jede Menge Restaurants, Cafés oder Geschäfte, in denen man sich die Zeit vertreiben kann. Am Sonntag besuchten Alex, Simon und ich dann noch den Parque de Aves, eine Art Rettungs- und Aufzuchtstation für Vögel aller Art; hauptsächlich jedoch Papageien und Tukane. Der Park ist etwa 2,5km außerhalb von Copán Ruinas gelegen und kümmert sich im Wesentlichen um Jungtiere, die von den Eltern verlassen wurden und um misshandelte Vögel, die abgegeben/gefunden werden. Ziel ist es, diese Vögel zu kurrieren und sie für die Rückkehr in die Freiheit vorzubereiten. Ist dieser Status erreicht, werden sie freigelassen; zunächst in einem Waldstück, in dem ihnen noch Futter und Wasser zur Verfügung gestellt wird und nach und nach suchen sie sich dann selbst einen neuen Lebensplatz. Die Vögel, die nicht mehr in Freiheit leben können, weil sie zu stark verletzt sind und/oder bereits zu stark an den Menschen gewöhnt sind, verbleiben im Park und einige wenige sind so zahm, dass man sie auf die Hand /Schulter nehmen und sogar streicheln kann! Das war ein super Erlebnis! Insbesondere den kleinen Tukan fand ich total cool! 😀

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Bienvenidos a Honduras!

Donnerstag, 10. April 2014

5.45 Uhr  Wecker klingelt
6.30 Uhr  Frühstück (Reis, Bohnen, Tomate, Spiegelei sowie eine frittierte Kartoffel)
6.55 Uhr  Abschied von der Familie und Fußmarsch zur Bushaltestelle [ca. 10min]
7.15 Uhr  Öffentlicher Bus von La Reina nach Matagalpa [ca. 50min]
8.00 Uhr  Wechsel des Busterminals (von einem ans andere Ende der Stadt) mittels Taxi [ca. 8min]
8.30 Uhr  Öffentlicher Bus von Matagalpa nach Estelí [ca. 1h 45min]
10.15 Uhr  Wechsel des Busterminals (“vier Blocks die Straße runter”) zu Fuß [ca. 10min]
11.00 Uhr  Öffentlicher Bus von Estelí nach Ocotal [ca. 2h 15min]
13.40 Uhr  Öffentlicher Bus von Ocotal zur Grenze in Las Manos [ca. 1h]
14.45 Uhr  Prozedere des Grenzübertritts [ca. 20min]
15.15 Uhr  Öffentlicher Bus von der Grenze nach El Paraíso [ca. 30min]
16.10 Uhr  Öffentlicher Bus (expreso) von El Paraíso nach Tegucigalpa [ca. 2h]
18.20 Uhr  Taxi vom Busterminal zum Hotel [ca. 10min]
21.30 Uhr  Schlafenszeit! Denn um 4.15 Uhr am nächsten Morgen hat der Wecker schon wieder geklingelt. ABER: Bienvenidos a Honduras!!! 😀

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Leon & Matagalpa

Hm… die Zeit vergeht so schnell und da ich meinen Reisetakt seit Granada wieder deutlich erhöht habe, hinke ich mit dem Blog leider etwas hinterher. Daher werden wohl Leon und Matagalpa nicht ganz die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdient haben.

Leon
Nachdem mir Granada gut gefallen hatte, wollte ich auf jeden Fall auch in Leon, der zweiten großen Kolonialstadt Nicaraguas, vorbeischauen. Laut zahlreicher Literatur war Granada damals wohl das wirtschaftliche Zentrum und die Einwohner waren eher konservativ, während Leon das Handwerks- und Künstlerzentrum war und dadurch deutlich liberaler. Und wenn man der Familie, bei der ich während der Hilfsprojektzeit gewohnt hatte und einigen anderen Einheimischen glauben schenken mag, so ist das heute wohl noch immer ein bißchen so.  In jedem Fall gibt es auch heute noch eine wohl gehegte Rivalität zwischen den beiden Städten, die nicht zu leugnen ist. 😉

Obwohl Granada durchaus etwas “übersichtlicher” auf einen wirkt (wie Steffi in ihrem Kommentar schon geschrieben hat) – mir kam es touristisch irgendwie erschlossener vor – so hab ich mich in Leon doch noch ein Stück wohler gefühlt (und dass, obwohl mir Granada ja auch schon gefallen hatte!) und war daher ziemlich traurig, dass ich nur zwei Tage bleiben konnte. Die Märkte, die Kirche, die Cafés, Bars & Restaurants sowie die zahlreichen Plätze haben auf mich einfach noch ein bißchen einladender gewirkt und auch die Menschen schienen mir noch offener. In jedem Fall möchte ich an dieser Stelle allen, die auch mal in die Stadt kommen, das Hostel Lazybones empfehlen! Geräumige Schlafsäle, super nettes und hilfsbereites Personal und ein Pool im Hinterhof! Und das alles für nur $8 pro Nacht! 😀 Abgesehen von all dem hab ich in Leon aber während eines kleinen Kochkurses auch eine sehr nette kanadische Familie kennengelernt (Vater, Mutter, 2 Söhne, Oma), die für etwa ein halbes Jahr ein Haus in Las Penitas (eine kleine Stadt an der Pazifikküste unweit von Leon) gemietet hat und das Wochenende in Leon verbrachte. Und weil wir uns auf Anhieb gut verstanden, haben sie mich dann auch prompt für ein paar Tage zu sich eingeladen. Ich hätte das Angebot wirklich gerne angenommen. Allerdings verfliegt die Zeit hier so schnell und ganz weit oben auf meiner Nicaragua-Liste stand auch noch, ein paar Tage bei einer indigenen Familie in den Bergen von Matagalpa zu verbringen. Daher hab ich mich schweren Herzens entschieden, das Angebot abzulehnen und bin am Montagnachmittag weiter nach Norden gereist.

Matagalpa
Von Leon aus ging’s am Montagnachmittag also weiter nach Matagalpa, von wo aus ich am nächsten Tag meinen Aufenthalt bei einer indigenen Familie in den Bergen organisieren wollte. Im Hotel traf ich abends jedoch zufällig drei nicaraguanische Agrarwissenschaftler, die am nächsten Morgen sowieso nach San Ramon fuhren; genau in das Dorf, in das ich auch musste, da dort die UCA (Union of Agricultural Cooperatives) ein kleines Büro hat, von dem aus sie touristische Aufenthalte bei Familien in den Bergen vermittelt. So fuhr ich also am nächsten Morgen ziemlich früh, aber auch ziemlich bequem mit den drei Nicaraguanern im Auto nach San Ramon und hatte dort bereits um 8.45 Uhr alles für meinen Aufenthalt organisiert. Und damit konnte es dann auch schon losgehen. Ich wurde von einem Taxi in die kleine Gemeinde La Reina in den Bergen gebracht, wo mich “meine Familie” bereits erwartete. Die zwei Tage und zwei Nächte, die ich gebucht hatte, sahen im Wesentlichen so aus, dass ich die beiden Vormittage mit einem Führer verbrachte und nachmittags dann die Mutter der Familie bei den täglichen Arbeiten begleitete; sie mir insbesondere zeigte, wie man nicaraguanisch kocht. Schlafen durfte ich die beiden Nächte in einer kleinen separaten Hütte mit eigenem Bad, gleich nebem dem “Haupthaus”. Und obwohl es insgesamt ziemlich einfach war, gab es sogar eine richtige Toilette.

Der Führer zeigte mir am ersten Tag die Kaffeeplantagen, von denen die Gemeinde im Wesentlichen lebt und erzählte mir viel über den Anbauprozess und die Entstehungsgeschichte der Gemeinde. Am zweiten Tag machten wir dann eine größere Wanderung durch kleine Reis- und Bohnen-Anbaugebiete sowie durch den angrenzenden Wald hin zu verschiedenen Aussichtspunkten und abschließend besuchten wir noch eine stillgelegte (mittlerweile wassergefüllte) Goldmine, von der die Gemeinde bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts gut lebte – daher stammt übrigens auch der Name La Reina – die Königin. Und jeweils nachmittags begleitete ich dann die Mutter der Familie bei ihren Arbeiten: Grundstück fegen, Hühner füttern, Wäsche waschen, reifes Obst abernten, kochen, etc. Das Tortilla-Machen klappt mittlerweile schon ganz gut! Gebacken haben wir die übrigens direkt auf der Herdplatte… 😀
Der Aufenthalt war wirklich sehr interessant und es hat mir gut gefallen, einen Einblick in das tägliche Leben einer Familie auf dem Land zu bekommen. Ich kann das also nur jedem empfehlen. Man muss allerdings bereit sein, sich auf die Einfachheit der Unterkunft einzulassen und (zumindest ein bißchen) Spanisch ist zwingend erforderlich!

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Carita feliz

Carita feliz – das ist der Name der Schule, in der ich die letzten beiden Wochen nachmittags eine Lehrerin unterstützt habe. Genau genommen ist es eher sowas wie ein Lernzentrum, in dem Schüler zwischen 5 und 14 Jahren (kollektiv) Nachhilfestunden bekommen und bei ihren Hausaufgaben betreut werden. Außerdem gibt es ein kostenloses Mittagessen sowie Vitaminpräparate und Obst am Nachmittag und einmal pro Monat kommt ein Arzt vorbei, der die Kinder kostelos untersucht, da die Kinder des Carita feliz meist aus Familien stammen, denen sehr wenig Geld zur Verfügung steht. Finanziert wird die Einrichtung hauptsächlich aus den Mitteln, die dem dänischen Konsul Peder Kolind in Granada zur Verfügung stehen.

Zunächst war ich zwar etwas enttäuscht, dass das Projekt, in dem ich eigentlich arbeiten wollte/sollte vorzeitig beendet oder zumindest ausgesetzt wurde, so dass ich gar keine Chance hatte, einen Einblick in die Arbeit auf der Finca zu bekommen. Die Arbeit mit den Kindern war letztlich aber auch eine sehr wertvolle Erfahrung und in so vielen Aspekten eine wirklich große Herausforderung, dass ich nun versuchen möchte, ein bißchen was darüber zu berichten.

Im Wesentlichen habe ich die letzten Tage eine Lehrerin einer ersten Klasse (5 bis 8 Jahre) beim Nachhilfeunterricht unterstützt und den Kindern ihrer Klasse bei den Hausaufgaben geholfen. Was heißt nun aber “beim Nachhilfeunterricht unterstützt”? Man muss sich das in etwa  so vorstellen, dass die Kinder vormittags in ihre eigentliche Schule gehen und dann anschließend zum Carita feliz kommen. Dort bekommen sie ein Mittagessen und anschließend beginnt klassenweise der Nachhilfeunterricht in den Bereichen Spanisch, Mathematik, Englisch und PC-Nutzung. Da die Schüler in meiner Klasse gerade erst Lesen und Schreiben sowie die Zahlen zwischen 1 und 20 gelernt haben/lernen, waren wir die beiden letzten Woche fast ausschließlich mit Lese- und Schreibübungen beschäftigt. Und auch wenn ich es anfangs etwas seltsam fand, dass wir die Silben “ma me mi mo mu” jeden Tag gefühlt 200mal durchgegangen sind, so muss man doch sagen, dass sich die meisten der Kinder schwer getan haben; entweder damit diese Silben zu schreiben oder sie zu lesen oder mit beidem. Im Englisch-Unterricht haben wir außerdem die Vokabeln für Körperteile und Tiere wiederholt – allerdings hauptsächlich mündlich und nur ganz wenig schriftlich.

Und auch wenn’s natürlich schon Spaß gemacht hat, war es doch hauptsächlich schwierig und anstrengend. Und das in vielerlei Hinsicht. Ein Problem ist beispielsweise, dass es keine richtigen Klassenräume gibt, wie die Bilder zeigen. Da sich also alle Kinder – zwar separiert in Grüppchen – jedoch im selben Raum aufhalten (sowas wie eine große Aula), ist der Lärmpegel grundsätzlich schon recht hoch. Hinzu kommt, dass es keine Einzel- oder Zweiertische gibt, sondern meist zehn bis fünfzehn Kinder oder mehr an einem Tisch sitzen und sich dadurch gegenseitig extrem schnell ablenken bzw. stören. Die extreme Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit fördert das Lernen natürlich auch nicht gerade (mal abgesehen davon, dass für die Kinder ja auch schon Nachmittag ist) und dann kommt ganz gravierend hinzu: die wenigsten dieser Kinder können auch nur drei Minuten still sitzen und konzentriert aufpassen. Anfangs dachte ich, sie wollen einfach nicht. Aber mittlerweile glaube ich, dass sie es wirklich nicht können, denn bis dahin mussten sie es wahrscheinlich nie. Irgendwann steht also immer mal wieder einer auf, tanzt, jemand anderes legt sich auf den Boden und schläft, zwei prügeln sich, kritzeln sich gegenseitig was ins Heft (sofern sie ein Heft und/oder einen Stift dabei haben) oder kaspern sonstwie rum. Grundsätzlich redet auch einfach jeder wann und was er will und somit sind die Lehrer die meiste Zeit damit beschäftigt, einigermaßen Ruhe in die Klasse zu bringen. Und das ist ganz schön schwierig. Denn man hat wenige Möglichkeiten, die Kinder zu maßregeln. Zum einen gibt es in Nicaragua keine Schulpflicht (die Schule ist zwar kostenlos, aber Kinder müssen nicht zur Schule gehen) und zum anderen erfahren viele der Carita feliz-Kinder in Schulbelangen keine ernsthafte Unterstützung von Zuhause; geschweige denn die Lehrer. Mir wurde berichtet, dass die Eltern ihre Kinder oft hauptsächlich dorthin schicken, weil sie dann nachmittags, wenn sie arbeiten, “gut aufgehoben” sind; nicht jedoch weil sie die Schule an sich für wichtig halten. Dies führt unter anderem dazu, dass jeden Tag ein anderes Kind sein Heft vergessen oder gar keinen Bleistift dabei hat und deshalb im Grunde gar nicht arbeiten kann und dadurch noch mehr zum Stören neigt als sowieso schon. Nun ist jedoch das Carita feliz ein Ort, an dem diesen Kindern geholfen werden soll; daher wird natürlich auch bei Problemen mit den Eltern gesprochen. Viel mehr kann man aber eigentlich kaum machen, denn am wenigsten möchte man natürlich, dass diese Kinder gar nicht mehr kommen…

Eine andere Schwierigkeit ist, denke ich, dass die meisten Lehrer-Jobs hier eher schlecht bezahlt sind und die wenigsten Lehrer hier aus einer Lehr-Leidenschaft unterrichten. Die meisten Lehrer arbeiten ganz einfach, weil sie ihre Familien versorgen müssen. Ich habe daher den Eindruck gewonnen, dass der Punkt, an dem man hier als Lehrer resigniert, schon recht früh einsetzt; insbesondere natürlich bei denen, die dem Lehren an sich nur wenig abgewinnen können.

Aber gut, in der zweiten Wochen durfte ich dann sogar selbst zweimal unterrichten. Und ich glaube, dass es – nach anfänglicher Skepsis meinerseits – zwar etwas holprig (so gut ist mein Spanisch dann trotz des Einzelunterrichts nicht!), insgesamt aber ganz gut war. Ich hatte Gesichter zum Zusammenpuzzlen gebastelt und die Kinder mussten die englischen Begriffe der einzelnen Teile (Augen, Ohren, Haare, Mund, Nase, …) nennen und wenn es richtig war, durften sie ein Puzzleteil einbauen. Das hat ganz gut funktioniert und nachdem ich irgendwann mal zu den beiden typischen Raufbolden gesagt hatte, dass ich ihnen nicht zuhöre, weil sie mir ja auch nicht zuhören und ich daher nicht mit ihnen arbeiten kann, waren sogar die in der nächsten Stunde etwas aufmerksamer und friedlicher. Das hat zwar nicht extrem lang gehalten, aber ich hatte den Eindruck, dass davor noch nie jemand sowas zu ihnen gesagt hat. Ähnlich ging’s mir mit einer Schülerin, die ständig die Tasche einer anderen durch den Raum geworfen hat. Als ich sie nach dem Unterricht aufgefordert hab, den Rucksack aufzuheben und an ihre Kameradin mit einer Entschuldigung zurückzugeben, hat sie das erstmal nicht groß interessiert. Nachdem ich jedoch gesagt hab, dass ich notfalls auch die ganze Nacht mit ihr dableiben würde und anfing mich schonmal “häuslich” einzurichten, schaute sie mich überrascht an und entschloss sich nach etwa 5 Minuten das Risiko dann doch lieber nicht einzugehen… Mir ist schon klar, dass einem das so oder so ähnlich natürlich auch in Deutschland passieren kann (die Erfahrung hab ich ja als Jugendleiterin beispielsweise selbst immer mal wieder gemacht), aber ich hab doch den Eindruck, dass hier ganz grundsätzlich eine gewisse Konsequenz fehlt; wahrscheinlich weil es – auf einer täglichen Basis – doch erstmal drängendere Probleme gibt wie etwa: haben wir genug Geld für’s Essen? Oder auch: wie bezahlen wir die Medizin (falls jemand krank wird)? Oder: wo bringen wir das nächste Baby unter? Und da viele der täglichen Probleme direkt mit Geld verbunden zu sein scheinen, ist es – kurzfristig gedacht – auch erstmal plausibel, dass möglichst viele Familienmitglieder möglichst schnell Geld verdienen, anstatt lang zur Schule zu gehen oder gar zu studieren. Und in diesem Kontext mag es natürlich auch ganz praktisch sein, wenn man eher zu denjenigen gehört, die sich anderen gegenüber (körperlich oder verbal) behaupten können. Andererseits habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, dass viele der Kinder durchaus interessiert sind und gerne lernen, wenn man sich mit ihnen allein beschäftigt. Vermutlich kennen sie das von Zuhause nämlich auch eher nicht.

Und natürlich war ich letzten Freitag, an meinem letzten Tag, dann doch etwas traurig, dass die zwei Wochen schon vorbei waren, auch wenn es doch ziemlich anstrengend war, denn an Kinder gewöhnt man sich ja doch ziemlich schnell; egal wo auf der Welt. :-)

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Las Comidas – Food – Essen

Domez hat ja meinen zweiten Blog-Eintrag gleich mit einer der wichtigsten Fragen überhaupt kommentiert: wie ist das Essen? 😉 Da es jedoch etwas Erfahrung braucht, um diese Frage zu beantworten, hatte ich damals um etwas Zeit gebeten und versprochen, bei Gelegenheit darauf zurück zu kommen. Und nachdem ich nun schon eine kleine Weile durch Panama, Costa Rica und Nicaragua gereist bin, möchte ich die Gelegenheit nun nutzen, um euch ein paar Fotos zu zeigen und endlich die Frage zu beantworten.

Zunächst mal gibt es hier natürlich eine ganze Fülle von sehr leckeren Früchten! Papayas, Mangos, Bananen, Ananas, Honig- sowie Wassermelonen und Kokosnüsse werden beispielsweise an so ziemlich jeder Ecke verkauft und sind nicht nur sehr günstig, sondern auch ziemlich lecker und bei der Hitze hier üblicherweise genau die Erfrischung, die man braucht. Interessanterweise gibt es im Gegensatz zu Costa Rica und Panama, in Nicaragua aber auch viele Äpfel. Genauso sieht’s mit Gemüse aus: Tomaten, Avocados, Gurken, Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und vieles vieles mehr – allem voran natürlich Kochbananen (“Platanos“) – sind problemlos (im Supermarkt sowie auf dem Markt) in rauen Mengen erhältlich. Mit Hülsenfrüchten sieht’s natürlich genauso aus: ich kann mir nicht vorstellen, dass Reis und Bohnen hier jemals ausgehen. 😀 Aber auch Fleisch – insbesondere natürlich Hühnchen – ist immer und meist recht günstig zu kriegen. Ganz im Gegensatz zu Eiern und Milchprodukten, die ich als relativ teuer empfinde. Wenn man also im Hostel selbst kochen möchte, kann man sich problemlos (recht günstig) versorgen; auch wenn man sich – was Wurst und Käse angeht (zumindest als Deutscher) – etwas einschränken muss.

Aber das beantwortet ja nur einen Teil der Frage. Denn ebenso interessant (wenn nicht sogar viel interessanter) ist ja, was die Menschen hier essen/kochen bzw. was man bekommt, wenn man hier essen geht. Und, um ehrlich zu sein: diese Frage ist ganz einfach zu beantworten. Denn eigentlich gibt es immer (und immer ist in diesem Fall immer (= morgens, mittags, abends)!) Reis und Bohnen in irgendeiner Kombination. Das heißt entweder Reis und Bohnen mit Rührei oder Reis und Bohnen mit frittiertem Hühnchen oder Reis und Bohnen mit gekochtem Hühnchen oder Reis und Bohnen mit Tortillafladen (manchmal ist der Tortillafladen frittiert und innendrin ist Käse) oder Reis und Bohnen mit Krautsalat und Fleisch (Hühnchen, Schwein oder Rind) oder …. In jedem Fall gibt es aber Reis und Bohnen und eigentlich gibt es immer auch Kochbananen dazu (die sind dann entweder frittiert oder gekocht oder angebraten)… 😀 In den Küstenregionen gibt es natürlich auch jede Menge Fisch und Meeresfrüchte. Und auch die werden meist mit Reis und Bohnen serviert. :-) Reis und Bohnen mit Rührei heißt übrigens Gallo Pinto und ist das landestypische Frühstück.

Ach ja, was es hier auch gibt: ganz dünne salzige Kochbananen-Chips. Die haben mir in Panama am besten geschmeckt. Da konnte man die in kleinen Beutelchen für maximal $0,20 kaufen. Lustigerweise befand sich übrigens das Zettelchen, auf dem Haltbarkeits- und Herstellungsdatum notiert waren, innerhalb des eingeschweißten Beutelchens.

Wenn einem die einheimischen Spezialitäten nicht schmecken oder man irgendwann genug hat von Reis und Bohnen gibt es in den touristischeren Orten meist aber auch internationale Restaurants, in denen man so ziemlich alles von Pizza & Pasta bis hin zu Asiatisch bekommt. Das ist dann jedoch deutlich teurer. Und in den ganz großen Städten wie Panama City, San José und Managua sind natürlich auch die einschlägigen Fast-Food-Ketten vertreten.

Bislang komm ich noch ganz gut mit Reis und Bohnen aus. Allerdings muss ich zugeben, dass ich ganz froh bin, dass ich die Familie, bei der ich aktuell in Granada wohne, davon überzeugen konnte, dass ich morgens nichts Warmes essen muss und deshalb bekomme ich jetzt morgens meistens eine Bananenmilch (Banane mit Milch pürriert) oder ein bißchen Obst, sodass es nur zweimal Reis und Bohnen pro Tag gibt… 😀

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