Nicaragua – estoy aquí

Am letzten Samstag war es also soweit: meine Reise nach und durch Nicaragua begann! Und um es gleich vorweg zu sagen: im Grunde war die Grenzüberquerung wieder sehr unkompliziert und wenig aufregend, obwohl ich mich erneut gegen einen Shuttle-Service entschieden hatte. Ich nahm einen öffentlichen Bus, der mich von Liberia aus direkt zur Grenze brachte, besorgte mir ein Aus- sowie ein Einreiseformular (von Nicaraguanern, die die kopierten Zettel hinter einem Zaun gegen eine Spende verteilten und damit ihren Unterhalt verdienen), stellte mich in die Schlange und bekam problemlos meinen Ausreisestempel. Dann musste man eine Weile laufen. Auf dem Weg wurde zweimal der Pass kontrolliert (ist der Ausreisestempel auch wirklich vorhanden?!) und bei manchen Leuten zudem das Gepäck (nicht bei mir) und letztlich musste man sich wieder für die Einreise nach Nicaragua anstellen. Auch hier lief für mich alles problemlos ab – ich musste nicht mal eine einzige Frage beantworten und bekam meinen Stempel.

Zusammen mit einigen anderen fuhr ich dann von der Grenze aus im Taxi nach San Jorge, wo die Fähre zur Isla de Ometepe ablegt. Die Insel besteht im Grunde aus zwei Vulkanen: dem Vulkan Concepción (1610 m; letzter Ausbruch 2010) und dem Vulkan Maderas (1394 m; erloschen) und ist laut Wikipedia die weltweit größte vulkanische Insel in einem Süßwassersee. Eigentlich hatte ich geplant, mit einem Bus nach San Jorge zu fahren, aber das Taxi kostete jeden von uns nur $5 (für ca. 40 Minuten Fahrt) und fuhr sofort, während der Bus erst gut 30 Minuten später abfuhr und wohl über eine Stunde gebraucht hätte. Auf diese Weise erreichten wir in San Jorge sogar noch ein so genanntes lancha, ein kleines Fährboot, das ebenfalls zur Isla de Ometepe übersetzt, allerdings nur halb so viel kostet ($1) wie die große Fähre. Und das war dann tatsächlich mein erstes kleines Nicaragua-Abenteuer. Denn während der Fahrt schwappte ständig Wasser ins Unterdeck (wo wir saßen), so dass in kürzester Zeit der Boden etwa knöchelhoch mit Wasser bedeckt war. Darüber hinaus kam auch einige Male eine ganze Ladung Wasser über die Reling ins Boot und erwischte alle, die dort saßen, so dass mehr oder wenige alle irgendwann ziemlich nass waren. Zunächst war ich mir unsicher, ob das wohl so sein soll und fragte mich, ob wir nicht irgendwann auf der 1,5-stündigen Fahrt untergehen würden. Da sich jedoch niemand sonst zu wundern schien und vor allem die Einheimischen unbeeindruckt auf ihren Plätzen saßen (von denen saß übrigens niemand direkt an der Reling…) dachte ich mir, dass es wohl normal ist und machte mir keine weiteren Gedanken, sondern nahm lieber ein kleines Video von den Wassermengen auf, die auf dem Boden hin- und herschwappten und genoß die wunderbare Aussicht auf die Insel mit ihren beiden Vulkanen.

Auf der Isla de Ometepe angekommen, erreichte ich dann sogar gleich einen Bus und lernte die erste wichtige Lektion für Nicaragua: nur weil man plant an einen bestimmten Ort zu reisen und Menschen sagen, dass das möglich ist, heißt das noch lange nicht, dass das zum geplanten Zeitpunkt oder in der geplanten Zeitspanne auch tatsächlich möglich ist! [Und um ein bißchen vorweg zu greifen: diese Tatsache habe ich seitdem noch einige Male experimentell bestätigt…] Denn der Bus fuhr zwar einen Großteil der Strecke in die von mir gewünschte Richtung – der Ort Balgüe wird jedoch samstags nicht angefahren (und Balgüe war im Grunde mein Ziel, denn ich wollte zur Finca Magdalena, die etwa 20 Minuten Fußmarsch hinter Balgüe liegt). Wer die Insel nicht kennt, kann sich das ganz einfach so vorstellen: die quasi einzige Straße auf der Insel gabelt sich in Santa Cruz – links geht’s nach Balgüe und rechts nach Merida. Und die Busse fahren mehr oder weniger tageweise abwechselnd nach Balgüe und Merida. Nach etwa 2,5 Stunden stieg ich also in Santa Cruz aus und da es allmählich dunkel wurde, beschloss ich, mir dort eine Unterkunft zu suchen, um am nächsten Tag dann weiter nach Balgüe zu reisen. Interessanterweise war auch das Unterkunft-Suchen nicht so einfach, da die meisten Hostels/Hotels ausgebucht waren. Irgendwann fand ich jedoch ein nettes kleines und günstiges Hotel, in dem ich beim Abendessen zudem einige ältere Kanadier und Amerikaner kennenlernte, die entweder schon vor langer Zeit auf die Insel ausgewandert waren oder seit einigen Jahren immer einige Wochen oder Monate im Jahr in Nicaragua verbrachten. So erfuhr ich dann auch, dass sonntags (also am nächsten Tag) grundsätzlich keine Busse auf der Insel fahren… Und auch mit Taxis ist das soweit im Inselinneren sonntags ein kleines Problem. Denn sonntags ist Kirchtag und das heißt auch die Taxifahrer gehen in die Kirche. Soviel also zu meinem Plan B, sonntags nach Balgüe zu fahren… 😀

Am Sonntagmorgen bat mir dann jedoch der Kanadier, der eine eigene Finca in Balgüe hat an, mit mir gemeinsam dorthin zu laufen. Er meinte, alleine hätte er keine Lust die knappe Stunde zu laufen, aber in Gesellschaft sei das durchaus nett und dann wäre er schon einen Tag früher auf seiner Finca und könne seine Arbeiter überraschen. Und so machten wir uns also gegen 10.30 Uhr auf den Weg und er erzählte mir unterwegs viel über die Insel und seine Erfahrungen auf der Insel. An seiner Finca angekommen, beauftragte er dann sogar einen seiner Arbeiter, mich den restlichen Weg (nochmal etwa 30 Minuten) zur Finca Magdalena zu begleiten und so kam ich dort kurz vor 12 Uhr glücklich, aber auch ziemlich erledigt an. Ich hatte ja die ganze Zeit mein Gepäck mit mir herumgetragen…

Die nächsten beiden Tage waren wirklich schön! Die Finca lädt aufgrund ihrer dezentralen Lage und des netten Personals definitiv zum Entspannen ein und davon abgesehen natürlich auch zum Besteigen eines Vulkans, genauer gesagt des Vulkans Maderas an dessen Fuße die Finca gelegen ist. Und das war dann auch gleich mein zweites Abenteuer in Nicaragua. Am Montag haben Marie und ich nämlich in Begleitung eines Guides den Vulkan Maderas erklommen! Und obwohl die Strecke bis zum höchsten Punkt des Vulkans mit 5.5 km deutlich kürzer war als bei der Vulkan-Besteigung in Panama, hatten es die 1300 Höhenmeter von der Finca bis zum Gipfel durchaus in sich. Insbesondere die letzten beiden Kilometer führten durch sehr matschiges und dadurch auch rutschiges Regen- bzw. Nebelwald-Gelände und erforderten besondere Konzentration! Der höchste Punkt selbst war dann allerdings gar nicht so interessant. Nach etwa 3,5 Stunden sagte der Guide plötzlich: finito! und erklärte, dass wir nun am Gipfel angekommen seien… Da wir jedoch von jeder Menge Bäume und anderem Gewächs umgeben waren, gab es keinen wirklich spektakulären Ausblick und wir folgten dem Weg noch ein Stück und kletterten einige Meter hinab zum wassergefüllten Krater! Dort gab es auch eine größere Fläche Wiese und so machten wir dort eine gute halbe Stunde Pause, aßen etwas und der Guide erzählte mir einiges über den Vulkan und die Insel im Allgemeinen, bevor wir dann den anstrengenden Rückweg (erneuter Aufstieg zum höchsten Punkt und dann Abstieg zur Finca) in Angriff nahmen, den ich noch zwei Tage später in meinen Knien spürte!

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