Monthly Archives: März 2014

Granada

Bereits seit einer Woche bin ich nun schon in Granada. Und ich werde für eine weitere Woche hier bleiben, da ich hier ja auch im Hilfsprojekt arbeite bzw. arbeiten wollte. Leider hat sich jedoch der Vor-Ort-Koordinator des Projektes vor etwa zwei Wochen entschieden, das Handtuch zu werfen und auch davor wohl einiges gemacht, was nicht im Sinne des eigentlichen Plans war (die Details kenne ich natürlich auch nicht). De facto bedeutet das jedoch, dass das Projekt momentan nicht existiert und sehr wahrscheinlich auch in Zukunft nicht weitergeführt wird…

Daran schließt sich nun natürlich die Frage an, was ich eigentlich gerade mache. Nun ja, vormittags habe ich vier Stunden (Einzel-)Spanisch-Unterricht bei einer Englisch-/Spanisch-Lehrerin, die eigentlich auch im Projekt arbeiten wollte/sollte und mittags gehen wir dann in eine nahe-gelegene Schule für Kinder aus mittellosen Familien und helfen dort bei den Hausaufgaben oder im Unterricht. Nachdem ich zuerst doch ziemlich enttäuscht war (das ist ja nun etwas ganz anderes als die Arbeit auf einer Finca und bietet keineswegs den Einblick in den von mir angestrebten entwicklungspolitischen Bereich) habe ich mich aber recht schnell mit der Situation angefreundet. Zum Einen mache ich im Spanischen – glaube ich – wirklich gute Fortschritte und zum Anderen gehört eine solche Erfahrung wohl auch dazu. Dass Entwicklungsprojekte angedacht und vielleicht auch aufgenommen werden, dann aber wieder verworfen werden, ist wahrscheinlich nicht mal eine Seltenheit. Und hinzu kommt natürlich auch, dass ich nach anfänglicher Skepsis nun doch den Eindruck habe, dass unsere Arbeit in der Schule auch einen guten Zweck verfolgt und die meisten Kinder tatsächlich ziemlich wissbegierig und dankbar sind. Außerdem hat die Situation den Vorteil, dass ich nun bei der Hitze hier (diese Woche hatten wir bis zu 38°C bei bis zu 83% Luftfeuchtigkeit) nicht auf dem Feld ackern muss… 😉 Und auch sonst weiß man ja nie, wofür solche Planänderungen gut sind.

Nun gut, neben dem Spanischunterricht und der Arbeit in der Schule hab ich mir in der verbleibenden Zeit diese Woche natürlich auch ein bißchen Granada angeschaut (auch wenn unter der Woche nicht wirklich viel Zeit übrig war). Ist wirklich ein hübsches kleines Städtchen und so ganz anders als die anderen Teile Nicaraguas, die ich bisher bereist habe. Man sieht nämlich ganz deutlich, dass Granada (zusammen mit Leon) eine der beiden großen Kolonial-Städte war. Häuser, Kirchen und Plätze haben daher einen erkennbaren europäischen Einfluss (überall findet man beispielsweise kleine Brunnen). Und dieser Einfluss ergibt in Kombination mit den lateinamerikanischen Elementen einen ganz eigenen Charme.

Und dann sind diese Woche noch zwei ungeplante Dinge passiert. Zunächst ist nämlich am Mittwoch meine Brille kaputt gegangen; genauer gesagt ist das Gestell in der Mitte auseinandergebrochen, obwohl die Brille ja eigentlich noch gar nicht alt war. Ich konnte jedoch glücklicherweise beim Optiker ein Gestell finden, das mir gefällt und in das die „alten” Gläser hineinpassen, so dass ich lediglich, das neue Gestell bezahlen musste. Nicht mal die Arbeit haben sie mir berechnet. Und am Samstag konnte ich die neue Brille dann auch schon abholen. Hat alles ganz prima und problemlos geklappt. Bleibt nur zu hoffen, dass das Gestell diesmal länger hält!

Und dann hab ich am Freitag auch noch mein erstes Erdbeben live erlebt!!! :-) Denn gegen 8.30 Uhr Ortszeit fand vor der Pazifikküste Nicaraguas – etwa 60km von der Hauptstadt Managua entfernt – ein Erdbeben der Magnitude 5.2 (Richterskala) statt. Die Tiefe wird von verschiedenen Instituten unterschiedlich angegeben – die genannten Tiefen liegen jedoch alle zwischen 20 und 60 km. Um ehrlich zu sein, dachte ich zunächst aber, dass lediglich ein heftiger Windstoß durchs Gebäude gefegt ist und der Boden bzw. der Tisch deshalb etwas wackelte… Nur die Spanisch-Lehrerin war plötzlich ganz aufgeregt und auch etwas verängstigt und meinte, ich solle lieber mal bleiben, wo ich sei und sie erkundige sich, was das war. Als sie dann zurückkam und mir sagte, dass es ein Erdbeben war, wohl aber nichts Schlimmeres passiert sei (und das war tatsächlich so), hab ich ihr gesagt, dass ich das total interessant und spannend finde! Das fand sie zunächst ziemlich irritierend. Ich hab ihr dann aber nochmal erklärt, dass ich doch Geophysikerin bin und es mein erstes live-erlebtes Erdbeben war. Obwohl sie meine Reaktion, glaub ich, nach wie vor etwas überrsachend findet, konnte sie es dann zumindest ein bißchen besser nachvollziehen. 😀

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Von Managua nach Bluefields und zurück

Obwohl es mir auf der Isla de Ometepe gut gefallen hat und ich gerne noch länger geblieben wäre, machte ich mich am Dienstagmorgen auf den Weg nach Managua, der Hauptstadt Nicaraguas. Ich hatte mich nämlich von Einheimischen überzeugen lassen, von dort aus nach Bluefields zu reisen; das heißt etwa 7 Stunden lang im Bus nach El Rama fahren und dann nochmal ca. 2 Stunden im Boot, um an die Karibikküste Nicaraguas zu gelangen. Und obwohl ich zugeben muss, dass ich zwischendurch doch das ein oder andere Mal an dieser Idee gezweifelt habe (zum Beispiel als ich am Donnerstagmorgen um 3.45 Uhr am Busbahnhof in Managua stand und sich herausstellte, dass der Bus nicht um 4 Uhr, sondern erst um 5 Uhr fährt oder auch als mir klar wurde, dass sich in Bluefields wohl kein einziger nicht-mittelamerikanischer Tourist außer mir aufhält), so bin ich jetzt doch sehr froh, dass ich gefahren bin. Denn viele Dinge/Menschen/Lebensarten hätte ich wahrscheinlich nicht gesehen, wenn ich nicht einen Tag lang im öffentlichen Bus (für $5) durch’s halbe Land und über die vielen kleinen armen (sehr armen!) Dörfer an die Karibikküste gefahren wäre.

So eine Reise kann durchaus ein Erlebnis sein, denn die (öffentlichen) Busfahrten laufen hier ganz anders ab, als das in den meisten europäischen Ländern der Fall ist. Man kann beispielsweise ein- und aussteigen, wo man möchte. Man muss dem Fahrer bzw. seinem Assistenten, der das Ein- und Aussteigen sowie die Gepäckverladung koordiniert, lediglich ein entsprechendes Zeichen geben und dann hält der Bus an. Auf diese Art und Weise werden beispielsweise auch Gepäck oder Waren (wie etwa ein Sack Zwiebeln oder eine Kisten Hühner, lebend) zu Verwandten durch’s Land geschickt. Entweder der Bus hält irgendwo in der Pampa an und schmeißt einen Sack raus (der Empfänger wird ihn dort schon irgendwann abholen) oder irgendwo in der Einöde wartet jemand am Straßenrand und nimmt ein Paket in Empfang. Natürlich gibt es auch planmäßige Halte. Abgesehen von neuen Passagieren, steigen dort dann üblicherweise auch jede Menge Verkäufer ein, die die Passagiere mit günstigem Essen und Getränken aber auch anderen Waren versorgen (wollen). Und wenn ich Essen sage, dann meine ich nicht nur fertig-verpackte Bananenchips oder Früchte, sondern auch beispielsweise mit warmem Käse, Salat und Salsa gefüllte Tortilla-Fladen, die direkt im Bus (stehend zwischen 50 anderen Passagieren) zubereitet werden. Das ist echt beeindruckend! Ebenso kann man aber auch sein Handy aufladen oder sich einen neuen Gürtel kaufen. :-)

Am liebsten würde ich euch jetzt hier tausend Fotos von diesen Eindrücken zeigen. Ich habe jedoch nur ganz ganz wenige in den letzten Tagen gemacht, denn in vielen Situationen hätte ich mich nicht wohl gefühlt, wenn ich meinen Foto raus geholt hätte, um die Armut der Menschen zu fotografieren. Und was noch viel entscheidender ist: ich glaube, die Menschen um mich herum hätten sich nicht mehr wohl gefühlt.

Mal von den visuellen Eindrücken abgesehen, habe ich aber auch wirklich viele Menschen auf dieser Fahrt kennengelernt, die mir einiges über ihr Leben und Nicaragua im Allgemeinen erzählt haben. Denn ganz anders als in Costa Rica und/oder Panama, sind die meisten Nicaraguaner überhaupt nicht scheu. Sie sind vielmehr interessiert und neugierig und setzen sich im Bus gern neben dich und erzählen dir ihre Lebensgeschichte oder fragen dich Löcher in den Bauch! Man muss allerdings des Spanischen mächtig sein, denn Englisch sprechen – vor allem auf dem Land – nur sehr sehr wenige. Besonders aufgefallen ist mir übrigens, dass sich nicaraguanische Frauen gerne zu Touristinnen setzen und über alles mögliche unterhalten. So habe ich beispielsweise gute zwei Stunden mit Jean gesprochen; einer außerordentlich netten Nicaraguanerin aus der Nähe von Bluefields, die mir letztlich sogar ihre Telefonnummer gegeben hat, damit ich sie anrufen kann, falls ich auf meiner weiteren Reise einem Problem begegne, das ich nicht selbst lösen kann! Aber auch in Bluefields selbst habe ich mich nach meiner anfänglichen Skepsis sehr wohl gefühlt; was im übrigen bisher für ganz Nicaragua gilt; Managua eingeschlossen. Nach meiner Rückkehr aus Bluefields nach Managua habe ich nämlich gute eineinhalb Tage zusammen mit Nick, einem netten Kanadier, den ich im Hostel kennengelernt habe, Managua zu Fuß erkundet. Wir waren beispielsweise auf dem Loma de Tiscape (um einen Überblick über die Stadt zu bekommen), in der Area Monumental (das Stadtgebiet, das 1972 von einem Erdbeben niedergestreckt wurde), am Lago de Managua und auch im Barrio Martha Quezales. Und wir haben uns beide zu keinem Zeitpunkt unsicher oder unwohl gefühlt. Auch nicht als wir durch die vom Lonely Planet genannten „unsicheren“ Gebiete gelaufen sind. Ganz im Gegenteil: die Menschen hier sind wirklich außerordentlich hilfsbereit. Sie geben sich beispielsweise meistens nicht damit zufrieden, einem den Weg zu erklären (wenn man danach fragt), sondern bestehen darauf, einen zu begleiten, damit sie auch sicher sein können, dass man sein Ziel findet. Natürlich sollte man bei einer solchen Städte-Tour-Zu-Fuß jedoch darauf achten, möglichst keine Wertsachen dabei zu haben und nichts, das schreit „Ich bin ein Tourist – es lohnt sich mich auszurauben!“. So hatten Nick und ich keine/n Tasche/Rucksack und auch keine Wertsachen dabei, sondern jeder nur etwa 150 Cordobas (Landeswährung) in seinen Hosentaschen (umgerechnet sind das etwa $6).

Ebenso beeindruckend (und auch überraschend) an Nicaragua finde ich, wie grün das Land in manchen Aspekten ist. Und das nicht nur im wörtlichen Sinne aufgrund der vielen vielen Bäume und Parks auch in den Städten (obwohl Trockenzeit ist!), sondern vor allem im bildlichen Sinne: fast überall sieht man Windkrafträder, deren Rotorblätter fleißig ihre Runden drehen. In Gesprächen mit hauptsächlich jungen Nicaraguanern (die Revolution und die katholische Kirche haben ihre Spuren hinterlassen: fast 70% aller Nicaraguaner sind jünger als 30 Jahre) habe ich erfahren, dass das wohl hauptsächlich daran liegt, dass man energietechnisch möglichst unabhängig sein will (preislich, ganz wichtig aber auch staatenbundlich); wieso also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Ein funktionierendes Abwassersystem (und damit meine ich eigentlich ein Klärsystem) fehlt allerdings noch! Und das ist ein durchaus gravierendes Problem! Denn momentan geht alles Abwasser entweder direkt in einen nahe gelegenen See, ins Meer oder versickert direkt vorm Haus in Richtung Grundwasser. Daher darf man auch in den meisten Seen nicht baden! Wenn ich das richtig verstanden habe, arbeitet die Regierung jedoch gerade an einem Konzept für ein tragfähiges Pilotprojekt.

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Nicaragua – estoy aquí

Am letzten Samstag war es also soweit: meine Reise nach und durch Nicaragua begann! Und um es gleich vorweg zu sagen: im Grunde war die Grenzüberquerung wieder sehr unkompliziert und wenig aufregend, obwohl ich mich erneut gegen einen Shuttle-Service entschieden hatte. Ich nahm einen öffentlichen Bus, der mich von Liberia aus direkt zur Grenze brachte, besorgte mir ein Aus- sowie ein Einreiseformular (von Nicaraguanern, die die kopierten Zettel hinter einem Zaun gegen eine Spende verteilten und damit ihren Unterhalt verdienen), stellte mich in die Schlange und bekam problemlos meinen Ausreisestempel. Dann musste man eine Weile laufen. Auf dem Weg wurde zweimal der Pass kontrolliert (ist der Ausreisestempel auch wirklich vorhanden?!) und bei manchen Leuten zudem das Gepäck (nicht bei mir) und letztlich musste man sich wieder für die Einreise nach Nicaragua anstellen. Auch hier lief für mich alles problemlos ab – ich musste nicht mal eine einzige Frage beantworten und bekam meinen Stempel.

Zusammen mit einigen anderen fuhr ich dann von der Grenze aus im Taxi nach San Jorge, wo die Fähre zur Isla de Ometepe ablegt. Die Insel besteht im Grunde aus zwei Vulkanen: dem Vulkan Concepción (1610 m; letzter Ausbruch 2010) und dem Vulkan Maderas (1394 m; erloschen) und ist laut Wikipedia die weltweit größte vulkanische Insel in einem Süßwassersee. Eigentlich hatte ich geplant, mit einem Bus nach San Jorge zu fahren, aber das Taxi kostete jeden von uns nur $5 (für ca. 40 Minuten Fahrt) und fuhr sofort, während der Bus erst gut 30 Minuten später abfuhr und wohl über eine Stunde gebraucht hätte. Auf diese Weise erreichten wir in San Jorge sogar noch ein so genanntes lancha, ein kleines Fährboot, das ebenfalls zur Isla de Ometepe übersetzt, allerdings nur halb so viel kostet ($1) wie die große Fähre. Und das war dann tatsächlich mein erstes kleines Nicaragua-Abenteuer. Denn während der Fahrt schwappte ständig Wasser ins Unterdeck (wo wir saßen), so dass in kürzester Zeit der Boden etwa knöchelhoch mit Wasser bedeckt war. Darüber hinaus kam auch einige Male eine ganze Ladung Wasser über die Reling ins Boot und erwischte alle, die dort saßen, so dass mehr oder wenige alle irgendwann ziemlich nass waren. Zunächst war ich mir unsicher, ob das wohl so sein soll und fragte mich, ob wir nicht irgendwann auf der 1,5-stündigen Fahrt untergehen würden. Da sich jedoch niemand sonst zu wundern schien und vor allem die Einheimischen unbeeindruckt auf ihren Plätzen saßen (von denen saß übrigens niemand direkt an der Reling…) dachte ich mir, dass es wohl normal ist und machte mir keine weiteren Gedanken, sondern nahm lieber ein kleines Video von den Wassermengen auf, die auf dem Boden hin- und herschwappten und genoß die wunderbare Aussicht auf die Insel mit ihren beiden Vulkanen.

Auf der Isla de Ometepe angekommen, erreichte ich dann sogar gleich einen Bus und lernte die erste wichtige Lektion für Nicaragua: nur weil man plant an einen bestimmten Ort zu reisen und Menschen sagen, dass das möglich ist, heißt das noch lange nicht, dass das zum geplanten Zeitpunkt oder in der geplanten Zeitspanne auch tatsächlich möglich ist! [Und um ein bißchen vorweg zu greifen: diese Tatsache habe ich seitdem noch einige Male experimentell bestätigt…] Denn der Bus fuhr zwar einen Großteil der Strecke in die von mir gewünschte Richtung – der Ort Balgüe wird jedoch samstags nicht angefahren (und Balgüe war im Grunde mein Ziel, denn ich wollte zur Finca Magdalena, die etwa 20 Minuten Fußmarsch hinter Balgüe liegt). Wer die Insel nicht kennt, kann sich das ganz einfach so vorstellen: die quasi einzige Straße auf der Insel gabelt sich in Santa Cruz – links geht’s nach Balgüe und rechts nach Merida. Und die Busse fahren mehr oder weniger tageweise abwechselnd nach Balgüe und Merida. Nach etwa 2,5 Stunden stieg ich also in Santa Cruz aus und da es allmählich dunkel wurde, beschloss ich, mir dort eine Unterkunft zu suchen, um am nächsten Tag dann weiter nach Balgüe zu reisen. Interessanterweise war auch das Unterkunft-Suchen nicht so einfach, da die meisten Hostels/Hotels ausgebucht waren. Irgendwann fand ich jedoch ein nettes kleines und günstiges Hotel, in dem ich beim Abendessen zudem einige ältere Kanadier und Amerikaner kennenlernte, die entweder schon vor langer Zeit auf die Insel ausgewandert waren oder seit einigen Jahren immer einige Wochen oder Monate im Jahr in Nicaragua verbrachten. So erfuhr ich dann auch, dass sonntags (also am nächsten Tag) grundsätzlich keine Busse auf der Insel fahren… Und auch mit Taxis ist das soweit im Inselinneren sonntags ein kleines Problem. Denn sonntags ist Kirchtag und das heißt auch die Taxifahrer gehen in die Kirche. Soviel also zu meinem Plan B, sonntags nach Balgüe zu fahren… 😀

Am Sonntagmorgen bat mir dann jedoch der Kanadier, der eine eigene Finca in Balgüe hat an, mit mir gemeinsam dorthin zu laufen. Er meinte, alleine hätte er keine Lust die knappe Stunde zu laufen, aber in Gesellschaft sei das durchaus nett und dann wäre er schon einen Tag früher auf seiner Finca und könne seine Arbeiter überraschen. Und so machten wir uns also gegen 10.30 Uhr auf den Weg und er erzählte mir unterwegs viel über die Insel und seine Erfahrungen auf der Insel. An seiner Finca angekommen, beauftragte er dann sogar einen seiner Arbeiter, mich den restlichen Weg (nochmal etwa 30 Minuten) zur Finca Magdalena zu begleiten und so kam ich dort kurz vor 12 Uhr glücklich, aber auch ziemlich erledigt an. Ich hatte ja die ganze Zeit mein Gepäck mit mir herumgetragen…

Die nächsten beiden Tage waren wirklich schön! Die Finca lädt aufgrund ihrer dezentralen Lage und des netten Personals definitiv zum Entspannen ein und davon abgesehen natürlich auch zum Besteigen eines Vulkans, genauer gesagt des Vulkans Maderas an dessen Fuße die Finca gelegen ist. Und das war dann auch gleich mein zweites Abenteuer in Nicaragua. Am Montag haben Marie und ich nämlich in Begleitung eines Guides den Vulkan Maderas erklommen! Und obwohl die Strecke bis zum höchsten Punkt des Vulkans mit 5.5 km deutlich kürzer war als bei der Vulkan-Besteigung in Panama, hatten es die 1300 Höhenmeter von der Finca bis zum Gipfel durchaus in sich. Insbesondere die letzten beiden Kilometer führten durch sehr matschiges und dadurch auch rutschiges Regen- bzw. Nebelwald-Gelände und erforderten besondere Konzentration! Der höchste Punkt selbst war dann allerdings gar nicht so interessant. Nach etwa 3,5 Stunden sagte der Guide plötzlich: finito! und erklärte, dass wir nun am Gipfel angekommen seien… Da wir jedoch von jeder Menge Bäume und anderem Gewächs umgeben waren, gab es keinen wirklich spektakulären Ausblick und wir folgten dem Weg noch ein Stück und kletterten einige Meter hinab zum wassergefüllten Krater! Dort gab es auch eine größere Fläche Wiese und so machten wir dort eine gute halbe Stunde Pause, aßen etwas und der Guide erzählte mir einiges über den Vulkan und die Insel im Allgemeinen, bevor wir dann den anstrengenden Rückweg (erneuter Aufstieg zum höchsten Punkt und dann Abstieg zur Finca) in Angriff nahmen, den ich noch zwei Tage später in meinen Knien spürte!

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San José – Montezuma – Liberia

Leider musste Lars am Dienstag ja schon wieder zurück nach Deutschland fliegen und so blieb uns nichts anderes übrig als am Montag den Rückweg nach San José anzutreten. Wir beschlossen, bereits am frühen Vormittag zu fahren, so dass uns nachmittags noch etwas Zeit blieb, um ein wenig die Hauptstadt Costa Ricas zu erkunden. Und auch die Amerikaner, die wir am Wasserfall kennengelernt hatten, reisten am Montagmorgen wieder zurück nach San José, da sie dort teilweise am Nachmittag Kurse ihres Austauschprogramms besuchen mussten. Netterweise bot uns aber Wesley an (einer der Amerikaner, der erst um 18 Uhr einen Kurs besuchen musste), uns für ein paar Stunden durch San José zu führen. Diese Angebot nahmen wir selbstverständlich dankbar an und wir hatten wirklich eine nette Zeit und bekamen noch einige schöne Plätze zu sehen. Vielen Dank nochmal, Wes!

Abends beschlossen Lars und ich dann zum Abschied nochmal Essen zu gehen und fragten den Hostelbetreiber nach einer Empfehlung… Allerdings zählte der zunächst mal alle erdenklichen Fast Food Ketten in der Nähe auf (und das waren wirklich eine GANZE Menge; im Grunde so ziemlich alles, was man sich an Fast Food vorstellen kann…). Erst in einem zweiten Anlauf verstand er dann, dass wir eigentlich was Lokales, sozusagen Hausgemachtes suchten und empfahl uns ein Soda, das heißt ein typisch costa-ricanisches Lokal und einen Brasilianer; beides angeblich ganz in der Nähe. Nachdem wir jedoch fast eine Stunde zu Fuß durch unser Viertel geirrt waren und weit und breit weder ein Soda noch einen Brasilianer fanden, dafür aber mehrmals an den Fast Food Läden vorbeimarschierten und mehrere chinesische sowie italienische Restaurants fanden, unternahmen wir noch einen letzten Versuch und spazierten neugierig zu einem bläulich erleuchteten Haus. Und *tadaa* es war zwar weder das costa-ricanische noch das brasilianische Lokal, aber immerhin: es war kubanisch und bezahlbar! Und so beschlossen wir, es uns an unserem letzten gemeinsamen Abend in Costa Rica beim Kubaner gut gehen zu lassen und Lars bekam obendrein endlich (!) seinen ersehnten Mochito! 😀

Nachdem wir uns verabschiedet hatten (Schön, dass du da warst, Lars!), machte ich mich dann am Dienstagmorgen bereits um 6 Uhr mit dem Bus auf den Weg nach Montezuma, einen kleinen (um nicht zu sagen winzigen) Ort im Süden der Península de Nicoya. Hauptsächlich wollte ich dorthin reisen, da sich ganz in der Nähe dieses Ortes der Parque Nacional Cabo Blanco befindet; der erste offizielle Nationalpark Costa Ricas, der nach vielen mühevollen Jahren 1963 von einem dänisch-schwedischen Paar gegründet wurde. Die Fahrt nach Montezuma (Bus, Fähre, Bus, anderer Bus) dauerte ziemlich genau 6 Stunden und ich war ziemlich froh als ich mittags bei glühenden 31°C endlich angekommen war.

In meinen zweieinhalb Tagen in Montezuma besuchte ich dann den wirklich wunderschönen und absolut empfehlenswerten Nationalpark Cabo Blanco und lernte auf der kurzen Busfahrt dorthin ein junges amerikanisches Paar kennen, mit denen ich etwa 5 Stunden durch den Park wanderte. Außerdem fuhr und lief ich mit Melina und Moras, zwei Argentinierinnen, die ich im Hostel kennengelernt hatte nach Mal País, einem winzigen Surfer Hot Spot, der tatsächlich nicht viel mehr ist als sein Name sagt: ein schlechtes Stück Land, wenn man nicht surfen möchte. Denn, dass das Wasser nicht zum Baden geeignet ist, merkten wir erst als wir bereits im Wasser waren und uns unsere Knie an den nicht sichtbaren Felsen aufgeschrammt hatten. Glücklicherweise haben mich meine Freunde ja aber mit den besten Erste-Hilfe-Pflastern ausgestattet, die man haben kann und so suchte Melina das erste Pflaster aus, das ich benutzte. :-)

Heute Morgen um 5.30 Uhr habe ich mich dann auch schon wieder aus Montezuma verabschiedet und bin weiter nach Liberia gefahren, der letzten größeren Stadt vor der Grenze zu Nicaragua, wo ich gegen 14.30 Uhr ankam. Da ich die Weiterfahrt zur Grenze (das sind nochmal etwa 1,5 – 2 Stunden) und die Grenzüberquerung (und dann natürlich auch die Weiterfahrt von dort) nicht mehr so spät am Nachmittag in Angriff nehmen wollte (zur Erinnerung: es wird gegen 18 Uhr dunkel), hatte ich bereits gestern Abend überlegt und während der Fahrt dann beschlossen, eine Nacht in Liberia zu bleiben, mir die Stadt etwas anzuschauen, meine Sachen nochmal zu ordnen und dann erst morgen die Weiterreise nach Nicaragua in Angriff zu nehmen. Und da ich ohne große Erwartungen hierher gekommen bin, war ich dann doch ziemlich positiv überrascht, denn die Stadt verströmt in meinen Augen ein ganz nettes Flair. Im Parque Central fand heute beispielsweise ein großer Markt statt und es waren einige Künstler in den Straßen unterwegs, die ihr Können zeigten und/oder ihre Waren anboten. Außerdem hab ich ein sympathisches kleines Hotel gefunden (La Posada del Tope), in dem ich für $10 nun sogar ein Einzelzimmer bekommen habe, da momentan nicht viele Gäste hier sind. Es ist zwar insgesamt ziemlich einfach gehalten; die Atmosphäre ist aber ganz wunderbar! :-)

So, und morgen geht’s dann also endlich nach Nicaragua! Marie und ich freuen uns schon sehr! Zunächst wird es uns für etwa vier oder fünf Tage auf die Isla de Ometepe verschlagen, um dort unter anderem die nächste Vulkanbesteigung in Angriff zu nehmen. So ziemlich jeder, den wir getroffen haben (und der auch dort war) hat in den höchsten Tönen von der Insel mit den beiden Vulkanen geschwärmt. Wir sind also schon sehr gespannt! Da ich momentan aber weder weiß, wie es dort mit Internet, noch wie es dort mit Strom aussieht, ist es gut möglich, dass ich mich erst wieder melde, wenn ich dann in Managua oder Granada bin. Also: keine Sorgen machen, falls ihr diesmal etwas länger nichts Neues von mir lest!

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Uvita II – ein Tag für Dani

Anmerkung:
Liebe Dani, bei unserem Abschied in Karlsruhe habe ich versprochen, einen Tag meiner Reise für dich zu erleben. Und hier ist er also. Elefanten oder Pinguine sind es nicht geworden – welch Wunder! Ich hoffe dennoch, dir gefällt, was ich ausgesucht habe. 😉

Ein Tag für Dani:
Am Sonntag – unserem zweiten und letzten Tag in Uvita – hatten Lars und ich eine Boots-Tour gebucht, während der man Delphine und/oder Wale sehen sollte und anschließend schnorcheln ging. Wir machten uns also um 8 Uhr auf den Weg zum Treffpunkt und waren gespannt, was uns erwarten würde. Nachdem wir noch acht andere Touristen aufgesammelt hatten ging es zunächst zum Parque Nacional Marino Ballena. Dort wartete bereits ein Boot am Strand auf uns, in das wir einsteigen mussten und nach einigen Sicherheitshinweisen begann dann endlich die Tour. Nachdem wir die strandnahen Wellen überwunden hatten, dauerte es zwar eine Weile, aber nach etwa 30 Minuten tauchten dann tatsächlich Delphine auf! Und es waren nicht nur zwei oder drei, sondern gleich mehrere Delphinschwärme, die uns oder die wir (je nach Perspektive) eine ganze Weile begleiteten! Das war auf jeden Fall ziemlich cool! 😀 Anschließend fuhren wir noch ein Stück weiter und sahen sogar eine Meeresschildkröte auf dem Wasser treiben, auf deren Rücken eine Möwe stand. Leider tauchte sie recht schnell ab, als wir uns versuchten zu nähern. Anschließend kreuzten wir jedoch nochmal den Weg eines Delphinschwarms; diesmal allerdings einer anderen Sorte Delphin, dessen Haut leicht rötlich schimmert. Gefühlt haben wir an diesem Vormittag etwa 60 Delphine gesehen. Wahrscheinlich waren es nicht ganz so viele. Aber beeindruckend und schön war es auf jeden Fall und dann ging es ja noch weiter zum Schnorcheln.

Das Schnorcheln fand nicht – wie sonst oftmals – vom Strand aus statt, sondern direkt vom Boot aus. Nachdem wir noch einige Pelikane gesichtet und beobachtet hatten, stoppte das Boot nahe eines Felsriffs. Dann wurde die Schnorchelausrüstung verteilt und der Tour-Guide ging mit uns zusammen ins Meer und zeigte uns, wo wir schnorcheln durften und an welchen Stellen wir wegen der Strömung vorsichtig sein sollten. Und es gab wirklich jede Menge zu sehen: viele bunte kleine und große Fische (von denen ich mir leider die Namen nicht merken konnte), ein Aal, Seesterne, mehrere Seeigel und natürlich einige Korallen! Das Schnorcheln so weit draußen im Meer machte richtig Spaß und die Zeit verging rasend schnell! Zurück auf dem Boot bekamen wir dann noch einige gekühlte Früchte zur Erfrischung und machten uns dann wieder auf den Rückweg ans Festland! Alles in Allem war’s auf jeden Fall ein wirklich gelungener und schöner Ausflug! Lars und ich entschieden uns anschließend, noch ein bißchen am Strand zu bleiben, bevor wir noch was zum Abendessen einkauften und ins Hostel zurückfuhren. Abends saßen wir dann mit den Amerikanern, die wir am Wasserfall getroffen hatten, und einem Deutschen zusammen beim Essen und quatschten noch eine ganze Weile, bis uns fast die Augen zufielen und wir beschlossen, dass es jetzt Schlafenszeit ist!

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Uvita I

Am Samstagmorgen brachen Lars und ich dann auf ins nur etwa 60km entfernte Uvita, wo wir für zwei Nächte im Hostel Cascada Verde, das etwas ausserhalb des Ortes im Wald gelegen ist, reserviert hatten. Gleich bei unserer Ankunft waren wir von unserem Zimmer und der offenen Gestaltung des Gemeinschaftsbereichs begeistert und machten uns am späten Vormittag gespannt auf zum nahe gelegenen Wasserfall (ca. 10min Fußweg). Anders als bei den bisherigen Wasserfällen, die wir besucht hatten, war der Badefaktor hier deutlich höher, denn man konnte den Wasserfall nicht nur hinunter springen, sondern auch hinunter rutschen! Und natürlich ließen wir uns diesen Spaß nicht entgehen! Zusammen mit einigen Amerikanern, die wir dort kennenlernten (und die lustigerweise im selben Hostel übernachteten, wie sich später rausstellte) hatten wir wirklich eine Menge Spaß und die Zeit verging wie im Flug. Leider wissen wir nicht genau, wie hoch der Wasserfall tatsächlich ist. Meine Schätzungen anhand der Fotos belaufen sich jedoch auf ca. 8 Meter. :-)

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Parque Nacional Manuel Antonio ¡Vamos allá!

Bevor es am Donnerstagmorgen also weiter ging in das etwa 217 km entfernte Manuel Antonio besuchten Lars und ich noch eine Kolibri-Fütterstation sowie den Monteverde Butterfly Garden – eine wirklich tolle Einrichtung, die von passionierten Insektenfreunden geführt wird und unbedingt besucht werden sollte, wenn man in der Gegend ist!

Anschließend holten wir Fabienne am Hostel ab, besorgten etwas Reiseproviant und machten uns gegen 12 Uhr auf den Weg. Über steinige, teilweise geschotterte und unglaublich staubige Straßen ging es zunächst gut eine Stunde lang mit 20-40 km/h (und manchmal dem Allrad-Antrieb) aus dem Gebirge hinaus, bis wir schließlich die Interamericana erreichten. Von dort aus kamen wir dann wieder zügiger voran und erreichten nach einem etwa einstündigen Aufenthalt am Playa Hermosa gegen 16.30 Uhr Quepos bzw. Manuel Antonio. Leider hatte aber die Reservierung im Hostel nicht funktioniert und so gestaltete sich die Unterkunft-Suche an einem Freitagabend etwas schwierig. Schließlich fanden wir jedoch ein akzeptables und einigermaßen preiswertes Dreibettzimmer in einem kleinen Hotel und gingen nach einem leckeren Abendessen recht zeitig schlafen, da wir am nächsten Morgen früh raus wollten, um um 7 Uhr am Parque Nacional Manuel Antonio zu sein.

Gesagt, getan. Am nächsten Morgen machten wir uns also zeitig auf den Weg, um bei Parköffnung gleich unter den ersten Besuchern zu sein. Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, möglichst viele Tiere zu sehen, entschieden wir uns zusammen mit fünf anderen Touristen für eine ca. 2,5-stündige geführte Tour. Und die $20 lohnten sich auf jeden Fall! Denn wir sahen viele Affen, einige Faultiere (sogar ein Faultierbaby!), Frösche, viele Echsen, Spinnen, Waschbären sowie Fledermäuse und wir hätten die meisten dieser Tiere ohne Guide wohl nicht entdeckt. Allerdings füllte sich der Park sehr sehr schnell mit einer Horde weiterer Guides und unzähligen Touristen, so dass wir uns manchmal schon fast etwas unwohl fühlten. Unser Guide erzählte uns jedoch, dass es bislang leider nur einen einzigen Weg in den Park hinein gibt und dieser eben von allen Parkbesuchern genutzt werden muss. Daher wird jedoch aktuell an einem Konzept für weitere Wanderwege durch den Park gearbeitet, so dass die Besucherströme etwas entzerrt werden.

Nach der Tour hatten wir dann noch die Möglichkeit, im Nationalpark zu verbleiben und vorallem die Strandregionen auf eigene Faust zu erkunden. Wir entschieden uns auf Anraten unseres Guides noch ein ganzes Stück weiter zu einem etwas entfernteren Strand zu laufen, so dass wir dort das Wasser und die Sonne mit deutlich weniger Touristen teilen mussten. Als wir ein nettes Plätzchen gefunden hatten, ließen wir uns also nieder und packten unser kleines Vesper aus. Es dauerte jedoch nicht lange bis wir Besuch von ein paar hungrigen Iguanas bekamen und wir staunten nicht schlecht, wie nah sich die Tiere an uns herantrauten und wie hartnäckig sie blieben. Irgendwann hatten wir uns jedoch auf sowas wie eine friedliche Koexistenz geeinigt – im Wesentlichen lag das wohl daran, dass wir unser Essen wegpackten. 😀

Alles in Allem war’s wirklich ein schöner Tag und wir beschlossen, diesen mit einem wunderschönen Blick auf den Sonnenuntergang (17.30 Uhr) und einem guten Abendessen zu beschließen. Ich hatte medium-gegarte Thunfisch-Stücke (Catch-of-the-day) auf einem frischen Salat mit Honig-Senf-Soße! *mhhhhh*

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Monteverde – pura aventura

Die beiden Tage in Monteverde bzw. Santa Elena boten einiges an Abenteuer und das möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Am Dienstagvormittag haben Lars und ich zunächst eine Wanderung über acht Hängebrücken im Nebelwald von Monteverde gemacht. Dabei haben wir beispielsweise auch Brüllaffen gesehen. Am interessantesten waren an diesem Vormittag jedoch die Pflanzenwelt und natürlich die Hängebrücken selbst.

Nachmittags wurden wir dann am Hostel zur lang-ersehnten Canopé-Tour abgeholt. In etwa wussten wir natürlich, was uns erwartet; gespannt waren wir dennoch! Denn Aventura, der Anbieter, bei dem wir die Tour gebucht hatten, hat mit immerhin 1590 Metern die längste Zipline in ganz Lateinamerika. Für alle, die mit dem Begriff Canopé-Tour nichts anfangen können, folgt hier nun der Versuch einer kurzen Erklärung: zunächst wird man mit einem (quasi Ganzkörper-)Klettergurt, Handschuhen und einem Helm ausgestattet. Anschließend bekommt man eine ausführliche Sicherheitseinweisung und dann steigt man auch schon zur ersten Plattform hinauf. Dort wird man dann mit einer Seilführungsrolle und einem Sicherungskarabiner in die sogenannte Zipline eingehängt und dann geht’s auch schon los und man rollt hängend (mehr oder weniger sitzend im Klettergurt) über die erste (kurze Übungs-)Zipline zur nächsten Plattform. Die zweite Zipline ist dann schon etwas länger und so steigert sich schnell Höhe und auch Länge der Lines und damit natürlich auch die Geschwindigkeit (die Maximalgeschwindigkeit lag etwa bei 40 km/h). Abgesehen vom Spaß- und Abenteuerfaktor ist dabei natürlich insbesondere die Aussicht aufregend, da die Ziplines oftmals über den Baumwipfeln des Nebelwaldes gespannt sind! Ein besonderes Highlight der Tour waren dann noch die beiden letzten Ziplines, die man nicht sitzend im Klettergurt entlangflog, sondern in Superman-Pose, das heißt hängend unter der Zipline! 😀 Marie und ich hatten wirklich richtig viel Spaß. Aber schaut euch am besten die Fotos an (und wenn ich’s hinbekomme auch noch ein Video).

Wer jetzt denkt, das Abenteuer wäre an diesem Punkt zu Ende gewesen, hat sich jedoch getäuscht. Denn das eigentliche Abenteuer stand uns erst noch bevor: der Mega-Tarzan-Swing! Dabei wird man – gesichert an einem etwa 40 Meter langen Seil – von einer Plattform aus horizontal in die Tiefe geschubst, so dass man nach dem Fall noch – ähnlich wie Tarzan – durch die Gegend schwingt. Zunächst war uns etwas mulmig zu Mute, weil wir nicht genau wussten, wie das ganze funktioniert und leider auch nicht die Möglichkeit hatten, bei jemandem zuzuschauen. Dann haben Marie und ich jedoch beschlossen, dass Kneifen keine Option ist, sind den Skywalk entlang gegangen und haben uns einhängen und in die Tiefe schubsen lassen. Und natürlich war’s total cool! Leider gibt’s hiervon allerdings kein Video, denn Lars ist erst nach Marie und mir in die Tiefe gehüpft…

Obwohl der Dienstag natürlich schon ziemlich cool und abenteuerlich war, war auch der Mittwoch ein wirklich toller Tag! Morgens sind wir nämlich zusammen mit Fabienne, einer Schweizerin, die wir in unserem Hostel (Pensión Santa Elena; absolut zu empfehlen!) kennengelernt hatten, zum Reserva Biológica Bosque Nuboso Monteverde gefahren. Ich hatte bereits vor meiner Reise einiges über dieses Naturschutzgebiet gelesen und fand die dahinterstehende Organisation sowie das Besucherkonzept sehr ansprechend und wollte den Park daher unbedingt besuchen. Insgesamt kann man auf den Wanderwegen nämlich nur 3% des Naturschutzgebietes erkunden und die Besucherzahlen sind reglementiert, so dass Flora und Fauna möglichst wenig Schaden nehmen. In jedem Fall hatte sich die Recherche gelohnt, denn es waren wirklich sehr schöne Waldwege und wir kamen sogar zu einer weiteren Hängebrücke, die wir überqueren mussten sowie zur (nordamerikanischen) kontinentalen Wasserscheide. Außerdem konnten wir im Park viele Kolibris und sogar einen Quetzal, den Nationalvogel Guatemalas, sehen. :-)

Am Nachmittag machten Lars und ich uns dann noch auf den Weg zum Wasserfall von San Luis. Die Suche gestaltete sich jedoch etwas schwieriger als zunächst gedacht, denn die ohnehin nicht-asphaltierten Straßen wurden immer steiler und immer schotteriger und weit und breit waren weder Hinweisschilder noch Menschen zu finden und das Navi hatte bereits bei Fahrtbeginn resigniert. In jedem Fall hatte sich spätestens zu diesem Zeitpunkt der Allradantrieb unseres Mietwagens gelohnt. 😉 Irgendwann kamen wir dann an einen Steinbruch (oder was ähnliches) und fragten dort nach dem Weg. Wir mussten zwar etwa 3km zurückfahren, waren jedoch ziemlich glücklich, dass wir nicht ganz falsch gefahren waren und fanden bald darauf das Privatgrundstück, das zum Wasserfall führte. Die dort wohnhafte Dame war sehr nett und es gab sogar einen kleinen Empfangsbereich für die Besucher des Wasserfalls. Der Eintritt betrug $10. Dafür bekamen wir einen bewachten Parkplatz für unser Auto, eine Karte für den etwa 30-45minütigen Fußmarsch sowie Schutzhelme. Da es bereits Nachmittag war, beeilten wir uns etwas, denn wir wollten in keinem Fall den doch recht anstrengenden und trickreichen Weg im Dunkeln zurücklaufen. Und so schafften wir es tatsächlich in knapp 30 Minuten zum Wasserfall! Zu unserer Überraschung war dieser sogar zweistufig und dadurch wirklich sehr interessant und schön anzuschauen. Das Wasser war klar und frisch und hätte eigentlich zum Baden eingeladen. Da es jedoch unten beim Wasserfall (aufgrund mangelnder Sonne) recht kühl war, entschlossen wir uns, lieber nicht zu baden und anstelle dessen die Atmosphäre zu genießen und dann auch schon wieder zurückzulaufen. Denn so konnten wir auch den größten Teil der Rückfahrt zum Hostel durch kleine Bachläufe und auf ziemlich holprigen Straßen mit fast unvorstellbaren Steigungen noch im Hellen in Angriff nehmen! :-) Abends trafen wir uns dann nochmal mit Fabienne und gingen lecker essen und da sie unseren Plan gut fand, am nächsten Morgen an die Pazifikküste zu fahren (zum Parque Nacional Manuel Antonio), entschloss sie sich, mit uns zu kommen.

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Neues aus Costa Rica

Tortuguero war wirklich wunderschön und ich kann nur jedem empfehlen, eine Tour bei Barbara Hartung zu buchen. Während der Kanutour haben wir jede Menge Vögel, verschiedene Echsen wie beispielsweise Basiliken, alle drei in Costa Rica heimischen Affen (Brüllaffen, Klammeraffen, Kapuzineraffen) sowie einige Kaimane gesehen. Und auch später im Nationalpark konnten wir während einer Wanderung allerlei Pflanzen und Tiere wie etwa eine Schlange, verschiedene Spinnenarten und als kleines Highlight einen Rotaugenlaubfrosch, bewundern. Besonders interessant waren dabei die ganzen Hintergrundinformationen, die Barbara (als studierte Biologin und bereits seit 20 Jahren in Tortuguero wohnhaft) lieferte, so dass man einen guten Eindruck des naturalen Zusammenspiels gewinnen konnte. Die zwei Tage vergingen daher wie im Flug und so hieß es am Freitag dann auch schon wieder Adiós Tortuguero.

Meine Weiterfahrt (zuerst 2 Stunden mit dem Boot und dann nochmal 3,5 Stunden mit dem Bus) führte mich nach San José. In der Hauptstadt Costa Ricas war ich nämlich am Abend mit Lars verabredet, der für 12 Tage gemeinsam mit mir den Norden und die Pazifikküste Costa Ricas bereisen wird. Nachdem ich unser Hostelzimmer bezogen hatte, machte ich mich auf zum Flughafen und wir trafen uns dort gegen 22.15 Uhr und holten dann gemeinsam unseren Mietwagen für die kommenden zwei Wochen ab. Nach anfänglichen Bedenken fanden wir auf Anhieb und ohne jegliche Probleme durch den Straßendschungel von San José zum Hostel zurück und freuten uns, dass alles so gut geklappt hatte.

Am nächsten Morgen (Samstag) packten wir zeitig unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg zum Volcán Irazú. Mit 3432 m ist dies der höchste (aktive) Vulkan Costa Ricas, wobei die letzte Eruption 1963 den damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy bei seinem Staatsbesuch mit heißer Vulkanasche begrüßte. Glücklicherweise musste man diesen Vulkan nicht besteigen, sondern konnte mit dem Auto bis zu einem bewachten Parkplatz knapp 1km vor dem Gipfel fahren. Dort stellten wir unser Auto ab und liefen verschiedene Aussichtswege entlang. Im Gegensatz zu meiner letzten Vulkanbesteigung, konnte man hier sofort einen (eigentlich sogar zwei) Krater erkennen. Der Ausblick war wirklich wunderbar und so stellte der Vormittag einen gelungenen Start für Lars Urlaub und eine schöne Weiterreise für Marie und mich dar!

Gegen 13.30 Uhr stiegen wir dann wieder ins Auto und fuhren gute 4 Stunden lang weiter nach La Fortuna, einen Ort auf etwa 300 m Höhe im nördlichen Regenwald Costa Ricas. Hier hatten wir für zwei Nächte in der Cerro Chato Eco Lodge reserviert – ein wirklich hübsches Gelände mit zwölf kleinen Cabinas, das heißt ein-Zimmer-Bungalows mit eigenem Bad (und sogar warmem Wasser!). Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, gingen wir noch eine Kleinigkeit essen; jedoch dann auch schon schnell ins Bett, da wir ziemlich müde waren und am nächsten Morgen zeitig aufstehen wollten. Lars hatte zunächst nicht geglaubt, dass man hier teilweise schon sehr früh schlafen geht. Da es jedoch bereits gegen 18 Uhr dunkel wird und die Tage oft recht anstrengend sind, fallen einem meistens automatisch gegen 21 Uhr die Augen zu… Und so ging es uns auch an diesem Tag.

Heute standen wir dann ausgeschlafen gegen 6 Uhr auf, machten uns fertig, genossen das typisch Costa Ricanische Frühstück Gallo Pinto (Reis mit Bohnen, gebackener Kochbanane, Rührei und Toast) sowie etwas frisches Obst und machten uns dann auf den Weg zum Parque Nacional Volcán Arenal. Aufgrund des wohl unüblich guten und klaren Wetters hatten wir von einem Aussichtspunkt nach etwa 2 Stunden Fußmarsch einen besonders guten Blick auf den Vulkan Arenal, der typischerweise von einem Wolkenmeer verhangen ist. Mit einer Höhe von 1633 m ist er zwar nicht der höchste Vulkan Costa Ricas, allerdings der aktivste. Seine letzte Eruption fand 2010 statt. Zurzeit besteht jedoch laut einheimischen Vulkanologen keine Ausbruchgefahr, da keinerlei seimische Aktivitäten verzeichnet werden. Nach unserer Rückkehr aus dem Nationalpark machten wir zunächst eine kurze Mittagspause und wanderten dann zum angeblich nur 2km entfernten Catarata de Fortuna (Wasserfall des Glücks). Durch die enorme Steigung kam uns der Weg jedoch deutlich länger vor und wir waren schon ein bißchen geschafft als wir endlich am Eingang zum Wasserfallgelände ankamen; nur um dort festzustellen, dass man nun wieder in die Tiefe steigen musste, um zu dem kleinen See zu gelangen, in den das Wasser etwa 70 m tief hinab fiel. 😀 Die Anstrengung lohnte sich jedoch. Denn der Wasserfall war ziemlich beeindruckend und das Bad im erfrischend kühlen See stellte eine gelungene Abwechslung dar! :-)

Morgen geht’s dann schon wieder weiter. Unser nächstes Ziel heißt Monteverde/Santa Elena, liegt verteilt auf 1200 bis 1600 m Höhe und ist etwa 117 km und knappe 3 Stunden Autofahrt von hier entfernt.

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